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Döbeln Apfelernte im Obstland beginnt früher
Region Döbeln Apfelernte im Obstland beginnt früher
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08:00 12.09.2018
Die Apfelernte in der Obstland AG ist im vollen Gang. Quelle: Sven Bartsch
Leisnig

Gleich zu Beginn der Runde über die Apfelplantage der Obstland Dürrweitzschen AG bei Leisnig gibt es einen Rüffel für den pflückunerfahrenen DAZ-Reporter von Vorstandschef Jan Kalbitz. „Nicht abziehen!“, ruft er. „Immer über den Zeigefinger wegbrechen, damit der Stiel dran bleibt. So beugt man außerdem Verletzungen vor“, erklärt der 38-Jährige, der sich gerade selbst ein knallrotes Exemplar der Sorte Gradirose vom Baum gepflückt hat und genüsslich hineinbeißt.

„Ich mag süße Äpfel. Das ist mein Jahr“, schwärmt er. „Ich sage mir immer, warum soll ich in den sauren Apfel beißen?“, fügt er lachend hinzu.

Als Obstbauer hat Jan Kalbitz allen Grund zur Freude. Denn im Gegensatz zu den Landwirten, die Feldfrüchte anbauen, mochte er den Sommer 2018. Die viele Sonne hat den sich rot färbenden Sorten eine tolle Süße verliehen. Schon bei ersten Fruchtuntersuchungen im Juli war eine hohe Zuckereinlagerung festgestellt worden.

Dazu gibt es prachtvolle Farben. Manche Äpfel wurden so intensiv beschienen, dass das Muster des Hagelfangnetzes wie ein Tattoo auf ihrer roten Schale zu sehen ist. Den letzten Schliff haben sie in den letzten beiden Wochen durch die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht bekommen. „Unter zehn Grad nachts und mehr als 20 Grad tagsüber – das ist perfekt für die Farbe“, erklärt Kalbitz.

Allerdings war selbst für den Liebhaber süßer Äpfel dieser Sommer zu trocken. Zwar haben die lehmhaltigen Böden, die das Wasser gut speichern können sowie die langen Wurzeln der Bäume dafür gesorgt, dass der Großteil der Ernte stark ausgefallen ist. Jedoch sind Äpfel und Birnen in den Reihen der Plantagen, die einen weniger guten Boden unter sich haben, deutlich kleiner als sonst. „Das wird in der Endabrechnung ein paar Tönnchen ausmachen“, vermutet Kalbitz.

Doch das ist nicht so schwerwiegend wie die hohen Temperaturen zur Blütezeit im April. Dadurch gab es für die Bienen kaum Zeit zur Bestäubung. „Wir hatten wirklich eine sehr komprimierte Blüte. Normalerweise reden wir da von einzelnen Tagen. Diesmal waren es eher Stunden. Man konnte den Blüten förmlich beim Aufgehen zusehen. Für die Bienen war das richtiger Stress. Die schafften es gar nicht, alles zu bestäuben“, erinnert er sich.

Apropos bestäuben: Um sicherzustellen, dass die Ernte gut ausfällt, arbeitet Obstland mit Imkern aus der Region, aber auch aus größerer Entfernung zusammen. Zwei Völker pro Hektar Anbaufläche sind notwendig, um eine gleichmäßige Bestäubung zu erzielen. Bei rund 1324 Hektar sind da einige Zehntausend Bienen während der kurzen Blütephase unterwegs.

Um nicht allein von externen Imkern abhängig zu sein, hat das Unternehmen selbst Mauerbienen ausgebracht. „Etwa in jeder siebten Baumreihe setzen wir sie drei Tage vor der Ernte in ihren Kokons aus. Dann haben sie etwa 100 Meter Flugradius. Und nach der Ernte sammeln wir sie wieder ein“, erklärt Kalbitz. Dadurch ist nur noch ein Volk pro Hektar von außerhalb notwendig.

Möglich ist dies nur durch Bestäuberbäume. So werden Sorten bezeichnet, die eigentlich nicht in eine Baumreihe gehören, aber zur gleichen Zeit wie die gewünschte Sorte Blühen. Denn die Bäume können sich nicht mit dem eigenen Pollen befruchten. Sieben bis acht Prozent der Bäume eines Sortenanbaus werden so zwischengepflanzt. Im Falle von Gradirose ist das Golden Delicious, der mit seiner gelbgrünen Farbe unter den roten Früchten deutlich auffällt. Manchmal werden aber auch Wildapfelarten benutzt, deren Früchte klein wie Kirschen sind.

Die Pflückgröße der Obstland-Äpfel liegt bei 65 Millimetern Durchmesser. Die Ernte innerhalb des Konzerns begann bereits am 10. August mit den ersten Birnen und frühreifen Apfelsorten wie Delbar. Die Gradirose-Äpfel – eine Kreuzung aus Pink Lady und Golden Delicious – wachsen auf 20 Hektar bei Leisnig und werden seit 5. September gepflückt. Bis Mitte Oktober werden die Plantagen leer sein.

Rund 3000 Bäume stehen auf jedem Hektar – macht bei 874 Hektar Apfelplantage knapp 2,9 Millionen Bäume, die etwa 18 bis 20 Jahre bewirtschaftet werden. Knapp ein Viertel davon wird inzwischen nach den Regeln der ökologischen Produktion – kurz Bio – bearbeitet, so auch Gradirose. Statt Unkrautvernichter zu spritzen, wird der Boden um die Bäume mit einer Rollfingerhacke bearbeitet. „Man muss hinterher sein, sonst steht das Unkraut mannshoch“, sagt Vorarbeiterin Doreen Thum. „Die Nachfrage nach Bio-Äpfeln wächst beständig“, erklärt Jan Kalbitz. Gut möglich, dass bald noch mehr Fläche für den Bio-Anbau genutzt wird.

Komplett biologisch ist bereits der Anbau von Johannis- und Stachelbeeren sowie Haselnüssen. Dazu werden Birnen, Pflaumen, Süß- und Sauerkirschen sowie Erdbeeren angebaut. Doch derzeit stehen die Äpfel im Vordergrund. 120 Erntehelfer sind im Einsatz. Sie stammen alle aus Rumänien. „Viele sind schon mehrfach da gewesen, andere kommen neu dazu. Wir freuen uns, wenn sie wiederkommen, dann kennen sie schon die Abläufe“, sagt Doreen Thum.

Sie pflücken jeden Apfel von Hand – über den Zeigefinger gebrochen, natürlich. Denn möglichst viele der Äpfel sollen mit Stiel und damit weniger anfällig für Fäule und schön anzusehen im Supermarktregal landen. 80 Prozent der Ernte wird so verkauft. Der Rest – zu kleine, makelbehaftete oder herabgefallene Äpfel – werden zu Mus oder Saft weiterverarbeitet. Wer die aktuelle süße Ernte vorab verkosten will, bekommt am 6. Oktober beim Apfeltag in Leisnig Gelegenheit dazu

Von Sebastian Fink

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