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Döbeln Als Mockritz noch eine Brauerei hatte
Region Döbeln Als Mockritz noch eine Brauerei hatte
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06:00 12.02.2018
So sahen damals die Etiketten für das Mockritzer Malzbier aus. Der Einzelhandelsverkaufspreis (EVP) betrug zu DDR-Zeiten 38 Pfennige für den halben Liter. Quelle: Foto: Toralf Schob
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Mockritz

Die Nachbarn nennen das Haus einen Schandfleck, der irgendwann wohl in sich zusammenkracht. Damals aber gehörte sie zum Mittelpunkt des Dorfes; hier wurde original Mockritzer Bier gebraut.

Im 15. Jahrhundert wird die Brauerei gegründet, gehört ursprünglich zum Rittergut, am 12. Oktober 1865 aber kauft der Braumeister Carl August Pechmann sie dem Gutsbesitzer Otto von Schönberg ab. Seither ist sie in Privathand, ab 1867 ist Traugott Leberecht Schmidt als Besitzer im Grundbuch verzeichnet. Um 1900 geht die Brauerei in den Besitz der Familie Krüger über. Der aus Wurzen stammende Brauer Adolf Krüger kauft den Betrieb, nach seinem Tod übernehmen ihn 1977 seine beiden Söhne Rudolf und Helmut Krüger.

Erst Starkbier, dann Malzgetränk

Lange Zeit wird in Mockritz auch helles Starkbier gebraut. Zu DDR-Zeiten spezialisieren sich die Krügers, wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Gründen, auf dunkles Malzbier ohne Alkohol.

Annelies Hirschfeld, die ehemalige Kneiperin von Mockritz, sagt, dass das Getränk im Dorf wenig gefragt gewesen sei. „Die Männer tranken kein dunkles Bier“, so die 86-Jährige. Deshalb schenkte sie es auch nicht in ihrem Lokal aus. Geschmacklich kann die alte Dame allerdings nichts daran aussetzen: „Es war süßlich und hat gut geschmeckt.“

Lieferung mit dem Pferd, später mit dem Auto

Das Bier wurde in Flaschen mit Schnappverschluss abgefüllt und im Umkreis von Döbeln verkauft – wo es laut Ortschronik sehr beliebt gewesen sein soll. Beliefert wurden die Haushalte direkt, anfangs per Pferdefuhrwerk, später motorisiert. Im Winter wurden aus einem der Dorfteiche Eisblöcke geschlagen und unter einer Garage in einen Keller gebracht. Das dort gelagerte Eis kühlte das Bier den ganzen Sommer über. Bis in die 80er-Jahre braute Familie Krüger in Mockritz eigenes Bier, dann wurde die Brauerei aus Altersgründen geschlossen, der Braukessel herausgerissen. Helmut und Rudolf Krüger sind inzwischen verstorben. Nur die älteren Mockritzer erinnern sich noch an den süffigen Gerstensaft aus ihrem Dorf.

Brauereigebäude verfällt immer mehr

Heute donnern die Lkw an dem verfallenen Gebäude vorbei, der jüngste Sturm wehte wieder einige Ziegel vom Dach. Es ist besser, das Haus nicht mehr zu betreten, sagen Gerd und Eva-Maria Dittmann, die zur Miete im ehemaligen Haus des Braumeisters wohnen. Der 75-, und die 70-Jährige zogen 1997 von Technitz nach Mockritz. Ihr Sohn kaufte das Gebäudeensemble mit seiner damaligen Frau. Ein paar Bierkisten fanden sie noch, ansonsten war das Haus schon komplett leergeräumt. Das Paar wollte die alte Brauerei umbauen, ihr ein Flachdach verpassen. Doch die Behörden erlaubten das nicht, für eine denkmalgerechte Sanierung fehlte jedoch das Geld. „Das würde eine Million Euro kosten“, sagt Besitzerin Kristina Funke, die heute in Ebersbach lebt. Sie würde zwar Fördermittel für den Umbau bekommen, 60 Prozent der Kosten würden übernommen, aber dann läge der Eigenanteil immer noch bei 400.000 Euro. Das sei nicht zu stemmen. Einen Abriss erlaubt die Denkmalbehörde allerdings ebenso wenig. So vermodern Dach, Treppen und Mauern weiter. Man könne das Gebäude nicht mal mehr als Lager nutzen, sagt Funke. Es droht, einzustürzen.

Von Gina Apitz

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