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An der Autowerkstatt in Wendishain brüten die Mehlschwalben

Schwalbenfreundlich bis unters Dach An der Autowerkstatt in Wendishain brüten die Mehlschwalben

Ausgerechnet eine Kfz-Werkstatt darf sich in Wendishain jetzt schwalbenfreundliches Haus nennen. Dabei sind nicht die urigen DDR-Mopeds gemeint – obwohl Autohaus-Betreiber Gerhard Hanns ein solches Zweirad auch im Schuppen stehen hat. Mehlschwalben sind zahlreich zu Gast auf dem Grundstück, wo Hanns’ Großvater Bruno Schlorke früher die Dorfschmiede hatte.

Für seine Schwalbenfreundlichkeit erhält Gerhard Hanns von Vicky Behnisch diese Tafel für seine Hausfassade.

Quelle: Sven Bartsch

Wendishain/Klosterbuch. Für Gerhard Hanns geht es um die schwarzen Vögel mit weißem Latz, die emsig immer wieder ihre Nester unter den Dachvorständen anfliegen, um ihre Jungen zu füttern. An der Werkstatt finden sich rund 20 Nester, an den Häusern des Grundstückes insgesamt um die 30 Stück. Vicky Behnisch von der Ortsgruppe Klosterbuch des Naturschutzbundes (Nabu) bedankt sich bei Hanns für dessen Herz für die Schwalben. Eine kleine Plexiglastafel weist ab jetzt darauf hin, dass die Vögel bei Gerhard Hanns willkommen sind.

„Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht, nicht mal auf dem Dorf“, sagt Hanns. Ihm fällt in Wendishain noch ein Hof ein, wo in Größenordnungen Schwalben ein und aus fliegen. Unterhalten sich Leute über die Vögel, gehe es oft darum, man müsse die Nester von den Fassaden schlagen. Die Vögel würden nur Dreck machen.

Der Schmied ist weg, die Schwalben blieben

Nun handelt es sich bei dem Schwalbendomizil nicht um das Wohnhaus, sondern eben den Arbeitsort von Gerhard Hanns und dem bei ihm angestellten Mechaniker Ringo Benedix. Auf dem Grundstück stand einst Hanns’ elterliches Wohnhaus. 1999 wurde hier das Autohaus gebaut.

„Bis 1968 hat mein Großvater Bruno Schlorke hier die Wendishainer Dorfschmiede betrieben“, erzählt Hanns. Ob es damals dort schon Schwalben gab, daran erinnert er sich nicht genau. „Ich gehe schon davon aus. Schwalben waren früher auf dem Land selbstverständlich.“ Mehr als zweitausend Insekten frisst eine Schwalbe am Tag. Wofür das wichtig ist: Als in den Dörfern noch mit der Landwirtschaft die Viehhaltung vorherrschte, hielten die Schwalben Tieren und Menschen die Plagegeister und Krankheitserreger vom Leibe und waren deshalb willkommen. In die Mauern der Viehställe seien damals Tonröhren eingelassen worden, um den Vögeln durch die Löcher das Ein- und Ausfliegen zu ermöglichen. Oder es gab Kippfenster.

Schwalbenleben immer schwieriger

In Wendishain verfliegt sich hin wieder ein Vogel in die Werkstatt, finde dann nicht wieder hinaus. Wie Benedix schildert, werde die Schwalbe dann eingefangen und ins Freie gesetzt.

Werden die Jungen flügge, starten sie zumeist gleich aus dem Nest in ihr neues Leben. Falle eine zu Boden, kümmern sich die Alten noch eine Weile. „Kommt der Jungvogel nicht bald zurecht – tja, dann ist das die Natur. Dann verendet er“, sagt Hanns. Ein Versuch, einen Jungvogel wieder ins Nest zu schaffen, habe nichts gebracht. Die Altvögel nehmen den Nachwuchs dann nicht mehr an.

Hanns bricht eine Lanze für die bei ihm brütenden Mehlschwalben, denn er mag sie. Er wollte wissen, wie er sich naturschutzrechtlich den Schwalben gegenüber korrekt verhält, fragte bei Elsbeth Pohl-Roux vom Fachwerk- und Archehof Klosterbuch nach.

„Auf der gerade aktualisierten Roten Liste der gefährdeten Arten sollen auch die Schwalben aufgenommen werden,“ weiß Vicky Behnisch vom Naturschutzbund. Das Schwalbenleben werde ohne bäuerliche Strukturen auf dem Land immer schwieriger. So nehme zum Beispiel jeder für Radfahrer glatt asphaltierte Feldweg den Schwalben die Chance, Material für den Nestbau zu finden. Mehlschwalben mörteln ihre halbkugelförmigen Nester aus lehmhaltiger Erde und ihrem Speichel. Sie brauchen Feldwege, Pfützen und Teiche.

Von Steffi Robak

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