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Döbeln Anderthalb Tonnen Bücher für einen guten Zweck
Region Döbeln Anderthalb Tonnen Bücher für einen guten Zweck
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18:09 04.07.2018
Peter Krause organisiert den Bücherbasar. Quelle: Gerhard Schlechte
Rosswein

Kein Zweifel: die Stadträtin Elisabeth Steinhoff war eine kluge, belesene Frau. Die promovierte Landwirtin kannte sich nicht nur in ihrem Fachgebiet aus. Sie war natur- und geschichtsinteressiert, reiste gern, wusste was in der Welt passierte. Wer die engagierte Frau, die unerwartet zwei Monate vor ihrem 90. Geburtstag am 18. Oktober 2014 verstarb, ein wenig besser kannte, dem war auch die Liebe Steinhoffs zu Büchern bekannt.

Riesengroße Bücherliebe

Wie riesengroß diese Bücherliebe war und wie gewaltig ihr privater, über Jahre angesammelter Literatur-Fundus, das wird der Öffentlichkeit aber erst jetzt so richtig bewusst – durch einen außergewöhnlichen Bücherbasar mitten in Roßwein. Im Tonnengewölbe des Heimatmuseums direkt am Rathaus liegen die Exemplare fein säuberlich aufgereiht. Tausende Stück: Bildbände, Fachliteratur, Belletristik, Märchenbücher, Reisebeschreibungen, politischer Werke, viel über Geschichte und historische Bauwerke. Viele sehen wie nagelneu aus, sind kaum benutzt. Andere sind schon älter, bestimmt schon oft gelesen. „Wie viele Bücher es genau sind, kann ich nicht sagen. Aber es sind mehrere tausend. Wir haben 50 Pappkisten voll, jede wiegt etwa 30 Kilogramm. Also 1,5 Tonnen Bücher von Dr. Elisabeth Steinhoff“, sagt Vize-Bürgermeister Peter Krause, der sich für eine sinnvolle Verwendung dieses besonderen Nachlasses einsetzt und für den Bücherbasar den Hut auf hat.

Was wird aus dem Fundus?

Als Elisabeth Steinhoff gestorben war, kam die Frage auf: Was wird aus all ihren Büchern? Peter Krause erinnert: „Sie hatte alte Schrankwände, die waren voll davon. Außerdem gab es in ihrer Wohnung ein separates Zimmer. Dort hatte sich Elisabeth für ihre Bücher extra Regale einbauen lassen.“ Die Erben konnten mit dieser gedruckten Masse nichts anfangen. Sie wussten selbst nicht, wohin damit. „Die Bücher als Altpapier zu entsorgen kam wiederum für uns hier in Roßwein, die Elisabeth Steinhoff nahe standen, nicht in Frage“, sagt Krause. Als es grünes Licht von den Angehörigen gab, wurden die Bücher in Kisten verpackt und zunächst an einen trockenen, sichern Platz gebracht. Ein paar Jahre vergingen. Jetzt, in diesem Sommer, ist die Zeit reif, die Idee umzusetzen, die Peter Krause mit Mitstreitern geboren hatte: ein Bücherflohmarkt für einen guten Zweck.

Erst ein Drittel ist ausgepackt

Am Mittwoch, also am Roßweiner Markttag, war es so weit. Der erste Bücherbasar ging in der „Tonne“ über die Bühne. Der Zugang ist direkt vom Marktplatz aus möglich. „Wir sind froh, wenn sich Menschen finden, die Interesse an den Büchern haben, sie mitnehmen, lesen“, sagt Peter Krause. Erst etwa ein Drittel des Gesamtbestandes ist ausgepackt. Mehr Platz geben die aufgestellten Büchertische nicht her. Je nach dem, wie der Absatz ist, wird nachgefüllt. Bis September soll der Bücherflohmarkt nun immer mittwochs, 8.30 bis 13 Uhr geöffnet sein. „Damit auch Werktätige Gelegenheit bekommen, sich hier umzuschauen, ist die Tonne auch noch dienstags, 16 bis 19 Uhr, geöffnet. Da ist auch das Rathaus lange offen. Ich denke das passt“, ergänzt Krause, der unter anderem in der Bauhofchefin Monika Weigel eine Helferin hat.

Symbolischer Obolus

Der Obolus, der für ein Buch oder für mehrere entrichtet werden sollte, ist eher symbolisch und einem Flohmarkt mehr als angemessen. Der gesamte Erlös fließt in die Grafe-Stiftung der Stadt, kommt also sozialen Zwecken zugute. Der Vize-Bürgermeister: „Wer Geld aus dem Zinsertrag erhält, das entscheidet der Stiftungsrat situationsbedingt. Wir haben zum Beispiel der Roßweiner Familie geholfen, deren Haus explodiert war oder Geld für die jüngste Knochenmark-Spenden-Aktion gegeben.“ Auch wenn Familien fürs Essengeld ihrer Kinder nicht aufkommen können, gibt’s Unterstützung.

Besucher werden fündig

Die ersten Bücher konnte Peter Krause gestern an den Mann oder die Frau bringen. Gisela Bormann aus Roßwein nutzte zum Beispiel die Gelegenheit: „Ich bin Vogel- und Katzenfreundin und habe hier einige Bücher gefunden. Super ist auch dass Buch mit Wanderliedern. Da sind sogar CDs dazu. Das wird ein Geschenk“, freut sich die Seniorin. Eine andere Basar-Besucherin ist angenehm überrascht: „Hieronymus Lotter – dieses Buch habe ich schon im Antiquariat gesucht, aber ohne Erfolg. Hier habe ich es gefunden.“ Lotter lebte im 16. Jahrhundert. Er hat die Augustusburg gebaut und war mehrfach Bürgermeister von Leipzig. Auch für ihn hatte sich Elisabeth Steinhoff interessiert.

Von Olaf Büchel

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