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Döbeln Ausgezockt: Spielhallen in der Region Döbeln sollen schließen
Region Döbeln Ausgezockt: Spielhallen in der Region Döbeln sollen schließen
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Spielhallen in der Region Döbeln sollen schließen – so will es die Landesdirektion Sachsen. Quelle: dpa
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Region Döbeln

Die Stadt Döbeln rechnet für 2018 mit einem Drittel weniger Vergnügungssteuer. Grund: Die Landesdirektion Chemnitz hat zwei Spielhallen geschlossen. Auf die Erträge aus Glückspielen ist diese Steuer nämlich fällig. „Wir haben darauf reagiert und unsere Planansätze korrigiert“, sagt Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) zu der Maßnahme der Landesdirektion.

Schließung mit Ansage

Laut deren stellvertretendem Sprecher Ingolf Ulrich hat die Behörde in Döbeln zwei Spielotheken geschlossen, wovon eine angeblich trotz Verbots weitermacht. Eine Dritte hat eine glücksspielrechtliche Erlaubnis und bleibt außen vor. Die Schließungen haben mit einer fünfjährigen Schonfrist zu tun, die der Glücksspielstaatsvertrag von 2012 vorsah. Seitdem braucht es jene glücksspielrechtliche Erlaubnis, zudem müssen Spielotheken mindestens 250 Meter von Schulen und anderen Spielotheken entfernt sein. Solche ohne Lizenz durften noch bis Ende 2017 weitermachen. Jetzt war Schicht. Auch in Großweitzschen und Leisnig hat die Landesdirektion jeweils eine Spielothek geschlossen. Laut Auskunft der Leisniger Kämmerei hat die Vergnügungssteuer 2016 rund 9570 Euro in die Stadtkasse gespült, im vergangenen Jahr waren es etwa 8470 Euro. Für 2018 rechnet die Kämmerin mit einem runden Viertel davon.

„Monte Carlo“ hat umgesattelt

Geschlossen ist relativ in Döbeln. Zum Beispiel im „Monte Carlo“ am Körnerplatz. „Wir haben umstrukturiert“, sagt Betreiber Sven Bäßler. Zwölf Automaten mit Gewinnmöglichkeit flogen raus, einige wenige gibt es noch in der Gastronomie. „Daddeln“ können die Monte-Carlo-Gäste jetzt fast ausschließlich an Automaten, wo es kein Geld zu gewinnen gibt. Oder sie spielen Billard. Die Glückspielautomaten haben für die Tische mit dem grünen Belag Platz geschaffen. In Anbetracht der hohen Bußgelder – deren Höhe reicht bis zu einer halben Million Euro – hat sich das „Monte Carlo“ dazu entschlossen, dem Bescheid der Landesdirektion Folge zu leisten, sich auf die Gastronomie, Billard, Bowling und Automaten ohne Gewinnmöglichkeit zu verlegen. Dadurch brauchte das „Monte Carlo“ keine Angestellten zu entlassen. Hier hat nur Zutritt, wer klingelt. Seit einem Überfall ist das so – zur Sicherheit. Schüler der benachbarten Körnerplatzschule wären sowieso nicht reingekommen, sagt Sven Bäßler zum Einwand der unmittelbaren Nachbarschaft zur Außenstelle des Gymnasiums.

Polizei hat spezielles Auge auf Spielhallen

Spielhallen ziehen mitunter problematisches Publikum an – nicht nur Spielsüchtige, sondern auch Kriminelle überwiegend aus dem Drogenmilieu. Eine in Döbeln diente einer mittlerweile rechtskräftig verurteilten Crystal-Großhändlerin, um ihre Geschäfte anzubahnen. Davon berichtete die Frau in einem der Prozesse gegen ihre Kunden als Zeugin. Die Polizei bestätigt diese Annahme. „Aus unserer Erfahrung heraus, sind Spielotheken beliebte Treffpunkte, um Betäubungsmittel zu erwerben oder auch zu veräußern. Auch der Konsum ist in derartigen Einrichtungen oder im Nahbereich ein Thema für uns – genau wie die Begleiterscheinungen Beschaffungskriminalität und Rohheitsdelikte. Grundsätzlich werden Spielotheken deshalb in die Streifentätigkeit einbezogen“, sagt Andrzej Rydzik, Sachbearbeiter Öffentlichkeitsarbeit, bei der Polizeidirektion Chemnitz auf Nachfrage der Döbelner Allgemeinen Zeitung.

Spielsucht Thema bei der Beratung der Diakonie

Crystalabhängigkeit geht nach den Worten des Diakonie-Suchtbeauftragten Martin Creutz oft mit Spielsucht einher. Hier verzeichnet er einen Zuwachs bei den Beratungen, wenngleich deren Anzahl von 15 Spielsucht-Fällen im Altkreis Döbeln, die der Diakonie bekannt sind, in keinem Verhältnis zu 250 Alkoholikern steht. Trotzdem: „Das Automatenspiel setzt Dopamin frei, was das Gehirn als Belohnung wertet“, sagt Martin Creutz. Dazu muss der Spieler nicht mal gewinnen. Und dieser Belohnungsmechanismus kann zu einem Suchtverhalten führen.

Kommentar: Zockerei richtig regulieren

Beim Thema Glücksspiel zeigt sich in Sachsen eine Doppelmoral: Auf der einen Seite verdient der Staat gut mit seinen Automaten-Spielbanken in den Großstädten Chemnitz, Leipzig und Dresden – schicken Glaspalästen, für die ein eigener Internetauftritt wirbt. Auf der anderen Seite macht die Landesdirektion in der Region Döbeln Spielhallen dicht, deren Automaten bisher den Städten und Gemeinden Einnahmen aus der Vergnügungsteuer gebracht haben. Der Freistaat darf am Glücksspiel verdienen – seine Kommunen eher nicht.

Die Argumente gegen private Spielotheken sind alle nicht von der Hand zu weisen: Spielsucht, Treffpunkt für Kriminelle, Jugendschutz. Darum ist es richtig, das zu regulieren. Aber dann doch bitte nach einheitlichen Regeln, am besten bundesweit. Denn bisher ist Glückspiel weitgehend Ländersache. Statt der Staatsverträge mit Laufzeiten braucht es ein Glücksspielgesetz als Rechtsnorm des Bundes, so wie die Strafgesetze und das bürgerlichen Recht für das ganze Bundesgebiet gelten.

Automatenspiele ganz zu verbieten, hat aber auch keinen Sinn. Dann wandert die Zockerklientel komplett ins Internet ab, wo sich das Glücksspiel viel schwieriger kontrollieren und regulieren lässt, als in der dinglichen Welt. Dirk Wurzel

Von Dirk Wurzel

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