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Döbeln Armin Arnold ist der Müller von Tautendorf
Region Döbeln Armin Arnold ist der Müller von Tautendorf
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06:00 14.01.2017
Seit 81 Jahre lebt Arnim Arnold in der Wassermühle in Tautendorf. Quelle: Sven Bartsch
Tautendorf

Die alte Dame steht in einem verwunschenen Tal, über 400 Jahre hat sie auf dem Buckel und sie funktioniert noch einwandfrei. Die Schanzenmühle ist das Kleinod von Tautendorf, einem 60-Seelen-Ort bei Leisnig. Keiner kennt ihr Innenleben und ihre Macken so gut wie Armin Arnold. Seine 81 Lebensjahre verbrachte der Müllermeister zum großen Teil in der hölzernen Wassermühle am Schanzenbach. Auch mehrere Hüftoperationen halten den schweigsamen Mann nicht davon ab, flink durch die eisige Mühle zu führen. Gedämmt ist hier nichts, alles ist noch so wie damals, als Arnolds Vater für die umliegenden Bauern das Mehl mahlte.

Sie ist ein lebendes Denkmal: Die Schanzenmühle in Tautendorf ist noch voll funktionstüchtig. Mehl hat Armin Arnold dort schon lange nicht mehr gemahlen. Die Mühle ist heute nur noch Museum.

1558 wird die Schanzenmühle – eine von sieben im Schanzenbachtal – das erste Mal erwähnt. Bis 1975 wird hier aus Getreide Mehl gemacht. 1978 – nach dem Tod seines Vaters – führt Armin Arnold den Betrieb neben seinem Beruf als Schlosser weiter, verarbeitet bis in die 80er Jahre hinein Korn zu Futterschrot, auch für die umliegenden Kleinbauern. Aus zwei Tonnen Getreide stellt er damals innerhalb von zwei Tagen etwa 24 Zentner Mehl her.

So sah die Schanzenmühle von Tautendorf früher aus. Quelle: Archiv

Wenn er durch seine Mühle läuft, kommt Leben in den sonst so stillen Mann in dem weiten Woll-Pullover. Behände läuft Arnold über die knarzigen Treppenstufen, erklärt, wie seine Mühle im Detail funktioniert, zeigt die Schälmaschine, die Behälter für das Mahlgut, das Getreidesilo, das bis in den Keller reicht, die Waage und – besonders stolz – den selbst gebauten Aufzug, mit dem er binnen Sekunden von Etage zu Etage saust. Auch dieser hat die Jahre überdauert.

Dass er hier jederzeit wieder loslegen könnte, kann Arnold beweisen. Auf Knopfdruck fangen die Förderbänder an zu laufen, drehen sich die Räder des Mahlwerks. Es knattert und pfeift in der hölzernen Mühle, die heute elektrisch angetrieben wird. Früher aber trieb das Wasser des Mühlbachs eine Turbine an, diese wiederum einen Dieselmotor. Das Schmuckstück von 1934 steht ebenfalls noch hier und ist ebenso funktionstüchtig, auch weil der Müller das schwarze Ungetüm sorgsam pflegt.

In der obersten Etage hat Armin Arnold eine kleine Werkstatt mit Drechselbank eingerichtet. Ein Haufen Späne liegt auf dem Boden, verschiedenste Werkzeuge stapeln sich, eine elektrische Heizung wärmt den kleinen Raum. Arnold schnitzt und sägt hier Schwibbogen, Holztiere und filigrane Pyramiden aus Lindenholz.

Ganz oben in der Mühle hat Arnold seine Werkstatt eingerichtet. Quelle: Gina Apitz

Einige seiner Arbeiten hat er sogar schon verkauft, sie schmücken Wohnzimmer in ganz Deutschland. Und natürlich die eigene Stube. Unten wartet Hanna Arnold auf ihren Gatten und zeigt jetzt verschiedenste seiner Arbeiten: ein hölzerner Hirsch, ein Rehkitz mit seiner Mutter. „Früher wurde im Winter in der Stube geschnitzt“, erzählt die 80-jährige Müllersfrau. Es gab ja keinen Fernseher. Den haben die beiden inzwischen angeschafft, auch neue Fenster und eine Heizung wurden in das alte Haus eingebaut.

Ein Relikt im Wohnzimmer erinnert dagegen noch an die alten Zeiten: der schöne Ofen in der Ecke. Mit ihrem Haus verbinden die beiden jede Menge Erinnerungen. 1961 heiratet das Paar, Hanna zieht dafür aus ihrem Heimatort Doberquitz nach Tautendorf. Sie arbeitet in der Küche der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „Guter Start“ in Brösen, er ist Schlosser in derselben LPG und außerdem Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Brösen. 1964 bringt Hanna Arnold Zwillinge zur Welt. Die Jungs leben heute mit ihren Familien woanders, besuchen die Eltern von Zeit zu Zeit.

Hanna und Armin Arnold leben in der alten Mühle von Tautendorf. Quelle: Sven Bartsch

Gesellschaft bekommen die beiden Rentner aber auch von Wanderern, die an ihre Tür klopfen. Der Weg zur Leithenmühle führt direkt am Haus des Ehepaars vorbei. „Mit etlichen Wanderern aus Leipzig oder Chemnitz haben wir schöne Gespräche geführt“, berichtet Hanna Arnold. Einmal luden zwei Frauen sie zu einer Hochzeit auf das Schloss Podelwitz ein, andere ließen Briefe da, wenn sie das Müller-Paar nicht antrafen.

Viele Gäste wollen einmal einen Blick in die Mühle werfen. Am Mühlentag, der jährlich am Pfingstmontag stattfindet, nehmen die Arnolds nicht teil. In ihrem hohen Alter sei das zu anstrengend, sagen sie. Doch wer freundlich anfragt, dem zeigt Armin Arnold gern sein hölzernes Reich.

Von Gina Apitz

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