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Döbeln Appell aus Gersdorf: „Nie wieder Krieg!“
Region Döbeln Appell aus Gersdorf: „Nie wieder Krieg!“
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00:34 18.05.2018
Der Ehrenhain auf dem Gersdorfer Friedhof: Links im Bild ist einer der beiden Gedenksteine, die um eine Metallplatte ergänzt werden sollen. Quelle: Foto: Manuel Niemann
Hartha

„Ich gehöre zu den Kriegs- und Nachkriegskindern, die ohne ihren Vater aufgewachsen sind“, beginnt Heide Semper ihren Brief an die DAZ. Sie hat gelesen, dass in Gersdorf das Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges saniert werden soll. Die auf den beiden Steinen nicht mehr lesbaren Inschriften werden durch zwei Metalltafeln ersetzt, auf denen die Namen der Gefallenen und Vermissten eingraviert sind. Rund 4000 Euro wird das kosten. Da der Friedhof das Geld nicht allein finanzieren kann, werden noch bis Ende Mai Spenden gesammelt (wir berichteten). „Ich möchte diese Aktion nicht nur durch meine Spende unterstützen, sondern auch durch persönliche Zeugnisse“, schrieb Semper daraufhin der DAZ.“ „Inzwischen gehöre ich ja zu den wenigen Überlebenden, die direkt betroffen waren“, so die 73-Jährige.

Betroffen war zunächst Sempers Mutter: Die schwangere Frau erhielt sechs Wochen vor der Geburt ihrer Tochter im Februar 1945 einen Brief aus fremder Hand: Der Kompanieführer, dem ihr Mann unterstellt war, teilte ihr mit, dass dieser am 31. Januar getötet worden war. Den „Heldentod für Führer, Volk und Vaterland“, wie Semper das Originaldokument zitiert. Ein Granatsplitter habe den Gefreiten Erich Schönfeld bei den schweren Kämpfen um Marienburg am Kopf getroffen. „Meine Mutter wurde durch diesen unsäglichen Krieg, in den alle jungen Männer durch die bestehende Wehrpflicht geschickt wurden, mit 25 Jahren Witwe“, beschreibt Semper, was das für ihre Familie bedeutete. Nicht die einzige Todesnachricht, die sie bekommen sollten. Im Herbst 1947 erfuhr die junge Frau auch aus einem Brief, dass ihr Bruder in Kriegsgefangenschaft verstorben sei. „Das sind nur zwei von circa 100 Menschen, die in unserem engeren Heimatbezirk gefallen, vermisst oder in der Gefangenschaft als Opfer von Kriegshandlungen so jung sterben mussten“, schreibt die 73-Jährige. „Sie rissen nicht nur eine schmerzliche Lücke in die Familien, sondern auch in unsere Gemeinden.“ Die beiden jungen Männer waren gut ausgebildet: Sempers Vater hatte in Leipzig studiert, bereits als Junglehrer gearbeitet und sollte nach Kriegsende in Gersdorf als Lehrer verbeamtet werden. Ihr Onkel, ein ausgebildeter Kellner, hätte der Nachfolger der Wirtsleute des Gasthofes „Drei Lilien“ in Gersdorf werden sollen. Stattdessen wurde dort seine Todesannonce aufgesetzt, die Semper der DAZ mitschickte. Sie sei froh, dass die Gedenksteine nach Jahren der Nichtbeachtung wiederhergestellt werden, auch wenn es immer weniger direkte Hinterbliebene gebe. „Der Sinn dieser Steine ist ja nicht nur die Erinnerung, sondern auch die Mahnung: Nie wieder Krieg! Sorgt dafür, dass der Frieden erhalten bleibt!“

Spenden können bis zum 31. Mai an die Kirchgemeinde Gersdorf/ KVW Grimma, Kontonummer DE62350601901670409020 gerichtet werden. Als Verwendungszweck muss unbedingt „RT 2010 Spende Kriegerdenkmal“ angegeben werden. Mittwochs von 16 bis 17 Uhr ist es zudem möglich, im Gemeindebüro bar zu spenden. Dort liegen bis zum 23 Mai auch die Namenslisten aus.

Von Manuel Niemann

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