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Döbeln Ausflug ins Crystal-Paradies Tschechien bringt Waldheimer vors Landgericht
Region Döbeln Ausflug ins Crystal-Paradies Tschechien bringt Waldheimer vors Landgericht
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Eine Fahrt ins Methamphetamin-Paradies Tschechien endete für einen Waldheimer in der Zollkontrolle und schließlich im Landgericht Chemnitz. Sein Mitfahrer hatte jede Menge Crystal dabei. Quelle: Andrea Seemann - Fotolia
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Waldheim/Chemnitz

Der eine hat das Auto, aber keine Fahrerlaubnis. Der andere hat eine solche, aber kein Auto. Der mit Auto wohnte zuletzt in Bad Dürrenberg, der mit dem Führerschein lebt in Waldheim. Und von dort aus startete am 1. März 2016 eine Tour ins Methamphetamin-Paradies Tschechische Republik. Die endete am Haltesignal des Zolls und führte zu einem Strafverfahren: Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen, in einem Fall sogar bewaffnet. Als der Zoll den Drogentransport stoppte, fanden die Beamten neben 40 Gramm Crystal und 40 Gramm Marihuana auch einen Schreckschussrevolver und ein Springmesser, die dem Sachsen-Anhaltiner zuzurechnen sind. Die Staatsanwaltschaft legte dem Mann noch sechs weitere Drogentransporte zur Last.

„Ich muss gleich klarstellen, dass der Herr Schmidt (Name geändert) nichts von den Waffen wusste“, sagte der Mittzwanziger, den Pfleger des Landeskrankenhauses Bernburg in Ketten vorführten. Denn dort absolviert er im Maßregelvollzug eine Drogentherapie, die das Amtsgericht Halle angeordnet hatte – zusätzlich zur dreijährigen Haftstrafe für schwere räuberische Erpressung. Der Waldheimer wiederum kannte den Drogendealer aus dem Nachbarbundesland aus einer gemeinsamen Zeit in Bayern, wo beide mal gearbeitet hatten.

Fuhrlohn: Ein Gramm zu 30 Euro

Es sind nicht die üblichen Crystal-Konsumenten mit abgebrochenen Schul- und Lehrausbildungen sowie ellenlangen Vorstrafenregistern, die da vor der 6. Großen Strafkammer des Chemnitzer Landgerichtes saßen. Im Gegenteil. Der Sachsen-Anhaltiner hat seine Lehre zweimal gemacht. Einmal im Osten bis der Betrieb pleite ging und er im Westen nicht im zweiten Lehrjahr einsteigen konnte, weshalb er noch mal ganz von vorne anfangen musste. Der Waldheimer hat eine abgeschlossene Handwerkslehre. Bloß die Jobsuche sei schwierig, weil er sich um jemanden kümmern muss. Dadurch könne er nicht Vollzeit arbeiten, was potenziellen Arbeitgebern nicht gefalle, sagte er. Seitdem ihn der Zoll geschnappt hat, nehme er kein Crystal mehr, sei zuvor eher der Gelegenheitskonsument gewesen. „Mein Mandant hat sofort ein vollumfängliches Geständnis abgelegt, gleich bei der Verhaftung. Eigentlich ist er völlig sinnlos nach Tschechien gefahren. Als Fuhrlohn war im das Gramm Crystal zum Einkaufspreis versprochen worden“, sagte Rechtsanwalt Andreas Gumprich, der den Waldheimer verteidigte. So hatte es sich im Prozess herausgestellt. Und auch die Geschichte mit den Waffen hatte sich relativiert. Der Schreckschussrevolver war nicht geladen und in einem Jutesack verstaut. Gute Gründe also, von minder schweren Fällen auszugehen – sowohl für den Sachsen-Anhaltiner als auch für den Waldheimer. „Sie hatten ein geringes Interesse an der Einfuhr und Sie haben die Tat gestanden. Ihre Prognose sehen wir als positiv an, auch wenn es mit der Arbeit noch nicht geklappt hat“, sagte Richter Kay-Uwe Sander, Vorsitzender der 6. Großen Strafkammer, die den Waldheimer zu anderthalb Jahren Haft mit Bewährung verurteilte. Den anderen verurteilte die Kammer zu vier Jahren und elf Monaten Haft und ordnete an, dessen Unterbringung in der Entziehungsanstalt aufrecht zu halten. Dort macht er gute Fortschritte.

Bei Crystal eher härter

Richter Sander stellte auch klar, weshalb die Kammer mit der Strafe weit unter dem blieb, was die Staatsanwaltschaft für den Sachsen-Anhaltiner gefordert hatte, nämlich siebeneinhalb Jahre Haft. Die Anklagevertreterin hatte zudem die bewaffnete Einfuhr nicht als minder schweren Fall gesehen. „Der Gesetzgeber hatte dabei Drogendealer im Sinn, die ihren Stoff mit der Kalaschnikow verteidigen, als er diesen Straftatbestand schuf“, sagte Richter Sander. Der Dealer hatte wohlgemerkt ein Taschenmesser mit einer herausspringender, 6,5 Zentimeter langen Klinge dabei und einen nicht geladenen Schreckschussrevolver. Außerdem glaubte ihm das Gericht, dass er den Drogenhandel nur betrieben hatte, um die eigene Sucht zu finanzieren. Der Mann hatte zu dieser Zeit 40 Gramm Crystal pro Monat gebraucht. „Die Kammer hat die Tendenz, bei Crystal eher härter als zu milde zu urteilen, besonders wenn Täter damit handeln, um bequem davon leben zu können.“ Es ist laut Kay-Uwe Sander zudem wichtig, bei der Bildung einer Gesamtstrafe auf den Einzelfall zu achten. „Es geht hier um Resozialisierung. Wir haben ganz klar gesehen: Es ist zu vermeiden, dass Sie nach der Maßregel in die Haft zurück müssen.“ Das wäre wahrscheinlich, denn das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin gefolgt wäre.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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