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Döbeln Alte Musik erstmals für Tonträger eingespielt
Region Döbeln Alte Musik erstmals für Tonträger eingespielt
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17:39 25.08.2017
Die Capella Daleminzia mit Gesangssolisten während der Aufnahmen der „Cantiones Sacrae“ von Melchior Vulpius. Quelle: Sven Bartsch
Waldheim

Momentan laufen CD-Aufnahmen, am Sonntag ist 17 Uhr in der Waldheimer Stadtkirche ein Konzert zu erleben: Jahrhunderte alte Musik, die den Kosmos fühlbar macht. Mit dem Waldheimer Kantor René Michael Röder führen die Musiker ein über mehrere Jahre reichendes Projekt fort. Die rund 400 Jahren alten Werke des Renaissance-Komponisten Melchior Vulpius werden weltweit erstmals für CD-Aufnahmen eingespielt. Röder bezeichnet die Musik salopp als Renaissance-Disco.

Avantgarde des ausgehenden Mittelalters

Es ist die Musik des ausgehenden Mittelalters. Diese Epoche verbinden viele mit Burgen, Rittern und Prinzessinnen. Sie hatte ihre eigene avantgardistische Musik. Vulpius nahm die Impulse der Zeit auf, so die venezianische Mehrchörigkeit. Da er in nachreformatorischer Zeit jedoch an der lateinischen Sprache fest hielt, wurde der in Thüringen Wirkende für die Öffentlichkeit beziehungsweise potenzielle Auftraggeber unpopulär – zu unrecht, finden Projekt-Mitwirkende. Die Berufsmusiker aus weiten Teilen Deutschlands sowie England oder Japan spielen Instrumente, wie sie zu Vulpius’ Zeit üblich waren.

Breit gefächerte deutsche Musiklandschaft

Louise Oakes aus England studierte in London, spielt für das Projekt Altposaune. Diese klinge nach ihrem Empfinden wärmer, ist damit der menschlichen Stimme sehr nahe. Die 34-Jährige nimmt die deutsche Musiklandschaft im Vergleich zu ihrer Heimat als sehr breit gefächert wahr. „Sogar in kleinen Städten gibt es Ensembles, Orchester und Chöre. Das ist großartig.“ Das Vulpius-Projekt fasziniere sie wegen der Verbindung des Komponisten mit dem Ort. Da ein Großteil seiner Werke in der Bibliothek liegt, sei offenbar viel von ihm in Waldheim gespielt worden.

Ein Schatz in reicher Fülle

Robert Reichinek, 27 Jahre alter Tenor aus Köln, erzählt, warum er an dem Projekt mitwirkt: „Die Musik ist so alt, das bekommt man als Berufsmusiker selten. Sie macht etwas Spezielles mit einem: Es ist, als könnte man in die Ewigkeit hinein hören.“ Die Altistin Elisabeth Popiens, 49 Jahre alt, reiste aus Aachen für Melchior Vulpius nach Waldheim. Sie singt seit 20 Jahren im solistischen Vocalensemble Cantus Coelln. „Mich erstaunt, dass es von Vulpius Werke mit diesen lateinischen Texten gibt.“ Spannend sei für sie, so einen in dieser reichen Fülle in der Waldheimer Kantoreibibliothek schlummernden Schatz mit heben zu dürfen. Vor der Arbeit von Christoph Burmeester, der das Notenmaterial bearbeitete, habe sie große Hochachtung.

Historische Noten überzeugen japanischen Serpentspieler

Yosuke Kurihara, 37 Jahre alt, studierte in Rotterdam klassische Musik. Der Japaner spielt beim Projekt ein Blechblasinstrument, welches als Serpent bezeichnet wird und einen hölzernen, schlangenartig gewundenen Körper hat. „Ich hörte in der Musikszene von dem Waldheimer Projekt. Bis ich René Röder kennen lernte, kannte ich Melchior Vulpius gar nicht.“ Dann habe Röder ihm die originalen, 400 Jahre alten Notenbücher gezeigt. „Das war es dann für mich: Ich konnte nicht mehr widerstehen und freue mich heute sehr, dabei sein zu dürfen.“

Von Steffi Robak

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