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Döbeln Agrar AG Ostrau testet intelligenten Pflug
Region Döbeln Agrar AG Ostrau testet intelligenten Pflug
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00:18 01.02.2016
Der Zschaitzer Burgberg wurde von Landwirten durch Abkauf und Flächentausch gewonnen und in eine Grünfläche umgewandelt, die von Radfahrern und Spaziergängern gern genutzt wird. Quelle: LfULG
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Altzella/Ostrau

Die Geschichte der Sachsen steckt in den fruchtbaren Böden des Freistaats. Jahrtausende alte Gräber, Tonschalen, Fundamentreste – all dies gibt Dr. Michael Strobel und seinen Mitstreitern vom Landesamt für Archäologie (LfA) wertvolle Hinweise über die Geschichte der Region. „Bis kurz nach dem Jahr 900 gibt es keine Schriftquellen für Sachsen. Wir schreiben die Geschichte aus dem Boden ab“, sagt Strobel.

Doch diese so genannten Bodendenkmäler sind gefährdet: Weil in Sachsen intensiv Landwirtschaft betrieben wird, werden viele Zeugnisse der Geschichte durch zu tiefes Pflügen beschädigt. Dem will Strobel zusammen mit der Zschochauer Firma Exagt (Exakte Agronomie), der Agrar AG Ostrau und dem Gutshof Dres. Kübler GbR in Raitzen (Nordsachsen) abhelfen. Die vier Partner beginnen in diesem Jahr mit einem EU-geförderten Projekt zum Bau eines intelligenten Pflugs. „Wir planen ein satellitengestütztes Verfahren zur Verringerung der Bearbeitungstiefen im Boden“, sagt Strobel (s. Hintergrund). Und Exagt-Geschäftsführer Arnim Grabo erklärt: „Wenn der Fahrer auf ein Bodendenkmal zufährt, bekommt er ein Signal. Er könnte dann den Pflug manuell per Knopfdruck höher stellen, doch das Ziel ist es, dass das automatisch funktioniert.“

Wolfram Hirsch, Leiter der Pflanzenproduktion bei der Agrar AG Ostrau, hat sich schnell bereit erklärt, bei dem ehrgeizigen Projekt mitzuwirken. „Wir müssen als Landwirte für unsere Nachkommen diese Geschichte im Boden erhalten“, sagt er. Die Förderung im Rahmen des EU-Programms Europäische Innovationspartnerschaft Agri (EIP) ist bereits bewilligt und läuft ab sofort bis Ende 2018. Schon diesem Sommer, spätestens aber 2017, soll es erste Tests auf Feldern der Agrar AG geben. „Traktor und Pflug müssen erst mit den Geräten ausgerüstet werden. So ein Test würde zwei bis drei Tage dauern. Das müsste vor der Herbstbodensaison sein, danach haben wir keine Zeit“, sagt Hirsch.

Wird dieses Projekt erfolgreich getestet, könnte der Schutz der Bodendenkmäler wesentlich effektiver werden. Denn nur ein Bruchteil konnte bislang aus der intensiven Bewirtschaftung herausgenommen und in begehbare Grünflächen umgewandelt werden, darunter der Burgberg Zschaitz als positives Beispiel der Zusammenarbeit von Landwirten und LfA. Auch hier waren Wolfram Hirsch und die Agrar AG Ostrau beteiligt. Zugleich spielte die landwirtschaftliche Randlage der Fläche eine Rolle. „Die Agrar AG Ostrau war sich bewusst, dass die Fläche nicht den großen Ertrag bringt. Steine im Boden machten auch immer wieder Geräte kaputt“, erklärt Strobel.

So war es für das Unternehmen kein schwerwiegender Flächenverlust, als man sich 2011 darauf einigte, das sechs Hektar große Areal an den Landesverein Sächsische Landsiedlung zu verkaufen und einen Teil durch einen Flächentausch zu ersetzen. Das LfA errichtete einen steinernen Wall, der die Grenze zwischen Innen- und Vorburg markiert, die als slawische Anlage schon 1000 v. Chr. existierte und um 800 n. Chr. nochmals aufgebaut wurde. Dazu gibt es jetzt Obstbäume, Wiesen und Wege, die gern von Radfahrern und Spaziergängern genutzt werden.

Dieses „Musterbeispiel, wie man ein archäologisches Denkmal schützen kann“ (Strobel) und andere zeigt das LfA zusammen mit dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) noch bis 8. März in einer Ausstellung im Foyer des Landwirtschafts- und Umweltzentrums Nossen nahe dem Kloster Altzella. Neben zweieinhalb Meter hohen Stelen mit Beispielen für bekannte Bodendenkmäler gibt es auch den einen Kubikmeter großen Aushub einer Grabstelle zu sehen, die durch das Umpflügen beschädigt wurde. „Ziel ist die Sensibilisierung der Landwirte und ihnen mit positiven Beispielen zu zeigen, was möglich ist, auch mit Fördermitteln“, sagt Strobel. Der intelligente Pflug könnte bald dazugehören.

Von Sebastian Fink

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