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Behindertenhilfe kommt zu kurz

Behindertenhilfe kommt zu kurz

Seit über 20 Jahren werden an den Sozialpflegeschulen Heimerer in Döbeln Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger ausgebildet. Deren Aufgabe ist es, Menschen mit Behinderungen eine Teilhabe und Integration in allen Lebensbereichen zu ermöglichen.

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Auch in Gymnastik müssen angehende Heilerziehungspfleger fit sein, um mit später mit ihren Schützlingen bewegungstherapeutisch arbeiten zu können.

Quelle: Privat

"Bislang konnten rund 400 Absolventinnen und Absolventen erfolgreich vermittelt werden - nahezu 90 Prozent in der Region", berichtet Torsten Fahs, Leiter der Fachschule für Sozialwesen bei Heimerer. Die Nachfrage durch Arbeitgeber halte weiter an. Weil es aber zu wenige Bewerber gab, konnte im letzten Jahr keine neue Klasse gebildet werden.

 

Das wirkt sich gleich mehrfach negativ aus. Träger und Einrichtungen suchen mittlerweile vergeblich nach Vertretern dieser besonderen Berufsgruppe. Für die betroffenen Menschen steht damit möglicherweise nicht genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung. Auch für die Ausbildungsstätten mit dieser Fachrichtung ist die Situation ein Problem. Fahs: "Wenn wir nicht kontinuierlich ausbilden, geht die Schulgenehmigung verloren. Damit wäre die Region Döbeln-Freiberg um eine soziale Ausbildungsmöglichkeit für junge Menschen ärmer."

 

Gründe für den derzeit geringen Zuspruch gibt es einige. Natürlich gehören die geburtenschwachen Jahrgänge dazu, womit aber alle Ausbildungszweige zu kämpfen haben. Zudem ist der Bekanntheitsgrad des Berufsbildes Heilerziehungspfleger noch immer gering. Und: Sehr viele, die sich für einen sozialen Beruf interessieren, gehen in die Fachrichtung Erzieher - auch weil der Bedarf dafür in den vergangenen Jahren besonders im öffentlichen Fokus stand. Torsten Fahs formuliert es etwas zynisch: "Es erscheint einfacher, mit nichtbehinderten Kindern zu arbeiten, als mit Menschen jeder Altersstufe mit Behinderungen." Der Schulleiter bemängelt, dass bei der Diskussion um Pflegenotstand die Fachkräfte in der Behindertenhilfe zunehmend vergessen werden. Das drückt sich auch in mangelnder staatlicher Förderung aus. Bildungsgutscheine für künftige Heilerziehungspfleger? Fehlanzeige!

 

Umso emsiger rührt Fahs die Werbetrommel für diesen Beruf. Die Einsatzgebiete seien vielfältig. In Wohnstätten für behinderte Menschen kann im Erwachsenenbereich Eingliederungshilfe geleistet werden, in Förderschulen eine spezielle pädagogische Unterrichtshilfe. Auch in Behinderten-Werkstätten oder in Integrativen Kindereinrichtungen können Heilerziehungspfleger/innen ihre Berufung finden. Die Dankbarkeit der zu Betreuenden ist groß, genauso wie das Gefühl der Pfleger, wirklich gebraucht zu werden, weiß Fahs. "Mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten, das kann nicht jeder. Wer Sinnerfahrung sucht, der wird hier aber garantiert fündig."

Olaf Büchel

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