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Ausnahmezustand an der Grundschule Am Holländer

In Döbeln-Nord: Ausnahmezustand an der Grundschule Am Holländer

Durch krankheitsbedingte Ausfälle, tageweise studierende Seiteneinsteiger und weitere Engpässe gab es in dieser Woche nur vier Stunden Notunterricht. Vom 16-köpfigen Lehrerkollegium waren noch sieben Lehrer am Start. Die ersten beiden Stunden war Unterricht. Die dritte und vierte Stunde wurden zusammengelegte Klassen im Speiseraum betreut und beschäftigt.

Schön neu aber personell im Ausnahmezustand: Die Grundschule Am Holländer in Döbeln-Nord.


Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Ausnahmezustand herrschte in dieser Woche an der Grundschule Am Holländer in Döbeln-Nord. Vom 16-köpfigen Lehrerkollegium waren noch sieben Lehrer am Start. Die ersten beiden Stunden wurde mit Mühe fachgerechter Unterricht angeboten. Die dritte und vierte Stunde wurden zusammengelegte Klassen im Speiseraum betreut und beschäftigt. Nach der vierten Stunde um 11.10 Uhr war Unterrichtsschluss.

„Das ist in den letzten Wochen seit dem Ende der Winterferien wieder Gang und Gäbe. Auch im Januar und Dezember gab es einen so dünnen Personalstand, dass Klassen zusammengelegt wurden und täglich nach der vierten Stunde Unterrichtsschluss war. Von Normalität sind wir weit entfernt“, berichten Elternsprecher der Schule der DAZ.

Schulleiterin Elvira Flaschin bestätigt dies. „Die verbliebenen Kollegen arbeiten am Limit und sichern so gut es geht den Unterricht und vor allem die Betreuung der Kinder ab“, sagt sie.

Krankheitsbedingte Ausfälle, dazu tageweise berufsbegleitende Studiengänge der als Seiteneinsteiger angestellten Kollegen und die Abordnung der Schulleiterin, die mehrere Tage pro Woche in Chemnitz künftige Grundschullehrer ausbildet, sorgten in den vergangenen Wochen seit den Winterferien, aber auch schon im Januar und im Dezember immer wieder für Chaos.

„Es ist gerade eine schwierige Situation, weil so viele Kollegen krankheitsbedingt ausfallen. Manche fallen dann länger aus, andere Krankmeldungen kamen kurzfristig hinzu. Wir können nur vom einen auf den anderen Tag planen und müssen jeden Morgen neu reagieren“, sagt Elvira Flaschin. Man versuche den Ausfall möglichst in Grenzen zu halten. Aber die Belastung der Kollegen ist hoch.

Aktuell sind zudem drei Lehrerkollegen mit den Überprüfungen von Kindern auf Lese-Rechtschreib-Schwäche beschäftigt. An der Schule sind zwei LRS-Klassen angesiedelt. Während gerade, wie jedes Jahr im März, die künftigen Schüler auf LRS überprüft werden, befinden sich die Kinder der älteren der beiden Klassen an ihren Heimatschulen, wo sie später weiterlernen. Die zweite LRS-Klasse ist auf die vorhandenen zweiten Klassen aufgeteilt.

Über die Woche müssen Lehrer, Schüler und Eltern der Grundschule Am Hollände noch kommen. „Es wird besser. Ab Montag gibt es eine Gesundmeldung und die drei mit den LRS-Überprüfungen befassten Kollegen kehren zum normalen Unterricht zurück. Auch kommt nächste Woche ein weitere Kollegin wieder. Zwei bleiben bis Ende März krank geschrieben. „Für Erkrankungen kann keiner was. Mein Dank geht an alle Kollegen, welche die Situation meistern, an die Horterzieher, die unsere Kinder nach der vierten Stunde übernehmen und an die Eltern für ihr Verständnis“, so Schulleiterin Elvira Flaschin.

Kommentar: Sparwut rächt sich jetzt

Noro-Viren, Grippe-Welle, Knochenbrüche und andere Erkrankungen – all das macht vor einer Grundschule nicht halt. Da können die Lehrerreihen durch Krankheitsausfälle schon mal gelichtet sein. Doch wenn dieser Zustand an der Grundschule Am Holländer in Döbeln-Nord, der zweitgrößten Grundschule der Stadt, nun schon fast ein Vierteljahr andauert, dann schimpfen die Eltern zurecht. Die verbliebenen Lehrer, Seiteneinsteiger im Lehrerberuf und Referendare, die das Unterrichten eigentlich noch lernen, geben wahrscheinlich gerade ihr Möglichstes. Doch streckenweise gelingt gerade nicht viel mehr als Mangel zu verwalten und mit den Kindern einigermaßen durch den Schultag zu kommen. Und das an einer Grundschule, die durch ihre zusätzlichen Klassen für Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche aus dem ganzen Kreis eine besondere Funktion und einen guten Ruf zu verteidigen hat.

Viele Versäumnisse und die Sparwut in der sächsischen Schulpolitik im letzten Jahrzehnt rächen sich jetzt und fallen Eltern und Pädagogen auf die Füße. Ältere Lehrer gehen in Rente, Grundschullehrernachwuchs fehlt. Seiteneinsteiger sollen trotz geringer methodischer Kenntnisse schnell die Lücke füllen. Dazu zieht die Bildungsagentur zu allem Ärger auch noch Lehrer und Schulleiter aus der Praxis als Referenten ab, um den Mangel besser zu verwalten und um richtigerweise künftige Lehrer von den Leuten aus der Praxis ausbilden zu lassen. Das alles in der Hoffnung, dass dies in einigen Jahren Früchte trägt. Eltern, Kinder und Lehrer gucken dabei gerade in die Röhre. Und das, wo in der Grundschule so viele wichtige Grundlagen fürs Lernen gelegt werden müssen. Das ist traurig.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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