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Döbeln Amit Bedi: „Die Zahlen waren viel zu optimistisch“
Region Döbeln Amit Bedi: „Die Zahlen waren viel zu optimistisch“
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17:54 23.03.2018
Geballte Führungskraft schaute im April 2017 einer Schmiedewerkerin in Roßwein über die Schulter: Amit Bedi, Joseph Unterwieser und Dieter Spitzlay (v.l.), alle drei Geschäftsführer der Frauenthal Powertrain GmbH. Quelle: Sven Bartsch
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Rosswein

Im Schmiedewerk Roßwein herrscht wieder einmal Unruhe in der Belegschaft. Die Mitarbeiter machen sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft. Das liegt an unerwarteten Nachrichten, die die Roßweiner vom österreichischen Mutterkonzern, der Frauenthal-Gruppe, beziehungsweise von der Frauenthal Powertrain GmbH erreichen. Unter letzterer firmierte bislang auch das Roßweiner Schmiedewerk mit seinen rund 130 Beschäftigten. Nun geht es um ein neues Unternehmen, aber auch um die Frage, ob die voriges Jahr getroffenen Ankündigungen umgesetzt werden. Anfang 2017 hatte Frauenthal die Schmiedewerke Roßwein und Plettenberg (Nordrhein-Westfalen) vom Stuttgarter Mahle-Konzern gekauft. Vor fast genau einem Jahr sprachen die neuen Eigentümer von Wachstum, Investitionen, neuen Produkten, mehr Azubis... Ganz so klar erscheint das heute nicht mehr. Die DAZ sprach darüber mit Amit Bedi, Geschäftsführer von Frauenthal Powertrain.

Frage: Stimmt es, dass für den Standort Roßwein ein eigenständiges Unternehmen, eine GmbH, gegründet wurde?

Amit Bedi: Ja, das ist richtig. Die neue Gesellschaft firmiert unter Frauenthal Roßwein GmbH, welche eine einhundertprozentige Tochter der Frauenthal Powertrain GmbH ist.

Was ist der Hintergrund?

Es geht vor allem darum, die Eigenverantwortung sowie die Identifikation des Werkes in Roßwein zu stärken. In dem Zusammenhang wird nun eine lokale Geschäftsführung eingesetzt, die auch immer vor Ort ist. Nur durch eine solche eigenverantwortliche Betrachtung von Roßwein ist es möglich, die strategischen Optionen zur Fortführung dieses Werkes – als eigenständige Einheit – zu überprüfen. Wir hatten bereits bei der Übernahme des Schmiedewerkes das Problem, dass wir dieses Werk finanzwirtschaftlich und bilanziell nicht eindeutig vom Werk in Plettenberg abgrenzen konnten.

Wurde für den Standort Plettenberg in Nordrhein-Westfalen auch ein neues Unternehmen gegründet?

Nein. Das Werk Plettenberg kann in der bisherigen Gesellschaft weiter geführt und bilanziell als eigenständige Einheit erfasst werden. Dafür, dort eine weitere Gesellschaft zu gründen, gibt es jetzt keine Notwendigkeit mehr.

Nach Informationen der DAZ sollen die Roßweiner Mitarbeiter für den Wechsel ins neue Unternehmen unterschreiben. Was hat das für Folgen für die Beschäftigten? Was passiert, wenn Mitarbeiter nicht unterschreiben?

Für uns ist die Überführung aller Arbeitsverträge in die neue Gesellschaft ohne Alternative. Dieser Wechsel ist eine rein formale Frage und hat keinerlei negative Folgen für die Mitarbeiter. Alle bisherigen Vereinbarungen behalten ihre Wirksamkeit. Daher ist es auch so, dass wir Mitarbeiter, die widersprechen, leider nicht mehr weiter beschäftigen können, weil dafür schlicht und einfach die Rechts- beziehungsweise die Vertragsbasis wegfallen wird.

Es gibt unter Mitarbeitern in Roßwein die Befürchtung, dass die Gründung eines Unternehmens nur für den Roßweiner Standort ein erster Schritt in Richtung Abstoßen des Betriebsteiles durch Frauenthal sein könnte. Können Sie diese Befürchtungen zerstreuen?

Es geht nicht ums Abstoßen von Roßwein. Wir müssen diesen Schritt nun setzen, um die Profitabilität und Produktivität von Roßwein als eigenständige Einheit endlich bilanziell und finanztechnisch eindeutig erfassen zu können. Erst, wenn wir solche Abgrenzungen vornehmen, können wir Zukunfts- beziehunsweise Fortbestehungsprognosen für Unternehmen stellen. Das gilt sowohl für Roßwein als auch für Plettenberg.

Was ist in den zurückliegenden zwölf Monaten hinsichtlich Weiterentwicklung des Roßweiner Standortes passiert, speziell Investitionen betreffend? Wird in eine Komplettsanierung der großen Schmiedepresse investiert?

Grundsätzlich haben wir bereits viel getan. Unter anderem hatten wir bei Übernahme sehr große Liefer-Rückstände in Roßwein. Diese konnten wir inzwischen abarbeiten und beseitigen. Zudem haben wir das lokale Management gestärkt. Dennoch hatten wir seit Übernahme des Werkes in Roßwein das Problem, dass wir keine klare bilanzielle und finanztechnische Abgrenzung in Bezug auf Profitabilität und Produktivität vornehmen konnten. Insofern können wir eine Zukunftsprognose für das Werk als eigenständige Einheit erst vornehmen, wenn wir die Bilanzen mit der neuen Gesellschaft abgegrenzt von Plettenberg behandeln können. Aus diesem Grund sind alle nicht unbedingt notwendigen Investitionen vorerst zurück gestellt.

Ziel war auch, die Problematik Nachwuchs und Ausbildung anzupacken um die Zahl der Azubis zu steigern. Gibt es erste Ergebnisse?

Auch hier müssen wir Roßwein zuerst als eigenständige Einheit betrachten, bevor wir weitere Entscheidungen treffen können. Grundsätzlich beabsichtigen wir, mehr Azubis als bisher auszubilden.

Ein weiteres Ziel war, in Roßwein in den Normalschichtbetrieb zu kommen. Ist das gelungen?

Aufgrund der hohen Marktnachfrage arbeiten wir teilweise an den Wochenenden an bestimmten Maschinen in zusätzlichen Schichten. Abgesehen von diesen aufgrund vertraglicher Verpflichtungen notwendigen Maßnahmen herrscht Normalbetrieb.

Will die Frauenthal-Gruppe am Standort Roßwein wirklich festhalten? Wie geht es nun weiter?

Wir haben Plettenberg und Roßwein mit einer sehr optimistischen Prognose übernommen. Wir waren immer bestrebt, beide Standorte bestmöglich weiter zu entwickeln. Allerdings zeigt sich nach rund zwölf Monaten, dass die Zahlen, die für die Geschäftsentwicklung beider Werke zur Verfügung gestellt wurden, viel zu optimistisch waren. Das führt nun dazu, dass wir die Profitabilität und Produktivität beider Werke getrennt voneinander eingehend betrachten müssen. Das war aufgrund der bisherigen Gesamtbetrachtung ohne klare Abgrenzung nicht bis nur sehr bedingt möglich. Sobald hier erste Ergebnisse vorliegen, können wir Entscheidungen bezüglich der weiteren Entwicklung beziehungsweise eine Zukunftsprognose für Roßwein treffen.

Das sagt der Betriebsrat dazu

„Der Betriebsrat des Roßweiner Werkes war über die Nachricht, ein eigenständiges Werk zu gründen, gar nicht mal so überrascht. Zu Mahle-Zeiten waren auch Einkäufer, Disponenten und Controller hier im Werk tätig und es hat zur Zufriedenheit funktioniert. Nun soll diese Situation so nach und nach wiederbelebt werden. Wir als Betriebsrat können dies nur begrüßen“, sagt Betriebsratsvorsitzender Hans-Joachim Porst.

Was dem Betriebsrat die meisten Sorgen bereitet, seien die Beschäftigten des Roßweiner Werkes. Diese würden sich Problemen gegenüber sehen und Fragen wie diese stellen: „Was wird nun aus unserem Werk? Was wird mit meinem Arbeitsplatz?“ Um Erklärungen und den Mitarbeitern aussagekräftige Antworten zu geben, stehe der Betriebsrat in engem Kontakt mit einer Fachanwältin für Arbeitsrecht. Hans-Joachim Porst: „Der Betriebsrat und auch die Mitarbeiter hoffen auf eine positive Entscheidung des Frauenthal-Aufsichtsrates Ende April. An dieser Entscheidung hängt die Existenz von 135 Familien.“

Von Olaf Büchel

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