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Döbeln Autoliv-Werk schließt: "Ein schwerer Schlag für Döbeln"
Region Döbeln Autoliv-Werk schließt: "Ein schwerer Schlag für Döbeln"
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23:00 21.08.2013
Elektrofahrzeuge statt Fließband: Bei Autoliv wird nach dem straffen Toyota-Produktionsmanagement gearbeitet und Top-Qualität geliefert. Noch letzte Woche wurden Politiker durch die Produktion geführt. Quelle: Wolfgang Sens

Die Spätschicht muss abgesagt werden.

In kleinen Grüppchen stehen hier und da noch Mitarbeiter auf dem Parkplatz und am Werktor. Sie können es kaum fassen. Trotz vieler Anzeichen, wie auslaufender Produkte ohne Nachfolgeproduktion oder Produktverlagerungen, hatten die meisten Mitarbeiter gehofft. Etwa, als vergangene Woche noch der FDP-Fraktionsgeschäftsführer im Sächsischen Landtag, Torsten Herbst, durch die Hallen geführt und ihm das Bild eines Vorzeigeunternehmens präsentiert wurde. Doch da stand wahrscheinlich längst fest, was die Konzernzentrale in Stockholm erst gestern verkünden wollte.

"Die Luft ist raus. An konzentriertes Arbeiten ist heute nicht mehr zu denken", sagt eine Mitarbeiterin auf dem Unternehmensparkplatz. "Nach dem Schock diskutieren die Kollegen miteinander und alle machen sich Gedanken, wie es nun weitergeht", ergänzt eine weitere Frau. Beide wollen anonym bleiben. Heute werden sie wie alle ihrer Kollegen wieder an den Produktionslinien stehen.

14.30 Uhr war Werkleiterin Silvia Tagge vor die versammelte Belegschaft getreten, um die Nachricht von der kompletten Schließung des Werkes zu verkünden. Mit Jens Eisfeld, Geschäftsführer der Autoliv Sicherheits GmbH, und Ingwert Ingwertsen, Autoliv-Personaldirektor für Europa, waren auch zwei Konzernvertreter mit zur Versammlung gekommen. Nach der Hiobs-Botschaft stellte die sichtbar mitgenommene Werkleiterin den Beschäftigten frei, die Arbeiten für diesen Tag einzustellen. "Ich verstehe die Mitarbeiter und weiß, dass ein Weiterproduzieren nach so einer Nachricht einfach undenkbar ist", sagt Silvia Tagge. Die Werkleiterin hatte bereits am Vormittag persönlich Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) und Vizelandrat Manfred Graetz in ihren Büros aufgesucht, um die schlechte Nachricht zu überbringen. Ebenso setzte sie den Arbeitgeberverband in Chemnitz und die Arbeitsagentur in Döbeln von der anstehenden Werksschließung in Kenntnis. Oberbürgermeister Hans Joachim Egerer äußerte sich tief traurig, dass an dem traditionsreichen Standort jetzt die Lichter ausgehen. "Nach den Standortschließungen von Clariant und Reco-Mieder ist das der nächste und vor allem mit 250 betroffenen Mitarbeitern ein schwerer Schlag für Döbeln", so Egerer.

"Die Mitarbeiter müssen die Nachricht erst einmal verdauen. Sobald sich alles ein wenig gesetzt hat, wollen wir mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan verhandeln. Auch eine Transfergesellschaft können wir uns zur zeitlichen Abfederung vorstellen", kündigte Personaldirektor Ingwertsen an. Er verspricht zudem, dass Autoliv nach Auslaufen des Werkes im nächsten Jahr keine Ruinen in Döbeln hinterlassen werde. Man werde sich um Käufer und eine sinnvolle Nachnutzung der Werkhallen und vor allem des sanierten und denkmalgeschützten Kuppelbaus auf dem Gelände bemühen.

Werkleiterin Silvia Tagge wird heute nochmals persönlich mit den Geschäftspartnern in Döbeln sprechen. So ist Autoliv ein wichtiger Kunde der Döbelner Stadtwerke, ist die Elektrikerfirma Hummitzsch regelmäßig im Werk tätig und fährt die Spedition Waldau nicht nur mit Autoliv auf den Lkw planen, sondern kümmert sich auch um Leergut und Verpackungslogistik für Autoliv Döbeln.

Thomas Sparrer

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