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Bald Bio-Getreide aus dem Obstland

Mehr Bio Bald Bio-Getreide aus dem Obstland

Die Obstland Dürrweitzschen AG nimmt Kurs auf ihre neue Strategie: Mehr Bio-Erzeugnisse aus sächsischen Landen sollen auch jenseits deutscher Grenzen auf den Tisch. Die landwirtschaftliche Nutzfläche soll verdoppelt werden. Damit kann künftig neben Beeren-, Stein- und Kernobst auch Bio-Getreide vermarktet werden. Verbraucher haben mit Bio manchmal auch ein Problem.

Obstland produziert Äpfel der Sorte Topas als Bio-Obst. Die Bio-Landwirtschaftsfläche soll nun um 300 Hektar etwa verdoppelt werden. Unter anderem kommt Bio-Getreide dazu.

Quelle: Kathrin Schädlich

Leisnig/Dürrweitzschen. Die Obstland Dürrweitzschen AG will in Kürze die Anbauflächen verdoppeln, auf denen Bio-Produkte erzeugt werden. Bisher bewirtschaftet das Obstland-Unternehmen Bio-Obst GmbH rund 313 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Anfangs waren es allein Mostapfel-Plantagen, die auf Bio-Anbau umgestellt wurden. Mittlerweile gehören auch marktfähige Tafeläpfel, verschiedene Strauchbeeren und Haselnüsse zum Anbauspektrum.

Das Bio-Rad in der Obstland-Gruppe dreht sich weiter. So werden zum 1. Juli weitere zirka 300 Hektar Ackerland auf „Bio“ umgestellt, in Leisnig, aber auch rund um Zschockau, Minkwitz und Zävertitz. Angebaut werden erstmals Bio-Winter- und Sommergetreide sowie Bio-Mais und Bio-Sonnenblumen. Bis eine Ackerfläche so umgestellt ist, dass darauf Bio-Pflanzen wachsen dürfen, vergehen zwei Jahre.

Was alles geht im Bio-Anbau

Was das für den Produzenten bedeutet, erläutert Jan Kalbitz, Geschäftsführer der Bio Obst GmbH und zukünftiger Vorstand der Obstland AG: „Eine Durchführungsverordnung der Europäischen Union betrifft eine ganze Bandbreite an Parametern von der Pflanzenpflege über die Düngung, Nährstoffversorgung und vieles mehr. Die Verordnung regelt auf diese Weise jeglichen Input, den die Pflanze bis zur Ernte bekommt.“ Vorgeschrieben sei, was alles zur Anwendung kommen darf für eine Art der Landbestellung, deren Endprodukte bei der Vermarktung die Buchstaben B, I und O tragen dürfen. Eine Positivliste gibt unter anderem vor, was den Tieren gefüttert werden darf, deren Mist später als Dünger auf den Plantagen und Feldern landet. Gedüngt werde unter anderem auch mit Schafwollpellets oder Rizinusschrot.

Einen Grund, warum Bio-Erzeugnisse in der Herstellung aufwendiger sind, erläutert Kalbitz so: „Wer auf diverse Herbizide großenteils verzichtet, hat dann das Unkraut auf den Plantagen und Feldern stehen.“ Es trete mit den angebauten Pflanzen in Konkurrenz um Nährstoffe und Wasser im Boden. Um das Unkraut und auch Schädlinge in Schach zu halten, müsse gehackt oder der Mehltau eben weggeschnitten werden.

Mehr Arbeit per Hand nötig

Der Anteil an der Handarbeit steigt, die Mitarbeiter müssen bezahlt werden. Und der einer oder andere unkontrollierte Schädling hinterlasse eben doch seine Spuren in Form kleiner Dellen oder Buckel auf der Schale eines Apfels. „Der ist dann genau so gut und schmackhaft und gesund wie ein Apfel ohne diese kleinen Schönheitsfehler. Im Lebensmitteleinzelhandel nimmt uns den aber niemand ab. Auch wenn die Konsumenten auf Bio Wert legen, kaufen doch viele nach der Optik.“

Als Abnehmer fungieren der Bio-Fachhandel beziehungsweise Ketten wie Rewe, Edeka oder Naturkost. Weil die Bio-Anbaufläche größer wird, verstärkt das Unternehmen derzeit die Akquise, um noch mehr Obstland-Erzeugnisse im Lebensmitteleinzelhandel unterbringen zu können. Zudem wird die Schiene der Direktvermarktung ausgebaut. Diese hat den absoluten Vorteil, dass das Personal in den unternehmenseigenen Hofläden erklären kann, warum ein Bio-Apfel auch dann ein guter Bio-Apfel ist, wenn seine Schale irgendwo einen kleinen Buckel hat.

Absatzmarkt jenseits deutscher Grenzen

Zuletzt hatten sich Vorstand und Mitarbeiter der Obstland Dürrweitzschen AG sowie die Geschäftsführer und weitere Mitarbeiter aller Tochtergesellschaften zu einem „Bio-Vormittag im Obstland“ getroffen. Vor dem scharfen Start in Sachen Bio am 1. Juli wurde über die Bio-Obst GmbH gesprochen, ihre aktuelle Arbeitsweise, Zukunftspläne und Visionen. In diesem Tochterunternehmen der Obstland Dürrweitzschen AG liegt der Produktionsschwerpunkt schon immer auf der biologische Landwirtschaft. Aus dem Obstland kommen sowohl Beeren- als auch Kern- und Steinobst in Bio-Qualität. Wolfgang Scheefe, verantwortlich für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, sagt dazu: „Vor allem jenseits deutscher Grenzen ist Bio-Obst ein gefragtes Produkt. Ziel muss also sein, dort Kunden zu gewinnen.“

In der Umstellung weiterer landwirtschaftlicher Nutzflächen auf Bio sieht Obstland-Vorstand Gerd Kalbitz eine weitere gute Möglichkeit, der wachsenden Verbrauchernachfrage nach Bio-Frischobst- und Bio-Fruchtsäften gerecht zu werden. Zudem handele die Obstland-Gruppe im Ganzen nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit. Als primär landwirtschaftlich orientiertes Unternehmen ist sie in besonderer Weise mit ihren natürlichen Ressourcen und ihrer Umwelt verbunden und trägt aktiv zu ihrem Schutz bei.

Jüngst erfolgreich zertifiziert

Der zur Verfügung stehende Boden – von Landverpächtern überwiegend langjährig gepachtet oder im Eigentum der Gesellschaft – ist nach den Worten von Gerd Kalbitz das wichtigste Produktionsmittel des Unternehmens. Ihn gelte es zu schonen und zu schützen. Seinen konkreten Niederschlag finde das nachhaltige Umweltengagement und -management der Unternehmensgruppe in der jüngst erfolgreich absolvierten EMAS-Zertifizierung – die dazu gehörige Urkunde will der sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt der Unternehmensführung im August persönlich überreichen.

Christoph Müller, neuer Geschäftsführer der Bio-Obst GmbH, und Jan Kalbitz, noch Geschäftsführer der Bio Obst GmbH und zukünftiger Vorstand der Obstland AG, informierten zum „Bio-Vormittag im Obstland“ über die Historie des Bio-Landbaus, über Anbau- und Umstellungsverfahren, über die gesetzliche Grundlagen und die zunehmenden bürokratischen Hindernisse sowie über das Pflanzenschutzkonzept im Öko-Obstbau und über die Bio-Anbauverbände, kurzum - über den Bio-Anbau in der täglichen Praxis in Deutschland. Als Gastredner war Oliver Leipacher vom Auenhof Niederlützschera vor Ort, der zugleich Bioland Regionalgruppensprecher für Sachsen ist. Bio, darin waren sich alle drei überzeugten Biobauern einig, ist ein Generationenthema und kein Phänomen der Postmoderne.

Von Steffi Robak

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