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Arbeitsunfall Zschepplitz: Gericht soll entscheiden

BGW setzt auf zweite Diagnose Arbeitsunfall Zschepplitz: Gericht soll entscheiden

Der Zschepplitzer Mike Bitterlich muss seinen Anspruch auf Verletztengeld gegen die Berufsgenossenschaft für Gesundheits- und Wohlfahrtspflege (BGW) vor Gericht erstreiten. Diese lehnt die Weiterzahlung von Verletztengeld ab, da die Beschwerden an der linken Hand nicht vom Arbeitsunfall von 2013 herrührten.

Mike Bitterlich muss im Streit um sein Verletztengeld mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheits- und Wohlfahrtspflege auf die Entscheidung des Sozialgerichts Chemnitz warten

Quelle: Gerhard Dörner (Archiv)

Zschepplitz/Hamburg. Zum Streit um Verletztengeld, das der Zschepplitzer Mike Bitterlich von der Berufsgenossenschaft für Gesundheits- und Wohlfahrtspflege (BGW) wegen der Folgen eines Arbeitsunfalls einfordert, hat sich nun die BGW-Zentrale in Hamburg gemeldet. Zur Erinnerung: Bitterlich war im Juni 2013 als Patientenbegleiter in einer Stuttgarter geschlossenen psychiatrischen Anstalt von einer Patientin angegriffen und schwer am linken Handgelenk verletzt worden. Das Verletztengeld zahlte die BGW jedoch nur bis März 2014, obwohl der heute 47-Jährige weiter über starke Schmerzen auf Grund eines aus dem Unfall folgenden CRPS-Syndroms klagte.

„Uneinigkeit besteht darüber, bis wann Herr Bitterlich unfallbedingt arbeitsunfähig war“, bestätigt BGW-Sprecherin Sandra Bieler auf DAZ-Nachfrage. Sie fasst aus Sicht der BGW zusammen: „Im November 2013 war er aus dem Klinikum Bergmannstrost Halle wieder arbeitsfähig entlassen worden. Im Januar 2014 teilten seine behandelnden Ärzte aus dem Klinikum Döbeln der Berufsgenossenschaft mit, er sei weiterhin arbeitsunfähig. Daraufhin holte die Berufsgenossenschaft ein ärztliches Gutachten aus dem Klinikum Hoyerswerda ein, das sich der Einschätzung des Klinikums Bergmannstrost anschloss. Die Berufsgenossenschaft folgte im Februar 2014 den ärztlichen Einschätzungen aus Halle und Hoyerswerda, dass Herr Bitterlich nicht mehr unfallbedingt arbeitsunfähig sei.“

Gutachten wird angezweifelt

Bitterlich zweifelt das Gutachten aus Hoyerswerda jedoch als „Gefälligkeitsgutachten“ an. Er ließ sich im Städtischen Klinikum Dresden im Herbst 2015 erneut untersuchen. Dort wurde ein schmerztherapeutisches Gutachten für notwendig erklärt, was auch der BGW schriftlich vorgeschlagen wurde. „Als dieses Schreiben bei der Berufsgenossenschaft einging, hatte Herr Bitterlich bereits Klage vor dem Sozialgericht eingereicht“, erklärt Bieler. „Stimmt nicht“, meint wiederum Mike Bitterlich. „Wir wollten mehrfach so ein Gutachten in Auftrag geben, aber die BGW hat nie reagiert“, sagt er.

Für die BGW stehe ohnehin eine andere Diagnose als Begründung für die Weigerung, weiterhin Verletztengeld zu zahlen. „Unabhängig von seinem Arbeitsunfall leidet Herr Bitterlich unter einer weiteren Erkrankung des linken Handgelenks, die im März 2016 stationär behandelt wurde. Dass diese Durchblutungsstörung des Knochengewebes (Mondbeinnekrose) nicht durch den Unfall verursacht wurde, geht aus einem Bericht der Dresdener Ärzte hervor. Die derzeit auftretenden Handgelenksbeschwerden sind nach Einschätzung der Berufsgenossenschaft auf diese unfallunabhängige Mondbeinnekrose zurückzuführen. Die Berufsgenossenschaft darf gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag aber nur für die Folgen des Versicherungsfalls – hier des Arbeitsunfalls – Leistungen erbringen“, erklärt Bieler.

Hand ist funktionslos

Auch hier widerspricht Bitterlich: „Von dieser Mondbeinnekrose habe ich nie etwas gespürt. Fakt ist, dass bei mir nachgewiesen ist, dass ich CRPS im Endstadium habe. Das heißt, die Hand ist funktionslos, die Schmerzen gehen in den ganzen Arm über“, sagt er. Das Sozialgericht Chemnitz, das das Verfahren wegen Bitterlichs zwischenzeitlicher Insolvenz unterbrochen hatte, muss nun entscheiden. Bitterlichs Dank geht schon jetzt an die Ärzte im Klinikum Döbeln, „die mich trotz der vielen Schreiben der BGW weiter behandelt haben“.

Zugleich verklagt er die Frau, die ihn damals so schwer verletzt hat. „Sie war nur 1,50 Meter groß, hat aber acht Leute verletzt. Sie wusste genau, was passiert, wenn sie ihre Medikamente absetzt und Drogen einnimmt“, sagt er. Deren Versicherung müsste zahlen, wenn das Gericht der Ansicht folgt, dass die Frau sich vorsätzlich in den Zustand an diesem Tag versetzt hat. Doch das „sieht schwierig aus“, sagt die Harthaer Anwältin Mandy Schützel, die Bitterlich in diesem Fall vertritt. Die Frau sei als deliktunfähig eingestuft worden, noch im August soll eine Entscheidung fallen.

Von Sebastian Fink

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