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Behindertenbeirat Roßwein sensibilisiert Schüler für Menschen mit Handicap

Barrierefreiheit Behindertenbeirat Roßwein sensibilisiert Schüler für Menschen mit Handicap

Die sanierte Roßweiner Geschwister-Scholl-Oberschule ist nicht nur modern und schmuck, sondern auch barrierefrei. Dass sie damit ein gutes Umfeld für Menschen mit Handicap bietet, konnten die Sechstklässler der Bildungseinrichtung jetzt hautnah miterleben.

Wie ist das mit dem Rollstuhl auf der Toilette? Die Roßweiner Schüler konnten es ausprobieren.

Quelle: Sven Bartsch

Rosswein. Die sanierte Roßweiner Geschwister-Scholl-Oberschule ist nicht nur einfach modern und schmuck, sondern auch barrierefrei. Dass sie damit ein gutes Umfeld für Menschen mit Handicap bietet, konnten die Sechstklässler der Bildungseinrichtung jetzt hautnah miterleben. Mitglieder des Behindertenbeirates der Stadt zeigten den Schülern innerhalb des Projektes „Wir für Sachsen“, wie es sich anfühlt, mit einer Beeinträchtigung zu leben. Sie informierten über Behinderungen, unterstrichen die Gleichstellung der Menschen und konnten am Beispiel des Schulhauses verdeutlichen, was echte Barrierefreiheit wirklich bedeutet.

„Ihr wollt jetzt also sehen, wie ein Blinder die Treppe hoch geht?“, fragte Thorsten Gruner ohne Umschweife in die Runde, die er nicht sehen konnte. Erst kam die Antwort etwas zögerlich, dann aber laut und klar: „Ja!“, riefen die Mädchen und Jungen der sechsten Klassen. Thorsten Gruner griff nach seinem langen Stock, der für ihn wie ein Fühler ist und den er bei jedem Schritt über den Boden schwingend hin und her bewegt. „So merke ich, wenn es Hindernisse gibt“, erklärte Gruner, der inzwischen an der Treppe anlangte.

Ausschilderung in Blindenschrift

Jetzt stellte er den Stock senkrecht, tastete damit die erste Stufe ab und schon ging es in schnellem Tempo nach oben. Die Schüler staunten. „Mit meinem Hund Rocky geht das natürlich einfacher und ich fühle mich sicherer“, sagte Thorsten Gruner, fasste an dem Bügel an, der mit dem Labrador verbunden war und führte es vor. „Die Schüler waren bei dieser Präsentation mucksmäuschenstill. Das hat sie beeindruckt“, zeigte sich Lehrerin Kerstin Schmiedchen zufrieden.

Die Architektin Kerstin Bauer, Vorstandsmitglied im Roßweiner Behindertenbeirat und Planerin bei der Schulsanierung, verwies auf einige Details, die Menschen das Treppensteigen mit Sehbehinderung ebenfalls erleichtern. Die Handläufe sind vor Podesten oder am Treppenbeginn so gestaltet, dass sie waagerecht verlaufen, also die Stufen oder ihr Ende ankündigen. „Außerdem gibt es kleine Aluschilder mit Blindenschrift, die aufs Geschoss hinweisen“, erklärt Kerstin Bauer. „Zum 1. OG“, steht da zum Beispiel.

Rampe und Aufzug für Rollstuhlfahrer

Auch Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, haben in der Roßweiner Oberschule jetzt gute Karten. An der Nordseite des Gebäudes befindet sich ein großer Zugang zum Aufzug. Über eine Rufanlage kann man bei Bedarf Kontakt mit dem Sekretariat aufnehmen und von dort aus ist es möglich, die Tür zu öffnen. Über den Aufzug erreicht der Rollstuhlfahrer alle Ebenen der Schule. Im Aufzug gibt es eine optische Anzeige und eine akustische Information, auf welcher Ebene man sich befindet.

Das Bedientablet ist abgesenkt. An der Südseite der Schule gibt es eine Rampe für „Rollis“. Die ist dafür gedacht, das bei Veranstaltungen im Außenbereich ein schneller Zugang zu einer behindertengerechten Toilette möglich ist. Es gibt insgesamt zwei solcher Toiletten. Diese sind größer als gewöhnlich, die Beschläge sind abgesenkt, es gibt unterfahrbare Waschbecken, Extra-Fläche für den Rollstuhl, spezielle Betätigungen für die Spülung und Halterungen fürs Klopapier. „Der Aha-Effekt bei den Schülern, die die Toilette selbst einmal mit Rollstuhl ausprobiert haben, war deutlich zu spüren“, freute sich Kerstin Bauer darüber, dass die Sechstklässler erkannt haben, was Barrierefreiheit bedeutet.

Einerseits hätten damit Schüler mit Behinderung gute Voraussetzungen, an der Roßweiner Oberschule zu lernen. Auch Schüler, die ein kurzzeitiges Handicap, zum Beispiel ein gebrochenes Bein haben, lernen diese Vorzüge schätzen. Bauer: „Wichtig ist zudem, dass eine Schule ein öffentliches Gebäude ist. Sie sollte also auch für Eltern, Großeltern oder andere Gäste und Besucher, die eine Behinderung haben, gut zugänglich sein.“

Von Olaf Büchel

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