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Döbeln Auferstanden aus dem Scherbenhaufen
Region Döbeln Auferstanden aus dem Scherbenhaufen
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10:41 10.01.2016
Aus den Scherben nahm Ulf Schneider die Maße des Zifferblattes für den Nachbau der alten Bahnhofsuhr. Quelle: Sven Bartsch
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Waldheim

Die Bahnhofsuhr tickt wieder. Vorerst zeigt sie die Zeit aber nur in Ulf Schneiders Werkstatt im Waldheimer Gewerbegebiet an. Dort wartet sie in einem speziellen Transportgerüst auf ihren Einbau. In der kommenden Woche will der Elektronik-Fachmann und Inhaber des Betriebes „Sat-Schneider“ das Großchronometer wieder an seinem Platz in der Giebelspitze des wahrscheinlich schmalsten Bahnhofs Sachsens anbringen.

Es war ein langer Weg. In etwa 30 Arbeitsstunden hat Ulf Schneider die Uhr nicht etwa restauriert. Er hat sie komplett neu gebaut, quasi nebenbei. Denn das Kerngeschäft seiner Firma besteht derzeit darin, Rundfunksender zu warten. „Mich stören öffentliche Uhren, die nicht gehen. Das ist so, wie leere Fensterhöhlen, tote Augen eben“, sagt Ulf Schneider über seine Motivation, sich der Bahnhofsuhr anzunehmen.

Den Scherben hinterher gereist

Er reiste einem Scherbenhaufen hinterher, als er mit der Arbeit an der Uhr begann. „Eigentlich war sie ausgebaut, das Uhrwerk war vorhanden, die Zeiger ebenso. Das Zifferblatt hatte einen Sprung“, schildert Ulf Schneider die eigentlich guten Ausgangsbedingungen. Allerdings mausten Langfinger Uhrwerk und Zeiger, das Zifferblatt aus Milchglas ging zu Bruch und die Bauarbeiter schmissen die Scherben in den Container. Ulf Schneider warf aber nicht das Handtuch, sondern fuhr den Bauschutt-Containern hinterher und barg die Fragente des Zifferblattes. Schließlich brauchte er die Beschriftung mit Strichen und Zahlen als genaue geometrische Vorlage für das neues Zifferblatt. Das musste wieder aus Milchglas sein. „Die Bahn hatte eines aus Kunststoff angefertigt. Aber das war nicht stabil und hätte gestützt werden müssen, damit die Zeiger nicht an das Blatt schlagen“, sagt er. Die Stützen wiederum wären bei Dunkelheit sichtbar gewesen, denn die Uhr ist beleuchtet.

Die Form der Zeiger rekonstruierte der Diplomingenieur aus alten Fotografien der Uhr. Bei diesen Recherchen fand er heraus, dass die Zahlen erst in den 1970er auf die Anzeige gekommen sind. „Ich fand das mit Zahlen besser, darum ist es jetzt wieder so“, sagt er. Die Zeiger stellte dann die Waldheimer Firma Fahrzeug-Bau Walther mit einem Laser-Verfahren her. Leicht mussten die Teile sein, denn das Ersatz-Uhrwerk ist eigentlich zu schwach für solche großen Zeiger. Die Mitarbeiter der Firma Walther bauten die Zeitanzeige-Stäbe darum aus Aluminium, das eine U-förmige Schiene verstärkt. Auch andere regionale Firmen waren am Neubau der Bahnhofsuhr beteiligt: Printpower, ebenfalls aus Waldheim, besorgte die Beschriftung. Die vordere runde Glasscheibe lieferte der Döbelner Glashandwerker Heiko Bartl. Diese Scheibe schützt die Uhr. Das Milchglas für das Zifferblatt kommt aus dem Erzgebirge. „Die Olbernhauer Glashandelsgesellschaft hatte noch so eine Scheibe auf Lager“, sagt Ulf Schneider.

Aufziehen und Stellen sind nicht nötig

Aufziehen und stellen muss er das Großchronometer allerdings nicht, wenn es dann wieder im Waldheimer Bahnhof ticken wird. Das elektrisch angetriebene Uhrwerk bekommt minütlich einen elektrischen Impuls. Dadurch drehen sich die Zeiger weiter – erst der Große und wenn die Stunde voll ist, auch der Kleine. Als Zeitgeber fungiert eine Funkeinheit. Die Waldheimer Bahnhofsuhr wird damit sehr genau gehen. Das elektronische Bauteil ist so programmiert, dass sich die Uhr nach einem Stromausfall von alleine wieder stellt. Auch wenn die Winterzeit zur Sommerzeit und wieder zurück wechselt. Die Uhr „kennt“ das jeweilige Umstellungsdatum und dreht die Zeiger dann von alleine auf die richtige Zeit. Damit ihre Beleuchtung nicht zu viel Strom frisst, lassen sparsame Leuchtdioden (LED) das Zifferblatt des Nachts strahlen.

Von Dirk Wurzel

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