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Döbeln Bahnstreik: Mit dem Oldtimerbus nach Leipzig tuckern
Region Döbeln Bahnstreik: Mit dem Oldtimerbus nach Leipzig tuckern
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00:33 23.05.2015
Dieser ehemalige Schweizer Postbus fährt während des Lokführerstreiks zweimal am Tag ab Döbeln Hauptbahnhof in die Messestadt. Quelle: Sven Bartsch
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Doch mit Nostalgie-Touren verdient der Fahrer Uwe Dahl gerade nicht seine Brötchen - vielmehr mit Schienenersatz wegen des aktuellen Lokführerstreiks.

Die Deutsche Bahn hat den Bus samt Chauffeur von der Firma Leipziger Oldtimer Fahrten gebucht, um den Personenverkehr zwischen Messestadt und Döbeln aufrecht zu erhalten. So richtig zu wissen schien das bis gestern Mittag allerdings niemand, außer Dahl selbst: "Heute früh bin ich ganz leer nach Döbeln gefahren", sagt der Busfahrer. Und als 10.30 Uhr die Fuhre zurück nach Leipzig ging, stiegen gerademal zwei Leute ein. Die Lautsprecherdurchsage am Bahnsteig kündigte zwar kurz vorher an, dass der Zug ausfällt. Dass aber wenige Meter entfernt gleich ein Bus abfährt, blieb geheim.

"Wenn keiner was davon weiß, fährt auch keiner mit", sagt Petra Johne vom Fahrkartenservice im Döbelner Hauptbahnhof. Sie darf den Frust der Leute, der nicht ausbleibt, ausbaden. Allein am Tag vor dem Streik musste sie rund 30 bereits gekaufte Fahrkarten von Bahnkunden wieder zurücknehmen. Jetzt schaut Johne stündlich ins Internet, um den Reisenden Alternativen anzubieten. So oft aktualisiere die Bahn die Angebote.

Diese sind, beispielsweise zwischen Döbeln und Leipzig, durchaus vorhanden. Züge fahren heute und morgen 7.24 Uhr, 12.24 Uhr, 16.24 Uhr und 19.24 Uhr in Döbeln ab und um 6.08 Uhr, 10.08 Uhr, 15.08 Uhr und 18.08 Uhr von Leipzig zurück. Nach Chemnitz ist ein Schienenersatz-Verkehr eingerichtet. Vormittags fahren 8.33 und 10.33 Uhr Busse in Döbeln los. Wie es am Pfingstwochenende mit den Verbindungen aussieht, kann Johne noch nicht sagen. Zumindest Busfahrer Uwe Dahl weiß, dass er mit seinem Oldtimer bis einschließlich Pfingstmontag nach Leipzig fährt - immer 10.30 und 18.30 Uhr ab Döbeln. Zwei Stunden braucht er für die Fahrt, weil er alle Bahnhöfe auf der Strecke ansteuern muss.

Auf Claus Weselsky und seine Splittergewerkschaft GdL sollte man Petra Johne nicht ansprechen. "Die tragen ihren Konflikt auf dem Rücken der Reisenden aus", sagt die Fahrkartenfrau. Und nicht nur auf dem Rücken der Reisenden. Auch ihr Geschäft macht Minus, wenn die Züge nicht fahren. Denn anders als die Lokführer, die während des Ausstandes Streikgeld bekommen, verdient Petra Johne als Selbstständige weniger. Bei dem Streik gehe es nach ihren Worten nicht nur um mehr Geld für die Lokführer, sondern die Weselsky-Gewerkschaft schaffe sich damit auch eine Existenzberechtigung im Vergleich zur größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Auch der Leisniger Andreas Klaus empfindet den Streik als Machtspiel. Der 18-Jährige fährt regelmäßig mit der Bahn nach Döbeln zur Berufsschule. Wegen der Zugausfälle zieht er nun Konsequenzen: "Wenn mein neues Auto da ist, fahre ich gar nicht mehr Zug." Sein Mitschüler Christoph hingegen hat keine Alternative - ein Auto besitzt er nicht. "Bis jetzt hatte ich zwar Glück, war noch nicht betroffen", so der Azubi. "Ich wüsste gar nicht, wie ich da nach Döbeln kommen sollte."

Übrigens müssen sich alle Bahnfahrer Richtung Chemnitz auch nach dem Streik- ende auf Behinderungen einstellen. Wegen eines Brückenbaus bei Mittweida gibt es ab 31. Mai bis Oktober ebenfalls Schienenersatz auf dieser Strecke.

Büchel, Olaf

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