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Döbeln Atomgeruch beschäftigt Döbelner Amtsgericht
Region Döbeln Atomgeruch beschäftigt Döbelner Amtsgericht
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23:03 11.12.2012

Wer "Atomgeruch" wahrnehmen kann und das in einem deutschen Gerichtssaal erzählt, kommt womöglich um eine Strafe herum. Jörg R. habe die kleinen Teilchen am 24. Juli dieses Jahres gerochen und erzählte dies gestern auf der Anklagebank im Amtsgericht Döbeln. Dort muss er sich wegen räuberischen Diebstahls verantworten. Der Grimmaer sagte auch, dass er an einer Psychose leide. Die Vorsitzende Richterin des Schöffengerichtes Christa Weik ordnete darum an, das Verfahren gegen Jörg R. zunächst ruhen zu lassen, bis ein psychiatrischer Gutachter die Schuldfähigkeit des jungen Mannes beurteilt hat. Sollte dieser wirklich eine paranoide Schizophrenie haben, kann ihn das Schöffengericht nicht wegen räuberischen Diebstahls verurteilen und müsste ihn freisprechen.

Der Tatvorwurf klingt so bizarr wie abenteuerlich: Jörg R. habe an der ­Tankstelle "Heiterer Blick" an der Autobahnabfahrt Döbeln-Nord Cola und ein Energiegetränk gestohlen. Wert des Diebesgutes: 3,60 Euro. Die Tankstellenangestellte sei ihm hinterher gerannt und habe die Beifahrertür des Wagens geöffnet. Der Angeklagte fuhr los und die Frau lief noch ein Stück nebenher, bis ihr die Autotür gegen den Arm schlug. Das brachte der Geschädigten blaue Flecken ein. "Der junge Mann wirkte, als sei er nicht ganz bei sich", erinnerte sich Tankstellenfrau Sabrina T. "Er sagte erst zu mir, 'Behalten Sie den Rest', obwohl er gar nicht bezahlt hatte, murmelte dann 'Entschuldigung' und fuhr los", so Sabrina T. Sie lieferte mit ihrer Aussage einen weiteren Hinweis darauf, dass mit der Wahrnehmung des Angeklagten etwas nicht stimmen kann.

Dass dies wahrscheinlich so ist, ergab sich auch aus dessen Einlassung. "Ich habe diesen Atomgeruch gerochen und Durst bekommen", sagte Jörg R. Er legte dem Gericht ein ärztliches Attest vor. Das bescheinigt die paranoide Schizophrenie. Patienten mit dieser psychischen Erkrankung hören oft Stimmen oder haben andere Wahnvorstellungen. Diese Form der Schizophrenie ist am weitesten verbreitet. Jörg R. nehme seit fast zehn Jahren Tabletten gegen seine Krankheit. "Es kann sein, dass ich die am betreffenden Tag vergessen habe", sagte der Mann, der den Tatvorwurf einräumte. Er sei bereits Tage vorher mit dem Auto herumgefahren. Jörg R. sagt dazu "rumgegeistert". Am Tag vor dem Zwischenfall mit der Kassiererin habe er ebenfalls im "Heiteren Blick" eingekauft, ohne Scherereien zu machen. Daran konnte sich die Tankstellenangestellte erinnern. "Er kam mir bekannt vor. Ich hätte nie gedacht, dass er am Tag darauf so reagiert", sagte Sabrina T.

Jörg R. ist bereits wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz vorbestraft. Ob der Drogenmissbrauch bei ihm die Schizophrenie auslöste, muss jetzt der Psychiater klären. Ohne seinen Anwalt Mathias Renner hätte Jörg R. dem Gericht nicht von seinem Leiden berichtet und eine Verurteilung in Kauf genommen. "Er wollte nicht, dass das publik wird, weil er sich schämt", so Rechtsanwalt Renner.

Dirk Wurzel

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