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Döbeln Amtsgericht Döbeln: Wenn Richter zu Seelsorgern werden
Region Döbeln Amtsgericht Döbeln: Wenn Richter zu Seelsorgern werden
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19:27 01.03.2012
Region Döbeln

Ines Opitz, Betreuungsrichterin am Amtsgericht Döbeln, rät jedem Menschen - egal ob alt oder jung - zu einer Vorsorgevollmacht. Wer nach einem Unfall im Koma liegt und keine Vorkehrungen getroffen hat, wird auch aus rechtlicher Sicht zum Problemfall. Ines Opitz muss dann in die Klinik kommen und zusammen mit der Familie einen vorläufigen Betreuer festlegen - wenn es eine Familie gibt. Notfallmedizinisch greifen Ärzte von sich aus ein. Wenn es in die weitere Behandlung geht, ist rechtlich gesehen nicht automatisch die Ehefrau oder der Ehemann die Betreuerin oder der Betreuer. "Wir werden regelmäßig ins Krankenhaus geholt, weil es niemanden gibt, der eine Entscheidung fällen kann", erklärt Ines Opitz.

Neben solchen Fällen wird das Betreuungsgericht tätig, wenn jemand eine seelische oder geistige Behinderung hat. Psychische Erkrankungen können ebenfalls eine Betreuung erfordern. Auch Menschen mit einer körperlichen Behinderung können einen Betreuer bekommen - aber nur, wenn sie das selbst möchten. Ohnehin sind die Hürden hoch, betont Ines Opitz. Ein Sachverständigen-Gutachten ist Voraussetzung. "Wir sind nicht dazu da, einen Menschen, der einen freien Willen hat, zu disziplinieren", stellt Ines Opitz klar. Dass sie das betont, hat einen Hintergrund: Es ist schon vorgekommen, dass regionale Hartz-IV-Behörden unkooperative Kunden gegen deren Willen in die Betreuung schicken wollten.

Wer zu Zeiten geistiger Klarheit keinen Betreuer bestimmt hat, der bekommt einen durch das Gericht zugewiesen. Das können hauptberufliche oder ehrenamtliche Betreuer sein - zuerst wird aber immer versucht, eine Person aus der Familie zu gewinnen, erklärt Opitz, die an manchen Tagen mehr als 100 Kilometer zurücklegt und mehr als 20 Anhörungen durchführt. Nicht immer ist sie gern gesehen. Wer geistig nicht voll auf der Höhe ist, reagiert mitunter unkontrolliert. Psychische Erkrankungen können zu aggressivem Verhalten führen. Ines Opitz hat auch mit Leuten zu tun, die urplötzlich um sich schlagen oder anfangen zu randalieren.

Zu ihren geplanten Terminen kommen Eilverfahren. Wenn jemand in eine geschlossene Einrichtung eingewiesen werden soll, muss Ines Opitz innerhalb von 24 Stunden eine Entscheidung treffen. Amtsgerichtsdirektor Dr. Dominik Schulz schätzt die erforderliche Qualifikation eines Betreuungsrichters außerordentlich hoch ein. "Das geht über das rein Juristische weit hinaus, auch seelsorgerische und psychoanalytische Fähigkeiten sind erforderlich", sagt Schulz. "Es muss viel erklärt und kommuniziert werden, da geht nichts nach Schema F. Es ist eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit, bei der es um besonders schwerwiegende Eingriffe und um das Schicksal von Menschen geht."

Und wie kommt es zu der steigenden Zahl von Verfahren am Betreuungsgericht? Zum einen werden die Menschen älter - damit einher gehen geistige Erkrankungen wie Demenz. Zum anderen werden solche Erscheinungen inzwischen sensibler registriert. Und: Es gibt zunehmend jüngere Leute mit schlechten Voraussetzungen. Drogenkonsum kann bei diesen Menschen zu irreversiblen psychischen Störungen und Krankheiten führen, die in schlimmen Fällen eine geschlossene Unterbringung erfordern können. Björn Meine

Region Döbeln (bm). Das Amtsgericht Döbeln liegt in fast allen Rechtsbereichen deutlich unter den durchschnittlichen Verfahrensdauern in Sachsen. Zugleich ist die Arbeitsbelastung weiter hoch. Das verdeutlichte Direktor Dr. Dominik Schulz gestern während der Vorstellung der Jahresbilanz 2011. Die Zahl der Verfahren steigt - und Döbelns Gerichtsteam ist schnell (siehe Kasten).

"Schnelligkeit heißt nicht, dass die Entscheidung gut ist", betonte Schulz. Aber: Jede dieser Entscheidungen sei durch ein oberes Gericht prüfbar - da sei dem Bürger doch mehr geholfen, wenn es am Amtsgericht ein zügiges Urteil gebe. Die durchgehend guten Zahlen für das Amtsgericht Döbeln kämen zustande, "weil unsere Leute gut sind", sagte Schulz. Die Leistung gehe auf das gesamte Team zurück - nicht nur auf die Richter. "Wir haben motivierte Mitarbeiter." Trotz einer gewissen Unsicherheit wegen der bevorstehenden Fusion mit dem Hainichener Gericht (

-Seite 1) und obwohl in einigen Bereichen des Hauses "seit Jahren unter Volldampf gefahren" würde. Das Gericht habe meist zwischen 5,8 und 6,1 Richterstellen gehabt - obwohl eigentlich 7 Stellen nötig wären, so Schulz. Es gebe Kollegen, die um 8 Uhr kommen und um 22 Uhr gehen.

Im Zivilbereich mussten die Mitarbeiter den Verlust von Richterin Elisabeth Stickeler verkraften und ausgleichen. Die 47-Jährige war im Mai nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.

q Zivilabteilung: 728 Eingänge (52 mehr als 2010), 710 erledigte Verfahren (+86). Durchschnittl. Verfahrensdauer: 3,5 Monate (Sachsen-Schnitt: 4,6). 1,3 Richter; 0,25 Rechtspfleger; 2,65 Urkundsbeamten.

q Beratungshilfe (Beratung für mittellose Personen durch Anwalt): 1559 Anträge, 1175 Berechtigungsscheine, 289 Zurückweisungen. 0,6 Richter; 0,35 Rechtspfl.

q Familiengericht: 488 Eingänge (-85), 486 erledigte Verfahren (-78). Durchschnittliche Verfahrensdauer: 6 Monate (Sachsen-Schnitt: 9,4). 1,45 Richter; 0,45 Rechtspfleger; 2,75 Urkundsbeamten.

q Strafabteilung (Erwachsene): 446 Eingänge (+61), 403 erledigte Verfahren (+33). Durchschnittl. Verfahrensdauer: 3,5 Monate (Sachsen-Schnitt: 3,9 Monate).

q Strafabteilung (Jugendliche): 189 Eingänge (+33), 152 erledigte Verfahren (+/-0). Durchschnittliche Verfahrensdauer: 2,1 Monate (Sachsen-Schnitt: 2,9 Monate).

q Strafabteilung - Schöffengericht: 25 Eingänge (+13), 15 erledigte Verfahren (-6). Durchschnittliche Verfahrensdauer: 5,7 Monate (Sachsen-Schnitt: 5,5 Monate).

q Strafabteilung - Schöffengericht/Jugendl.: 54 Eingänge (+12), 50 erledigte Verfahren (+13). Durchschnittl. Verfahrensdauer: 3,2 Monate (Sachsen-Schnitt: 3,8).

q Strafabteilung - Ordnungswidrigk.: 148 Eingänge (-102), 156 erledigte Verfahren (-89). Durchschnittliche Verfahrensdauer: 1,3 Monate (Sachsen-Schnitt: 3,3).

q Strafabteilung: 1,5 Richter; 0,25 Rechtspfleger; 2,5 Urkundsbeamten.

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