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Am östlichen Obermarkt in Döbeln brummt es wieder

Holzkunst, Hörgeräte, Sattler und Café Am östlichen Obermarkt in Döbeln brummt es wieder

In die Rathaus-Passage zwischen Obermarkt und kleiner Kirchstraße kommt Bewegung. Ein albanischer Investor, der in Hamburg wohnt, hat die mehrfach insolvente und notdürftig verwaltete Immobilie in Döbeln gekauft.

Rathaus-Passage, ehemaliges Reformhaus und Kunststube. – Am östlichen Obermarkt zieht gleich in mehreren Geschäften wieder neues Leben ein.
 

Quelle: Fotograf Sven Bartsch

Döbeln. Am östlichen Obermarkt kommt Bewegung in die leerstehenden Geschäfte. Das ehemalige Reformhaus und auch die frühere Kunststube haben neue Mieter. Zudem kehrt in der seit Jahren leerstehenden Rathauspassage wieder Leben ein. Gleich zwei Geschäftsräume sind hier frisch vermietet und werden in nächster Zeit eröffnet.

In die Kunststube wird wieder Holzkunst einziehen. Ein Hersteller aus dem Erzgebirge wird die Räume am Döbelner Obermarkt nutzen. Die Eigentümerin des Hauses hat mit dem Umbau begonnen, hält sich aber noch sehr zurück. „Der Hersteller aus dem Erzgebirge möchte im Juni selbst in die Offensive gesehen. Eröffnet werden soll der neue Holzkunstladen voraussichtlich im September“, sagt sie. Gegenüber im ehemaligen Reformhaus gibt es eine Doppelnutzung. Einziehen wird hier ein Hörgerätestudio. Zudem wird der Partner der Betreiberin in den Kellerräumen eine Sattlerwerkstatt einrichten. Somit kann man ab Frühsommer am Obermarkt auch Lederjacken, Lederstiefel und alle anderen Lederwaren reparieren lassen.

In die Rathaus-Passage zwischen Obermarkt und kleiner Kirchstraße kommt seit einigen Monaten ebenfalls Bewegung. Ein albanischer Investor, der in Hamburg wohnt, hat die mehrfach insolvente und notdürftig verwaltete Immobilie gekauft. Er soll nach Angaben künftiger Mieter echtes Interesse daran haben, dass die vielmals totgesagte Passage wieder belebt wird. Die Döbelner Firma TL-Immobilien kümmert sich seitdem um die Neuvermietung und kann jetzt erste Ergebnisse präsentieren.

Ein modernes Café mit einem Angebot, das nicht dem Italiener oder den vorhandenen Cafés in der Innenstadt Konkurrenz machen will, schwebt Ramona Horn (50) vor. Die Vorbereitungen für die Café-Eröffnung laufen bereits, wenngleich die Eröffnung erst im August stattfinden soll. Ramona Horn will mit dem neuen Café in Döbeln ankommen und das Pendlerleben aufgeben. Über anderthalb Jahrzehnte fuhr sie sechs Tage die Woche jeden Morgen nach Dresden, wo sie mit Schwester und Lebenspartner mehrere Geschäfte, unter anderem einen Geschenkeladen in der Altmarktgalerie sowie ein Café betrieb.

Zunächst wurde der Bauernhof in Minkwitz bei Leisnig verkauft, wo die Familie lebte, aber wegen der Pendelei nicht wirklich viel Zeit verbrachte. Stattdessen zog Ramona Horn mit ihrer Familie in eine sonnige Wohnung samt großer Terrasse über der Döbelner Rathaus-Passage. Beim Blick von oben auf die leeren Geschäfte unterm Glasdach kam sie auf die Idee, Leben und Arbeiten endlich an einem Ort zu bündeln. Jetzt übergibt Ramona Horn die Geschäfte in Dresden in andere Hände und bereitet in Ruhe den Start mit dem Café in Döbeln vor. Dass es nicht leicht sein wird, in der schon mal totgesagten Geschäftsmeile auf die Beine zu kommen, ist ihr bewusst.

Zunächst wurde der Vermieter von dem Konzept überzeugt. Denn auch er will dem Image der Passage, dass sich hier keiner lange hält, etwas entgegensetzen. 130 Quadratmeter groß wird das extra umgebaute Café mit etwa 65 Plätzen. Dazu etwa 40 Quadratmeter Freisitz in Richtung Busbahnhof. Die Hälfte wird eine gemütliche Launch, zum Schwatzen, Sitzen, Kaffeetrinken. Statt Eis wie beim Italiener wird es verschiedene Frozen-Joghurt-Sorten und dazu eine Obsttheke zum selbst zusammenstellen sowie Streicheis regionaler Anbieter in Bioqualität geben. Dazu Crepes herzhaft oder süß. Alles zum Vor-Ort-Genießen oder zum Mitnehmen. Damit schielt die Betreiberin auch auf junges Publikum, das täglich gegenüber am Busbahnhof wartet. Abends könnte sich das Café in eine Cocktail-Launch verwandeln.

Im Zuge dieser Neuvermietung wurde bereits ein nächster Mietvertrag in der Passage unterschrieben. Ein Fotostudio wird ebenfalls in eines der Geschäfte einziehen.

1997 hatte eine Dresdner Immobiliengesellschaft für etwa 2,15 Millionen Euro (damals 4,2 Millionen Mark) das Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Entstanden sind acht Ladengeschäfte, verbunden durch einen Durchgang vom Busbahnhof zum Obermarkt und einer Fassade mit viel Glas. Doch so richtig etablierte sich die Laden-Passage bisher nicht.

Von Thomas Sparrer

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