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Döbeln Behinderten in Ostrau ausgeraubt: Urteil jetzt rechtskräftig
Region Döbeln Behinderten in Ostrau ausgeraubt: Urteil jetzt rechtskräftig
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16:16 13.03.2019
Nach kurzem Prozess endete die Berufungsverhandlung am Landgericht Chemnitz. Quelle: dpa
Chemnitz/Döbeln/Ostrau

Und alles für rund 60 Euro: Ein brutaler Überfall überschattete das Ostrauer Kartoffelfest 2017. Ein Trio hat einen geistig behinderten Mann ausgeraubt.

Zwei Jahre für Haupttäter

Das Schöffengericht am Amtsgericht Döbeln hat die Tat als erstes strafrechtlich aufgearbeitet. Alle drei deutschen Angeklagten hatten die Tatvorwürfe eingeräumt. Das Gericht verurteilte den Haupttäter, einen 25-Jährigen vielfach vorbestraften Ostrauer, am 6. Dezember 2018 wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Haft. Den männlichen Mittäter sprach das Gericht ebenfalls des Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig, nahm jedoch einen minder schweren Fall an und verhängte neun Monate Haft mit Bewährung. „Die Gewaltanwendung spielte bei Ihnen eine untergeordnete Rolle. Sie standen lediglich dabei“, begründete Richterin Karin Fahlberg, die Vorsitzende des Schöffengerichtes, damals. Die Frau kam am Besten weg. Hier nahm das Gericht lediglich eine Beihilfe zum Diebstahl an und verhängte 50 Tagessätze zu zehn Euro Geldstrafe. Sie wollte die Gewalt gegen den Geschädigten nicht, als die drei den Plan schmiedeten, den Mann um sein Geld zu erleichtern. Sie hatte auch bei der Polizei reinen Tisch gemacht.

Kurzer Prozess in Chemnitz

Die Urteile gegen die Mittäter des Kartoffelfest-Raubes sind bereits rechtskräftig, der 25-jährige Haupttäter ist in Berufung gegangen. Die brauchte die 7. Kleine Strafkammer des Landgerichtes Chemnitz unter Vorsitz von Richter Frank Schmidt aber neulich gar nicht lange zu verhandeln. „Der Angeklagte hat die Berufung in der Hauptverhandlung zurückgenommen“, informiert Marika Lang, Richterin am Landgericht und dessen Pressesprecherin, auf Nachfrage der DAZ. Nach etwa zehn Minuten Verhandlung sei dies geschehen.

Jugendbande in Ostrau aktiv

Seitdem er strafmündig ist, beschäftigt der junge Mann die Justiz. Mit seiner Jugendbande trieb er einst im Raum Ostrau sein Unwesen. Die Bande fiel mit Diebstählen, Sachbeschädigungen und dem unbefugten Gebrauch von Fahrzeugen auf. Weil er gemeinsam mit einem ebenfalls vielfältig vorbestraften Döbelner im Dezember 2017 einem seiner Bekannten übel mitspielte, verurteilte ihn das Landgericht Chemnitz in zweiter Instanz zu zwei Jahren Haft wegen Nötigung. Der Ältere kassierte in diesem Berufungsverfahren vier Jahre Haft wegen schwerer räuberischer Erpressung.

Bis das Blut spritzte

Folgendes war damals geschehen: Gemeinsam mit dem Ostrauer und zwei Angehörigen der Döbelner Drogenszene suchte der 40-Jährige den Geschädigten auf. Der jüngere klingelte. Als nicht geöffnet wurde, randalierte der Ältere solange bis der Geschädigte herunterkam. 90 Euro sollte er rausrücken. Weil er sich weigerte, schlug ihn der Ältere mit einer Schreckschusspistole bis das Blut spritzte. Dann gingen die fünf Leute zur Bank, aber die Karte des Geschädigten war kaputt. Also zurück in die Wohnung, wo sich ein Bekannter des Modellauto-Verkäufers aufhielt. Von ihm bekam der 40-Jährige schließlich das Geld. Die Berufungskammer hielt dem 25-Jährigen zugute, dass er annahm, der Ältere habe einen Anspruch auf das Geld. Darum änderte die Kammer das Urteil der ersten Instanz von schwerer räuberischer Erpressung auf Nötigung und senkte die Strafe.

Auch Zuschauer des Verbrechens verurteilt

Die beiden Angehörigen der Döbelner Drogenszene, die Zuschauer des Verbrechens, hat jüngst Jugendrichterin Marion Zöllner im Amtsgericht Döbeln verarztet: Der junge Mann bekam wegen unterlassener Hilfeleistung drei Monate Knastnachschlag. Ihn brachten Beamte der JVA Leipzig in Ketten zu Gericht. Er ist gerade zur Beobachtung im Haftkrankenhaus, verbüßt sonst eine neunmonatige Jugendstrafe wegen Diebstahls in Regis-Breitingen. Die junge Frau soll wegen unterlassener Hilfe zehn sozialtherapeutische Gespräche wahrnehmen und 100 Stunden gemeinnützig arbeiten.

Revision am Oberlandesgericht

Das Berufungsurteil des Landgerichtes gegen den Ostrauer und den 40-Jährigen ist noch nicht rechtskräftig. Der 2. Strafsenat des Oberlandesgerichtes (OLG) Dresden hat die Revision der Angeklagten auf dem Tisch. Entschieden ist noch nichts. Sollten die zwei Jahre rechtskräftig werden, bleibt der 25-Jährige länger im Gefängnis. Immerhin sind ihm mit Rechtskraft des Döbelner Urteils schon mal zwei Jahre sicher.

Richterin kriegt Déjà-vu

Aktuell verbüßt er eine Haftstrafe wegen Diebstahls mit Waffen und gefährlicher Körperverletzung. Er hatte im Döbelner Kaufland einen Ladendetektiv mit einem Schlagring geschlagen, der ihn beim Diebstahl einer Flasche teuren Wodkas erwischt hatte. Das Schöffengericht des Amtsgerichtes Chemnitz hatte ihn im April 2017 deswegen verurteilt. Dessen damalige Vorsitzende Richterin ist mittlerweile am OLG tätig. Sie leitet dort laut Geschäftsverteilungsplan den 2. Strafsenat, der nun über den Revisonsantrag gegen das Chemnitzer Raub/Nötigungs-Urteil befindet.

Raus aus dem Knast – wieder rein in die Kriminalität

Für den 25-Jährigen hatte alles so gut angefangen, als er im Juni 2016 vorzeitig und auf Bewährung freikam. In Regis-Breitingen hatte er eine Lehre zum Fachlageristen abgeschlossen, hatte nach der Haftentlassung sogar einen Job gefunden, ging arbeiten und hatte eine eigene Wohnung. Dann entließ ihn der Betrieb in der Probezeit. Bereits in Haft sei er abhängig vom Crystal geworden und nach der Kündigung vollends im Drogensumpf versackt.

Von Dirk Wurzel

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