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Döbeln Bei Reco-Mieder geht mit der Schließung des Betriebes eine 117-jährige Tradition zu Ende
Region Döbeln Bei Reco-Mieder geht mit der Schließung des Betriebes eine 117-jährige Tradition zu Ende
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12:14 02.11.2011
Bis März 2013 sollen hier im Betrieb an der Eichbergstraße in Döbeln die Lichter ausgehen. Das verkündete die Geschäftsführung gestern den 45 Mitarbeiterinnen. Seit 1894 werden in Döbeln Miederwaren hergestellt. Vor allem orthopädischen Hilfsmittel und BHs für Prothesenträgerinnen wurden bis zuletzt hier genäht. Quelle: Wolfgang Sens

Zwei Vorstandsmitglieder des Prothesenherstellers Thämert hatten den Döbelner Betrieb 1993 von der Treuhand gekauft und für mehr als eine Million Euro saniert. Weitere Investitionen in den hiesigen Standort folgten. Beide Manager hatten allerdings aus Altersgründen 2008 ihre Firmenanteile an die Thuasne Deutschland GmbH, die deutsche Tochtergesellschaft der Unternehmensgruppe Thuasne verkauft, die aus einem französischen Familienunternehmen hervorgegangen ist und eine 150-jährige Tradition in der Textilfertigung vorweisen kann. Heute gehört Thuasne zu den führenden europäischen Anbietern von orthopädischen Hilfsmitteln.

Doch gestern gab Stefan Fritzsche, Geschäftsführer der deutschen Thuasne-Gesellschaften, bekannt, dass die Produktion im Döbelner Reco-Werk bis zum 31. März 2013 schrittweise eingestellt wird. Dies hatte er zuvor den 45 betroffenen Firmenangestellten in einer Mitarbeiterversammlung mitgeteilt. Die Frauen nähen in Döbeln vor allem Büstenhalter für Prothesenträgerinnen sowie Bandagen für den medizinischen Gebrauch.

Wenn sich ein Döbelner im Winterurlaub verletzte, konnte es durchaus sein, dass er mit einem "Trostpflaster" aus heimatlichen Gefilden behandelt wurde. In der Döbelner Eichbergstraße 2 entstanden nämlich bei der Reco Orthopädische Hilfsmittel GmbH Knie- und Handgelenkbandagen für solche Fälle. "Steigender Wettbewerbs- und Kostendruck haben dazu geführt, dass die Produktion am Standort Döbeln nicht mehr langfristig aufrechterhalten werden konnte", sagte Geschäftsführer Stefan Fritzsche gestern gegenüber der DAZ. Thuasne habe alle möglichen Alternativen in Betracht gezogen, um den Döbelner Betrieb zu erhalten. Die Entscheidung zur Schließung habe man sich nicht leicht gemacht, zumal die Reco schon als VEB auf eine langjährige Tradition zurückblickt. "Daher war es uns als Geschäftsleitung wichtig, die Beschäftigten auch so früh wie möglich persönlich über die Unternehmens­entscheidung zu informieren", so Fritzsche.

Die Unternehmensgruppe lege Wert darauf, die Schließung des Betriebes so fair und verantwortungsbewusst wie möglich durchzuführen. So bietet das Unternehmen den Beschäftigten unter anderem die kostenlose Teilnahme an Bewerberseminaren an. Diese werden vor Ort von einer sächsischen Bildungseinrichtung durchgeführt und sollen den Mitarbeitern eine sinnvolle Hilfe bei ihrer Suche nach einer neuen Aufgabe geben.

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❏ Ursprung der Döbelner Miederwarenherstellung war das Nähmaschinen- und Fahrradgeschäft Eduard Rühle am damaligen Theaterplatz (heute Optiker Sandow, Bahnhofstraße 1). Rühle eröffnete 1894 im Hinterhof mit zwölf Näherinnen eine Corsetfabrikation. Im Oktober 1899 lief die Großproduktion an.

❏ Am 6. Oktober 1919 wurde die Arbeit in der Greinerstraße (jetzt Eichbergstraße) aufgenommen. Ab 1926 war Willy Jehmlich Alleininhaber. Er erwarb in der Greinerstraße 2 das Grundstück der Lampenfabrik Otto & Geyer, erweiterte das Fabrikgebäude mit großem Nähsaal und Fahrstuhl und erbaute auf dem Fabrikgelände ein Wohnhaus. Der Betrieb nannte sich "Döbelner-Reform-Corset-Fabrik Willy Jehmlich", davon wurde der Firmennamen "Reco" abgeleitet.

❏ 1972 wurde der Betrieb verstaatlicht und zum VEB Reco Mieder. 1993 erfolgte die Reprivatisierung. Außer Miederwaren entwickelte der Betrieb medizinische Bandagen sowie Spezial-BH mit Epithesen für brustamputierte Frauen.

Thomas Sparrer Standpunkt Seite 13

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