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Bahnstrecke Döbeln-Dresden: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nächste Elefantenrunde Bahnstrecke Döbeln-Dresden: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Für Ende März ist die nächste Runde zur Bahnstrecke RB 110 von Leipzig über Grimma nach Döbeln geplant. Die soll so kurz oder lang wieder bis Dresden fahren. Dieses Ziel haben sowohl Kommunal- als auch Landespolitiker herausgegeben.

Eisenbahn-Nostalgie: Am 24.Februar ließen Nossener Eisenbahnfreunde auf einer Sonderfahrt mal wieder einen Zug am totgelegten Bahnhof Döbeln-Zentrum vorbeifahren.
 

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln.  Die Bahnstrecke RB 110 von Leipzig über Grimma nach Döbeln soll über kurz oder lang wieder bis Dresden fahren. Dieses Ziel haben die beiden Döbelner Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser (CDU) und Henning Homann (SPD) sowie der Freiberger CDU-Landtagsabgeordneten Steve Ittershagen ausgegeben. Ende Januar hatte das Trio den Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) im Döbelner Rathaus ins Gebet genommen und zumindest Absichtserklärungen erreicht. Ende März ist die nächste Runde geplant.

„Diesmal laden wir wieder alle Beteiligten vom Januar ein. Zusätzlich sollen auch der Geschäftsführer der Nossen-Riesaer Eisenbahn Company, Eckart Sauter und der Nossener Bürgermeister mit am Tisch sitzen“, sagt der Döbelner CDU-Landtagsabgeordnete Sven Liebhauser.

Ergebnis der ersten Runde vom Januar: Der Geschäftsführer des VMS, Harald Neuhaus und sein Prokurist hatten sich für eine Wiederinbetriebnahme der Strecke offen gezeigt und erklärten sich bereit, Varianten einer Wiederbelebung der Bahnstrecke von Döbeln bis nach Dresden zu prüfen und die Zahlen durchzurechnen. „Für den Streckenabschnitt Döbeln–Meißen finden derzeit Betrachtungen statt, ob überhaupt und unter welchen Bedingungen und zu welchen Kosten zumindest ein Testbetrieb aufgenommen werden kann. Es sind grundsätzlich sowohl infrastrukturelle Investitionen als auch finanzielle Zuschüsse für den laufenden Betrieb notwendig.

Für den Betrieb der Strecke wird gerade eine Kostenschätzung erarbeitet. Wegen der Infrastruktur hat der VMS bereits den Kontakt zum Infrastrukturbetreiber, der Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie GmbH (NRE), aufgenommen“, so Jeanette Kiesinger, Pressesprecherin des VMS in Chemnitz. Für eine Zugverbindung von Leipzig über Döbeln und Meißen bis Dresden muss aber auch noch der Nachbarzweckverband, der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), mit ins Boot.

Mit Bus und Bahn nach Dresden

Anstelle der stillgelegten Bahnstrecke Döbeln-Roßwein-Nossen-Meißen bis Dresden nutzten in den ersten zwölf Monaten seit der Bahnstilllegung Ende 2015 über 500 000 Fahrgäste die fünf verstärkten oder neu eingeführten Buslinien der VVO. Wurde die Bahnstrecke zuletzt von 70 000 Fahrgästen genutzt, stiegen die Nutzerzahlen in den Bussen um 115 500 oder rund 29 Prozent.

Wer allerdings von Döbeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Dresden will, braucht viel Zeit. Wer etwa nach Dresden zur Arbeit oder zur Ausbildung pendeln möchte, könnte etwa um 6.20 Uhr am Hauptbahnhof in den Bus der Linie 750 nach Freiberg einsteigen. In Nossen am Markt käme der Bus um 7.01 Uhr an. 7.03 Uhr ginge es mit dem Bus der VVO-Linie 424 weiter nach Dresden. Ankunft am Hauptbahnhof Dresden 7.57 Uhr. Fahrzeit: 1:47 Stunde. Wer um 7 Uhr oder 7.30 Uhr Arbeit oder Unterrichtsbeginn hätte, müsste die selben Busse nutzen, allerdings schon 5.12 Uhr am Döbelner Hauptbahnhof einsteigen, um 6.47 Uhr in Dresden zu sein. Alternativ bliebe die Zugfahrt mit der RB 45 um 5.45 Uhr von Döbeln nach Riesa. Nach einer knappen halben Stunde Wartezeit ginge es von dort mit dem Zug EC 259 weiter. Ankunft 7:06 Uhr in Dresden.

Der Geschäftsführer des VVO, Burkhard Ehlen, setzt sich gerade ganz massiv für etwa 7,5 Millionen Euro Investitionen zur weiteren Steigerung der Attraktivität der Bahnstrecke Königsbrück–Dresden über Ottendorf-Okrilla ein. Etwa 350 Leute steigen täglich in Königsbrück in den Zug nach Dresden. Der gleiche Burkhard Ehlen senkte vor wenigen Jahren in Abstimmung mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen den Daumen über die Bahnstrecke von Döbeln über Roßwein und Meißen nach Dresden.

Wird beim Bahnverkehr in Sachsen etwa mit zweierlei Maß gemessen und sind die Döbelner und Roßweiner etwa für die in Chemnitz und Dresden sitzenden Verkehrsverbünde weniger wichtig als die Königsbrücker? Was für die Züge zwischen Dresden und Königsbrück gilt, müsste doch auch für die wieder zu belebende Bahnstrecke zwischen Meißen, Nossen sowie Roßwein und Döbeln gelten. Zumal die Ingenieure der Technischen Universität Dresden für diese Strecke bei einer entsprechenden Verkehrsverdichtung das Potenzial von 1000 Fahrgästen pro Tag errechnet haben.

Christian Schlemper, Pressesprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe, reagiert auf diese Fragen und verweist darauf, dass die vorhandenen Mittel in seinem Zweckverband für Projekte verwendet werden, die bereits in Planung sind und möglichst vielen Reisenden zugutekommen. Zu den Perspektiven des Eisenbahnverkehrs zwischen Meißen, Nossen und Döbeln verweist er auf umfangreiche Studien, die vor der Einstellung der Strecke erarbeitet wurden. Darin heißt es: „Die Regionalbahn RB 110 zwischen Meißen, Nossen und Döbeln war seit vielen Jahren schlecht ausgelastet.“ Seitdem der Ver­kehrs­­­ver­bund Mittel­sach­sen (VMS) 2011 weitere Fahrten auf seinem Gebiet abbestellt hatte, wurde es noch schlimmer.

Ab 2011 nutzten die Strecke nur 200 bis 300 Reisende pro Tag, das entsprach rund 13 Fahrgästen pro Zug. Ende 2015 rollten die letzten Personenzüge auf der Strecke. Der VVO sparte sich so 1,5 Millionen Euro Zuschuss und baute die Busverbindungen auch zwischen Meißen, Lommatzsch und Döbeln aus. Für den Busverkehr, der auch viel mehr kleine Dörfer erreicht, brachte das einen deutlichen Fahrgästezuwachs.

Kommentar: Döbeln im falschen Verkehrsverbund

Der Altkreis Döbeln liegt einfach im falschen Verkehrsverbund. Zwischen dem Dresdner Hauptbahnhof und Meißen fahren ab 3. April montags bis freitags in den Hauptverkehrszeiten vier Züge je Richtung und Stunde. Die Meißner kommen somit im Viertelstundentakt zur Arbeit und Ausbildung oder einfach nur so in die Landeshauptstadt. Für den Preis, der dafür zu zahlen ist, kommt man als Döbelner nicht mal mit dem Zug nach Klosterbuch zum Bauernmarkt.

Es ist ein Fakt, dass die Bahnstrecke Döbeln-Nossen-Meißen bis Dresden zuletzt nur 70 000 Fahrgäste im Jahr hatte. Allerdings auch ein hausgemachter. Wer den Takt ausdünnt, vergrault die Fahrgäste. Genauso ist es ein Fakt, dass der jetzt anstelle der Bahnlinie eingerichtete Busverkehr, dem Verkehrsverbund Oberelbe vor allem im Nachbarkreis Meißen, deutliche Fahrgastzuwächse beschert. Denn der Bus erreicht viele kleine Dörfer und verbindet die älteren Einwohner nicht nur mit Dresden sondern vor allem mit dem Doktor in der nächstgrößeren Stadt. Ein Argument gegen die Wiederbelebung der Bahnlinie von Döbeln über Meißen nach Dresden ist das nicht. Denn knapp zwei Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Döbeln bis Dresden sind kein Argument. Eine direkte Verbindung, die Pendler auf die Schiene bringt, dürfte bis Dresden nicht länger als 45 Minuten dauern und müsste stündlich bedient werden. Die Geldhüter der Verkehrsverbünde schütteln da den Kopf. Aber haben denn 75 000 Menschen in der Region Döbeln nicht genau so viel Bahnanschluss verdient, wie die Menschen in Meißen oder im Raum Chemnitz, wo der VMS den Großteil seines Geldes ausgibt?

Von Thomas Sparrer

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