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Albaner mit Tischbein verprügelt? Roßweiner Asylheimschlägerei beschäftigt Amtsgericht

Justiz Albaner mit Tischbein verprügelt? Roßweiner Asylheimschlägerei beschäftigt Amtsgericht

Die Massenschlägerei im Roßweiner Asylheim von vor einem Jahr hat am Freitag das Amtsgericht Döbeln beschäftigt. Mazedonier, Albaner und Araber hatten sich am 19. Juni gewaltsam in die Flicken gekriegt. Es floss Blut. Ein in Hamburg lebender Mazedonier soll einer der Schläger sein. Kann ihm der Staatsanwalt die Tat beweisen?

Einem 35-jährigen Mazedonier lag in einem Prozess im Amtsgericht Döbeln gefährliche Körperverletzung zur Last. Er soll am 19. Juni 2016 im Roßweiner Asylheim einen albanischen Bewohner mit einem Tischbein verprügelt haben.

Quelle: Dirk Wurzel

Rosswein/Döbeln. Am Ende der vierstündigen Hauptverhandlung bei Strafrichter Janko Ehrlich hatte Ferdi R. allen Grund zur Freude. Dabei hatte es die Anklage in sich. Dem beruflich gut integrierten, nicht vorbestraften und in Hamburg lebenden Mazedonier lag zur Last, an jenem Junitag zusammen mit zwei anderen in das Zimmer der mutmaßlichen Geschädigten gestürmt zu sein, und diese mit stählernen Tischbeinen verprügelt zu haben. Dabei habe Ferdi R. einen 34-jährigen Albaner am Kopf verletzt, ihm eine Platzwunde zugefügt. Strafbar als gefährliche Körperverletzung, weil der Angeklagte mit dem eisernen Tischbein ein gefährliches Werkzeug verwendet und die Tat mit anderen gemeinschaftlich begangen habe.

Kartenspieler griff zur Schlagwaffe

„Mein Bruder lebte mit seiner Familie in dem Asylbewerberheim. Wir sind zum Geburtstag meines Neffen dorthin gefahren. Dort sah ich, dass mein Bruder blaue Flecke am Hals hatte. Er wollte nicht gleich sagen, woher“, sagte Ferdi R., der sich und seiner Familie in Hamburg das Geld als Gebäudereiniger verdient. Als ihm sein Bruder schließlich gestand, die blauen Flecken hätten ihm seine Freunde zugefügt, seien die Brüder zu diesen „Freunden“ gegangen, um sie zur Rede zu stellen. Die Mazedonier seien aber gar nicht dazu kommen, klärende Fragen zu stellen. So schilderte Ferdi R., wie sich zehn Leute in dem Zimmer aufgehalten haben. Einige saßen am Tisch und spielten Karten. Einer der Spieler habe unter den Tisch nach einem Schlagwerkzeug gegriffen – wohl jenes Tischbein, das in den Aussagen aller Zeugen eine Rolle spielte – und sei damit auf den Bruder von Ferdi R. losgegangen. Dieser habe sich vor seinen Bruder gestellt und den Schlag abbekommen. Der Bruder sei dann ans Tischbein gekommen und habe damit wild um sich geschlagen. Was die Verletzungen der Insassen des Zimmers erklären kann, die laut Ferdi R.´ Schilderungen die Angreifer waren.

„Mein Mann kam mit blutüberströmten Gesicht zurück ins Erdgeschoss“, sagte Sanja R., die Frau des Angeklagten. Sie konnte dem Gericht schildern, wie die Auseinandersetzung im Erdgeschoss des Heims weiterging. Araber und Albaner versuchten, das Zimmer zu stürmen,wo sie sich mit den Kindern und einem weiteren Schwager aufgehalten hatte. Die Angreifer hätten Scheiben eingeschmissen und eine Rauchbombe ins Zimmer geworfen. Ferdis Bruder, der jetzt wieder in Mazedonien lebt, hatte in einem Brief ans Gericht geschildert, es sei mit einem Feuerlöscher ins Zimmer gesprüht worden. Sanja R. jedenfalls leidet noch immer unter Angst, wenn sie an die Vorfälle zurückdenkt. Sie brauchte vor Gericht keinen Dolmetscher, um das zu erzählen, denn die Frau spricht perfekt deutsch. Ihr Mann, so hatte es den Anschein, ließ sich nur zur Sicherheit vom Dolmetscher übersetzen.

Anlass für Massenschlägerei war nichtig

Was die angeblich Geschädigten über den Sachverhalt berichteten, taugte nicht, um Ferdi F. irgendeine Schuld nachweisen zu können. Widersprüche über Widersprüche. So zum Beispiel, dass Ferdi R. den Albaner gar nicht geschlagen hat, sondern dessen Bruder. In der Aussage bei der Polizei, auf der die Anklage fußte, steht etwas anderes. Nicht einmal dem Staatsanwalt genügte die erhobenen Beweise und er beantragte Freispruch, der Verteidiger tat dies auch. „Was objektiv für Sie spricht ist, dass sie gerade erst angereist sind mit Kind und Kegel, um dann zu zweit ins Blaue hinein in das Zimmer zu stürmen – das schmeckt mir nicht, das spricht für Sie“, sagte Richter Ehrlich, als er den Freispruch für Ferdi R. begründete.

Der Anlass für die Schlägerei war vergleichsweise nichtig. Ferdis Bruder hatte einen Albaner zur Rede gestellt, der ein Spielzeug gestohlen haben soll. Möglicherweise brachte das das Fass voller Spannungen zwischen den Vertretern der bunt zusammengewürfelten Nationalitäten im Roßweiner Heim zum Überlaufen und diese eskalierten in der Schlägerei vom 19. Juni 2016. Das Ehepaar R. wollte an jenem Tag eigentlich nur Verwandte in Roßwein besuchen. Und am Ende hatte der Mann eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung am Hals, die sich aber letztlich nicht bestätigt hat.

Von Dirk Wurzel

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