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Döbeln Auf Mildenstein leben wie in einem früheren Jahrhundert
Region Döbeln Auf Mildenstein leben wie in einem früheren Jahrhundert
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08:00 11.05.2016
Ab Sonntag können Besucher der Burg Mildenstein dort Menschen antreffen, die eine Woche lang leben wie im Mittelalter. Quelle: Steffi Robak
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Leisnig

Die Burg in Leisnig wird über Pfingsten auf eine besondere Art lebendig: 25 Menschen aus ganz Deutschland leben dort wie im frühen Mittelalter. Burgbesucher, die in dieser Zeit die Burg weiterhin besuchen können, müssen sich also nicht wundern, wenn ihnen auf Mildenstein in der Woche nach Pfingsten Menschen begegnen, die aus der Vergangenheit zu kommen scheinen und sich auch so verhalten.

Da geht ein gestrenger Burgvoigt über den Hof, der im richtigen Leben Helmut Kwiecinski heißt. In unauffälliger Alltagtracht aus Leinen und Wolle, sieht man ihm nicht an, dass er in Abwesenheit des Königs die Burgmannschaft aus etwa 30 Rittern, Kämpfern, Mägden, Knechten Handwerkern und ihren Kindern befehligt. Einen der Kämpfer hält er dazu an, seinen Schild zu reparieren. Ein anderer befestigt mit Lederschnüren die Ärmel an seinem gepolsterten Waffenrock. Der Fechtmeister, Martin Hechtel, bildet einen Mann im Zweikampf aus. Der versucht, sich mit bloßen Händen gegen die Angriffe mit dem einschneidigen, langen Messer zu verteidigen. Da es einem Bauern verboten war, ein zweischneidiges Schwert zu tragen, behalfen sich die Bauern, indem sie Messer – einschneidig - mit sehr langen Klingen trugen. Diese werden wie Schwerter beidhändig geführt. Es interessanter Kampf entspinnt sich da auf dem Burghof: Der Waffenlose, Jörg Rößler aus Berlin, ist im richtigen Leben Karatesportler und Dan-Träger, sein Fechtmeister Martin Hechtel befasst sich mit mittelalterlichen Kampfkünsten. Im richtigen Leben arbeitet er als Lagerist in einem Kühlhaus.

Was auf Mildenstein ab Sonntag eine knappe Woche lang zu erleben ist, wird also Living Hinstory oder Reeanactment bezeichnet. Die Gruppe um Helmut Kwiecinski ist im Internet unter „Burgalltag.de“ zu finden. Einem Freundeskreis aus einigen Familien können sich einmal im Jahr auf Anmeldung weitere Teilnehmer anschließen, die sich für diese Zeit der authentischen mittelalterlichen Lebensweise verpflichtet fühlen. Dazu gehört unter anderem, sich entsprechend zu kleiden und auch zu ernähren – ein Anspruch, der unter anderem über das Jahr hinweg sorgfältige Vorbereitung erfordert, damit über das Pfingstwochenende alles gut funktioniert.


http://www.burgalltag.de/

„Zeit zur Muse haben wir hier kaum. Es gibt ständig etwas zu tun und organisieren, wir haben ein straffes Programm“, sagt Helmut Kwiecinski. Dazu gehört auch, sich die Regeln höfischen Benehmens anzueignen. Kwiecinskis Frau Babette unterrichtet zum Beispiel im Tanz. Doch dies hat nicht allein mit Kurzweil und Zeitvertreib zu tun: „Wenn einer von uns einmal die Gelegenheit hat, an einen Hof zu kommen, muss er in den höfischen Sitten bewandert sein.“ Jeden Tag werden zwei Tänze geprobt. Dabei sind auch die Ritter beziehungsweise Soldaten. Auch sie müssen höfisches Benehmen lernen. Wer an Living-History-Treffen teilnimmt, kann bei einer anderen Zusammenkunft auch leicht in eine andere Rolle geraten und sollte dann die Regeln kennen.

Timo Kießling, elf Jahre alt und seit fünf Jahren Knappe des Burgvogtes, kennt genau seine Aufgaben. An der Tafel, an der Abends gespeist wird, muss er für den Vogt zum Beispiel das beste Stück Fleisch zu besorgen. Und: Er hat sich in seinem Alter bereits in den Waffenkünsten zu üben. Als Knappe hat er eine eigene Streitaxt. Der Vogt legt noch auf etwas anderes Wert: „Kommen andere Kinder zu unserer Gruppe, ist Timo dazu angehalten, ihnen zu erklären, nach welchen Regeln auf der Burg gelebt wird. Das steht in seiner Verantwortung.“

Manche treiben Living Hinstory oder Reeanactment so weit, dass sie sich für ihren Charakter in der mittelalterlichen Szene eine neue Identität zulegen, nach den Regeln der Heraldik ein Siegel entwerfen und Wappen tragen. So zum Beispiel Andres vom Berg an der Aue, auf Mildenstein der Schreiber. Im Zimmer von Amthauptmann Horn auf Mildenstein hat er sein Refugium gefunden. Dort geht der Schreiber und Siegelbewahrer einer Tätigkeit nach, wie sie für einen Mann seines Standes im mittelalterlichen Alltag üblich ist. Er setzt in den historisch authentischen Handschriften Bastarda oder Elongata Urkunden auf. Ein Schriftstück anzufertigen, dauert Stunden. Andres vom Berg an der Aue hat gut zu tun: In der Woche auf dem Mildenstein steht eine Schwertleite an. Die Urkunde muss also fertig werden.

Am Ende des Tages, wenn es zur Tafel geht, herrschen strenge Sitten. Das beginnt bei der Sitzordnung. Oben an der Tafel sitzen Helmut und Babette als Vogt und seine Gattin, an einer Seite der Tafel die Ritter und Soldaten, an der anderen die Mägde und Knechte. Der Vogt bestimmt, wer sich wann setzen darf, und bei Tisch hat Ruhe zu herrschen. Danach geht es noch zum Bogenchießen, wo ebenfalls die Regeln der Hirarchie gelten. Warum sich die Teilnehmer das antun? „Für manche heißt es, sich ein Leben aussuchen und dieses dann für eine gewisse Zeit zu leben. Die historische Darstellung soll Spaß machen und das tut es – auch wenn wir am Ende einer solchen Woche alle ziemlich fertig sind. Meine Frau und ich – wir sehen uns hier tagsüber kaum, weil wir so verschiedene Aufgaben haben“, sagt der Burgvogt.

Von Steffi Robak

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