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Autoknackerei in Geringswalde wird zum Gerichtsfall

Justiz Autoknackerei in Geringswalde wird zum Gerichtsfall

Bei einem Einbruch in den Transporter eines Postzustellers in Geringswalde sollen ein Deutscher und ein Türke den Schlüssel für Briefkästen erbeutet haben, meint die Staatsanwaltschaft Chemnitz. Die Folge sei eine Serie von Briefkastenleerungen der kriminellen Art gewesen.

Ein Deutscher und ein Türke sollen Briefkästen geleert, diese mit gestohlenem Schlüssel geöffnet haben.

Quelle: picture alliance / dpa

Geringswalde/Region Waldheim. Ein Einbruch in das Auto eines Postzustellers in Geringswalde führte zu weiteren Diebstählen in der Gegend. Da leerten dann welche Briefkästen, die das gar nicht durften und die keine hehren Absichten mit dem Inhalt der Briefkästen hatten. Denn die Diebe fanden in dem Transporter des Subunternehmers der Deutschen Post nämlich dessen Tourenplan und Schlüssel für Briefkästen. So kamen jede Menge Postsendungen weg, darunter drei Verrechnungsschecks über fast 80 000  Euro. Einem Mann aus Mittweida kamen CD´ und Comichefte abhanden, die er über Ebay verkauft hatte und sie zu den Käufern schicken wollte. Der Einbruch in das Auto eines anderen Briefzustellers in Kriebstein mutet angesichts der Beute da schon fast wie Kinderkram an: Einen Euro Bargeld und eine Schere aus dem Verbandskasten nahmen die Diebe mit.

Diskrepanzen im Aussageverhalten

Ein 38-Jähriger Deutscher und ein gleichalter Türke galten der Staatsanwaltschaft bis zum Ende des Prozesses im Amtsgericht Chemnitz am Mittwoch als Täter dieser Diebereien. Weil sie auch noch versucht haben sollen, die Verrechnungsschecks einzulösen und diese auf den Namen des Türken umgeschrieben haben sollen, lautete die Anklage auch auf versuchten Betrug und Urkundenfälschung. Die Taten spielten sich alle im Jahr 2013 ab. Entsprechend mager waren die Erinnerungen einiger Zeugen nach dieser langen Zeit. Es ging darum, ob sie den Deutschen bei einem verlassenen Haus in einem Geringswalder Ortsteil gesehen haben. Dieses Anwesen galt als Lager des Diebesgutes. Ein Zeuge beschrieb, wie er Taschenlampen in dem Haus und zeitweise das Auto des Angeklagten davor gesehen habe. Konnte sich aber nicht mehr daran erinnern, was für einen Fahrzeugtyp der Mann fuhr. Offenbar gibt oder gab es eine Bedrohungslage, denn der Zeuge gab seine Adresse vor Gericht nicht an, sondern verwies auf die Ladung. Erst auf Nachfrage bestätigte er, das Auto des Deutschen regelmäßig vor dem mutmaßlichen Beutebunker gesehen zu haben. Bei einem weiteren Zeugen waren die Diskrepanzen in den Aussagen bei der Polizei und vor Gericht noch größer, sie widersprachen sich sogar. Bei der Polizei gab er noch an, den Angeklagten und sein Auto am Haus gesehen zu haben, vor Gericht sagte er, nur das Auto des Angeklagten gesehen zu haben. „Ihn persönlich habe ich nicht gesehen“, sagte der 31-Jährige, der den Angeklagten und dessen Familie kennt. „Das erweckt hier den Eindruck, als ob sie ihn decken wollen“, gab Richter Marin Ueberle zu bedenken. Der Präsident des Amtsgerichtes Chemnitz führte in diesem Verfahren den Vorsitz des Schöffengerichtes. Dort hatte die Staatsanwaltschaft die Sache angeklagt, weil sie mit einer Straferwartung von mindestens zwei Jahren angetreten war. Der Zeuge blieb bei seiner Aussage, nur das Auto des Angeklagten gesehen zu haben.

In Ketten nach Döbeln, als freier Mann nach Chemnitz

Fünf Stunden Hauptverhandlung mit großer Beweisaufnahme – angesichts des Aufwandes blieb das Ergebnis mager. Auf Anregung der Staatsanwältin stellte das Gericht das Verfahren gegen beide Angeklagte ein. Sie bringen nämlich schon Strafen mit. Und im Hinblick darauf wäre nicht beträchtlich ins Gewicht gefallen, was da gestern an Strafen herausgekommen wäre. Prozessökonomie nennen Juristen das. Die Angeklagten hatten zur Anklage geschwiegen.

Den Türken hatte das Amtsgericht Chemnitz wegen unterschiedlicher Delikte zu drei Monaten Haft und zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt, den Deutschen 2014 das Schöffengericht des Amtsgerichtes Döbeln wegen einer Diebestour durch den halben Landkreis Mittelsachsen zu mehreren Gesamtstrafen – in Summe vier Jahre und einen Monat Haft. Die verbüßt der 38-Jährige gerade, hat aber Haftlockerung. So kam er als freier Mann nach Chemnitz. Zum Prozess in Döbeln brachten ihn Justizwachtmeister aus der JVA Zwickau in Ketten.

Von Dirk Wurzel

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