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Döbeln Leisnigs Wehrleiter will absolut keine Smartphone-App
Region Döbeln Leisnigs Wehrleiter will absolut keine Smartphone-App
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00:50 28.04.2018
Das App-System „Alarmdispatcher“, wie es bei der Freiwilligen Feuerwehr Süd in Leipzig läuft, will auch Waldheim haben. Leisnig lehnt derartige Apps ab. Quelle: André Kempner
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Region Döbeln

In Döbeln sowie Waldheim stehen die Zeichen auf Feuerwehr-App. Feueralarm per App aufs Smartphone kommt für Bernd Starke aus Leisnig jedoch gar nicht in Frage. Gleichwohl verfolgt der Stadtwehrleiter mit Sorge die derzeitige Umstellung auf ein neues Alarmierungssystem für den Landkreis Mittelsachsen. Sein Urteil: „Ungenügend“.

Unerklärlich: Manche Pager bleiben still

In Leisnig, mit einer der personell stärksten Wehren im Landkreis Mittelsachsen, wurden 120 digitale Meldeempfänger an aktive Einsatzkräfte ausgegeben. Ein seltsames Phänomen ist zu beobachten, nicht allein in Leisnig, sondern flächendeckend: Bei gleichzeitig ausgelöstem Alarm schlägt der Pager bei manchen Kameraden an, bei anderen nicht, selbst dann, wenn die Personen direkt nebeneinander stehen.

Landkreis soll Alarm-App finanzieren

So ist das mit dem Licht: Mal geht’s und mal geht’s nicht. Was mal geht und mal nicht, sind die neuen digitalen Meldeempfänger für Feuerwehrleute und Rettungskräfte. Dass wegen lückenhafter Alarmierung im Landkreis Döbeln noch niemand auf der Strecke blieb, scheint einer der glücklichen Umstände des Dilemmas zu sein.

An dieser Stelle scheiden sich dann auch die Geister. Wo eine Stadt die Feuerwehr-App für ihre Feuerwehr finanziert, übernimmt sie die Verantwortung für die funktionierende Alarmierung quasi freiwillig. Und auch die Kosten. Nun nimmt ausgerechnet Leisnig mit seinem auf Kante genähten Stadthaushalt von einer Feuerwehr-App lieber Abstand.

Das könnte den Eindruck erwecken, als würde die Stadt wegen fehlendem Geld auf die „Nummer sicher“ für ihre Bürger verzichten. Sollte sich das Dilemma um die technisch mangelhafte Alarmierungstechnik beim Landkreis weiter hin ziehen, dann sollten tatsächlich alle Wehren zur Sicherheit vorerst die Alarm-Smartphone-App einführen. Wenigstens außerhalb von Funklöchern sollte man sich aufs Handy-Funknetz verlassen können.

Ist doch schon mal gut, wenn der Mann vom Landratsamt die App-Alarmierung per Mobilfunk befürwortet. Dann sollten sich die Kreisräte schon mal überlegen, wer den Kommunen die Anschaffungskosten für die App-Nutzung ersetzt. Es kann letztlich nicht an den Kommunen hängen bleiben, wenn der Landkreis den Auftrag für ein Millionenprojekt an ein Unternehmen vergibt, welches das dann technisch nicht gestemmt bekommt.

Kameraden verunsichert

Das verunsichere die Kameraden, so Starke. Den Notbehelf übers Handyfunknetz lehnt er nicht etwa deshalb ab, weil er die Gefährdung von Menschenleben in Kauf nimmt. Seine Befürchtung: „Etabliert sich die App, nehmen wir den Druck von der Landkreisverwaltung, das Problem zu lösen.“

Waldheims Rat bewilligt Finanzierung

In anderen Kommunen wird das anders gesehen. In Döbeln sowie Waldheim soll die Alarm-App kommen. In der Zschopaustadt bewilligte der Stadtrat dafür den einmaligen Anschaffungspreis von 3200 Euro, dazu kommt eine jährliche Gebühr. Es zahlt: Die Stadt.

Verantwortliche bitten um Verständnis

In der Leisniger Stadtverwaltung ist die Feuerwehr-App kein Thema. Bürgermeister Tobias Goth (CDU) verweist darauf, dass die Umstellung und die damit verbundenen Probleme seit Herbst 2017 beim Landkreis auf der Tagesordnung sind. Die dort Verantwortlichen hätten um Verständnis und Geduld bis zur Lösung gebeten.

Landkreis hat für Alarmierung zu sorgen

Beim Thema Feuerwehr sitzen Kommunen und Landkreis im selben Boot, mit klarer Aufgabenverteilung: Ausrüstung wie Gerätschaften bis hin zu Fahrzeugen haben die Kommunen zu beschaffen. Für eine funktionierende Alarmierung hat der Landkreis zu sorgen. „Das möge die Kreisverwaltung bitte auch tun“, stellt Starke seine Erwartung in den Raum.

Landratsamt verschließt sich der App nicht

Im Landratsamt sieht man die Aktivitäten jener Kommunen und ihrer Feuerwehren, die sich in Eigeninitiative eine Alarmierungs-App beschafft haben, keinesfalls kritisch. „Wir verschließen uns dieser Möglichkeit nicht. Wir verhindern es nicht, wenn Wehren eine solche App nutzen. Im Gegenteil, wir begrüßen das“, sagt Steffen Kräher, Leiter der Abteilung Ordnung, Sicherheit und Veterinärwesen in der Kreisverwaltung.

Immer nur ein paralleles Instrument

Allerdings schränkt Kräher ein: „So eine App kann nur als zusätzliches, paralleles Instrument zum digitalen Alarmierungsnetz gesehen werden, nicht als alleiniges Mittel.“Solche Apps würden nicht den vorgeschriebenen technischen Richtlinien für eine Alarmierung entsprechen, könnten deshalb nur eine ergänzende Variante sein. Als gesetzt, weil mit den Bestimmungen konform gehend, gelten die digitalen Meldeempfänger, genannt Pager.

Schwierigkeiten sollen in absehbarer Zeit überwunden sein

Allerdings müssen sie richtig funktionieren. Steffen Kräher spricht es nicht so aus, aber sicherlich stellen die Smartphone-Apps gerade bei den aktuellen Problemen mit dem neu installierten eigenen Alarmierungsnetz eine gute, sogar wichtige Hilfe dar. Er geht auch davon aus, dass die Schwierigkeiten mit den Pagern in absehbarer Zeit überwunden sind.

Nachteil: Funklöcher

Ein Nachteil der Handy-App sei, dass es im Falle von Funklöchern - von denen es je nach Funktelefon-Netz noch einige gibt - der Empfang versendeter Alarmierungsnachrichten scheitern kann. Umgekehrt kann es sein, dass ein Feuerwehrkamerad, der sich beispielsweise wegen Urlaub abgemeldet hat und in Mallorca am Strand liegt, plötzlich Feueralarm aufs Telefon bekommt - auch nicht erstrebenswert.

Vorteil: Rückmeldung an Einsatzleitung möglich

Ein Vorteil der App ist, dass die Kommunikation in beide Richtungen verlaufen kann. Die Alarmierungsnachricht geht ein, der Kamerad kann den Empfang und seine Bereitschaft für den Einsatz bestätigen. Der Einsatzleiter weiß, mit wie vielen Kräften er rechnen kann. Anders bei den Pagern: da funktioniert die Meldung nur in eine Richtung. So lange die Kameraden nicht am Gerätehaus eingetroffen sind, bleibt relativ unklar, welche Personalstärke für ein Ausrücken zu erwarten ist.

Von Steffi Robak, Olaf Büchel

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