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Döbeln Auf zur Jagd im Klosterbucher Forst
Region Döbeln Auf zur Jagd im Klosterbucher Forst
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00:18 06.02.2017
29 Rehe wurden neben 20 Sauen bei der Klosterbucher Ansitz-Drückjagd erlegt. Die Notwendigkeit der Jagd besteht laut Revierförster Köllner in der Bestandsregulierung. Quelle: Gunter Pistora
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Klosterbuch

Es ist knackig kalt am Morgen, der Himmel etwas diesig, der Klosterbucher Forst tief verschneit. Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat zur Gesellschaftsjagd geladen. 40 Jäger aus dem Forstbezirk sowie aus ganz Sachsen finden sich ein, etwa ebenso viele Treiber. Letztere sind nicht nur sehr warm gekleidet, sondern in extrem auffälligem Neon-Orange: In den kommenden Stunden werden sie in Kettenformationen das circa 500 Hektar große Revier durchstreifen, um das Wild zu beunruhigen, wie es Revierförster Ronald Köllner formuliert. Das Wild soll nicht in Panik versetzt, lediglich in Bewegung gebracht und dazu veranlasst werden, an den Jägern auf den Ansitzen vorbeizuziehen. So kann waidgerecht geschossen werden. Dies wird Ansitz-Drückjagd genannt.

Treiber und Jäger erweisen dem erlegte Wild an der Strecke die Ehre. Quelle: Steffi Robak

In dieser Zeit geht es alles andere als hektisch oder laut zu im Klosterbucher Forst. Die Treiber durchstreifen die ihnen zugewiesenen Areale. Hin und wieder fällt ein ferner Schuss. Nach der Jagd werden einige Treiber berichten, das Wild drücke sich manchmal so regungslos in der Deckung, bis der Mensch fast oder ganz vorbei gegangen ist. Sauen lassen Menschen manchmal derart dicht passieren, dass man sie riechen könne. Das Wild springt gar nicht oder erst im letzten Moment auf und sucht das Weite. Geschossen werde dann nicht mehr, denn der Treiber befindet sich zwischen dem Wild und dem Schützen.

Das ist nach den Worten von Ronald Köllner oberste Priorität bei einer Jagd: „Warnkleidung muss getragen werden und geschossen wird nur, wenn zu hundert Prozent sicher ist, dass kein Mensch verletzt werden kann.“

44 Tiere sollen an diesem Tag zur Strecke gebracht werden, plante er am Vortag. Er kennt genau das Revier und dessen Wildbestand. Die Notwendigkeit der Jagd fasst er in einem Wort zusammen: „Bestandsregulierung.“

Das bedeutet auch: Es werden durchaus nicht allein kranke, schwache Tiere geschossen. Am Nachmittag sind 20 Sauen und 29 Rehe zur Strecke gebracht, darunter Ricken und Jungtiere. Letztere weisen schon lange nicht mehr die typische Rehkitzfärbung auf, sondern sehen den erwachsenen Tieren sehr ähnlich. Gesetzt wurden sie bereits im Frühjahr. Zwei der geschossenen Wildsauen weisen eine kuriose Fellzeichnung auf: Hell mit dunklen Flecken. Dies sind die Nachwirkungen der bis vor 150 Jahren gängigen Praxis, Hausschweine zur Mast in den Wald zu treiben. Das Erbgut wurde so in die Wildschwein-Linien eingekreuzt.

Treiber und Jäger sind noch unterwegs, da wird am Treffpunkt am Waldrand bereits die Gulaschkanone angeheizt. Der Staatsbetrieb Sachsenforst lädt einmal jährlich zur Gesellschaftsjagd. „Es ist auch ein Dankeschön von uns an die Jäger vor Ort, die mit uns gut zusammen arbeiten.“ Auch der Kreis der Treiber kommt aus der Region. Nach mehreren Stunden im winterlichen Wald tut etwas Heißes Jägern wie Treibern gut. Auch die sogenannte Strecke ist bereits zu Jagdbeginn gelegt. Dabei handelt es sich um eine zirka zehn mal zehn Meter große mit Fichtengrün ausgelegte Fläche am Waldrand. Dort wird die Jagdbeute – in der Fachsprache gleichfalls Strecke genannt – ausgelegt.

Gemäß Jagdbrauchtum liegt das Wild auf seiner rechten Körperseite und in geordneter Reihenfolge. Dies dient einerseits der Jagdstatistik, erweist der erlegten Kreatur zudem waidgerecht die letzte Ehre. Dazu gehört das so genannte Verblasen: Die Jagdhornbläser lassen für jede Wildart ein gesondertes „Totsignal“ erklingen. Nachdem Köllner die Jagdstatistik verlesen hat und bevor das Signal „Jagd vorbei“ erklingt, überreicht Forstbezirksleiter Andreas Padberg den Schützen des Tages auf dem Blatt eines Jagdmessers den so genannten Schützenbruch. Den Zweig trägt der erfolgreiche Jäger rechts im Hutband.

Die profane Seite der Jagd steht in Form eines Traktors ebenfalls am Waldrand, an ihm befestigt ist ein Balken für die Waage, wo das Gewicht der Jagdbeute festgestellt wird. Am Nachmittag bringen Jäger und Treiber mit ihren Autos das erlegte Wild zunächst zum Wiegen. Wildschweine werden Proben zur Trichinenkontrolle entnommen, das Wild generell Stück für Stück nach den Bestimmungen der Lebensmittelüberwachung kontrolliert. Zur Überwachung der Wildgesundheit entnehmen Fachleute Schweiß- also Blutproben, unter anderem für Tests auf Bruzellose. Wenn die Laborwerte vorliegen, gibt das Forstamt das Stück Wild zum Verzehr frei.

Vom Schuss bis zum Ablegen des Wildes auf der Strecke ist genau verfolgbar, welcher Jäger welches Tier schoss, denn jedes Stück trägt eine Wildmarke. Nach der Jagd wird das Wild vor Ort verkauft.

Aus einem weiteren Grund sind die Wildmarken von Belang: Weist ein Tier nach einem offensichtlich missglückten Schuss eine schwere Verletzung auf, zahlt der Schütze für dieses Stück Wild. „Zum einen ist es dann nicht mehr vermarktbar“, erklärt Köllner den Grund. „Zum anderen hat das den Sinn, den Schützen zu maßregeln.“ Die Tiere sollen bei der Jagd erlegt, nicht verletzt werden. Ein Jäger muss das einschätzen können und solle nur dann auf ein Stück Wild anlegen, wenn ihm der Schuss sicher gelingt. Mit Verletzungen flüchten die Tiere von der Stelle ihres Anschusses, und verstecken sich. Damit sie sich dort nicht zu Tode quälen, wird nach der Jagd eine so genannte Nachsuche angesetzt. Diese muss unter Umständen auf den nächsten Tag ausgedehnt werden – bis das betreffende Stück Wild gefunden ist. Zur Nachsuche kommen zur jüngsten Drückjagd im Klosterbucher Forst deshalb auch Hunde zum Einsatz.

Während Jäger und Treiber zusammen mit den Mitarbeitern vom Forstbetrieb noch die Gulaschkanone belagern und den Jagderfolg feiern, zieht in der Nachmittagssonne in sicherer Entfernung am Horizont eine Reihe Wildschweine vorbei. Niemals werde eine Jagd den Bestand völlig dezimieren, weil die Jäger auf alles schießen, was sich bewegt, so Köllner. Seine Planabschusszahlen sagen in etwa auch das aus: Mehr sollte in diesem Revier nicht geschossen werden. Am Ende bleibt vom Jagdereignis im Klosterbucher Forst neben der Stille des Waldes das Blut des aufgebrochenen Wildes im Schnee. Ist das Waidhandwerk nun ein so blutiges, dass Natur- und Tierschützer reihenweise auf die Barrikaden gehen? Köllner verneint das. „Zu den Umweltschutzverbänden pflegen wir sehr guten Kontakt.“ Er sei selbst Mitglied des Naturschutzbundes (NABU). Die Arbeit des Forstamtes und die Pflege sowie Überwachung des Wildbestandes bestehe schließlich auch aus sehr viel mehr als nur der Jagd.

Von Steffi Robak

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