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Döbeln Belastungszeuge bekommt Morddrohungen
Region Döbeln Belastungszeuge bekommt Morddrohungen
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16:01 30.05.2016
Methamphetamin heißt wegen seiner kristallinen Substanz auch Crystal. Bereits die Nazis nutzten die aufputschende Wirkung des Mittels und verabreichten es unter dem Namen Pervitin ihren Soldaten. Das Foto ist ein Symbolbild. Quelle: dpa-Zentralbild
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Döbeln

Hat eine 31-Jährige in Döbeln im großen Stil mit Crystal gehandelt? Um diese Frage dreht sich seit Montag ein Prozess am Amtsgericht Döbeln. Der Prozessauftakt lieferte auch Anhaltspunkte für den Verdacht, dass die Frau offenbar unbeeindruckt von der Anklage bis wenige Tage vor der Verhandlung weiter Drogen verkauft hat.

Belehrt oder nicht? Anwalt fechtet Beweis an

„Sie sagte, sie handle mit Rauschgift, weil sie kein Hartz IV mehr bekomme.“ Was der Kriminalbeamte der Chemnitzer Drogenfahndung von der Durchsuchung bei der 31-Jährigen erzählte, sollte nicht die einzige Kuriosität bleiben, die in der Hauptverhandlung zur Sprache kam. Als die Polizei am 6. Oktober vergangenen Jahres die Wohnung der Angeklagten durchsuchte, stellten die Beamten unter anderem 11,85 Gramm Crystal mit einem Wirkstoffgehalt von 5,32 Gramm sicher. Das liegt knapp über der Grenze der „nicht geringen Menge“ und macht den Besitz zu einem Verbrechen (Mindeststrafe ein Jahr Haft). Ob die Aussage „kein Hartz IV, darum Drogenhandel“ noch relevant wird, ist derzeit unklar. Vor Gericht sagte der Kommissar, die 31-Jährige hätte das vor ihrer Vernehmung als Beschuldigte gesagt. Dann wäre sie noch nicht über ihre Rechte belehrt gewesen. Das Gericht dürfte die Aussage daher nicht verwerten. In den Akten steht jedoch, dass der Satz erst in der Vernehmung gefallen sei, somit nach der Belehrung. Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich, der die Frau verteidigt, beantragte jedenfalls, diesen Satz nicht als Beweis gelten zu lassen. Die Aussage deutet auf einen gewerbsmäßigen Handel hin. Das könnte das Strafmaß nach oben schrauben, denn für einen gewerbsmäßigen Handel sieht das Gesetz einen höheren Strafrahmen vor. Entscheiden will das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Karin Fahlberg den Antrag der Verteidigung zu einem späteren Zeitpunkt Als ordentlicher Strafverteidiger, der die Interessen seiner Mandantin ernst nimmt, muss Rechtsanwalt Göddenhenrich jedenfalls versuchen, für den strittigen Satz ein Beweisverwertungsverbot zu erreichen.

Belastungszeuge schafft weitere Indizien herbei

Kurios war auch, wie das Indiz für den weiteren Drogenhandel der Angeklagten zu Staatsanwältin Angelika Rickert kam. Der Hauptbelastungszeuge – er will von der Angeklagten zwölf mal jeweils drei Gramm Crystal für 85 Euro das Gramm gekauft haben und hat bereits viel bei der Polizei erzählt – holte nach seiner Zeugenvernehmung ein Mobiltelefon von zu Hause und brachte es ins Gericht. Das hatte er wohl als Pfand genommen, weil er einer mutmaßlichen Drogen-Kundin der Angeklagten Geld geborgt hat. Eine Sprachnachricht auf diesem Telefon lässt den Verdacht aufkommen, dass die 31-Jährige weiter Rauschgift vertickt. Er hat sich mit seiner Offenheit gegenüber der Polizei nicht unbedingt beliebt gemacht in der Döbelner Drogenszene. „Ich habe Morddrohungen bekommen – ausgesprochen, als ich durch die Stadt ging“, sagte der Mann und nannte Namen. Er selbst hat mittlerweile eine Drogentherapie absolviert. Ins Visier der Fahnder waren er und die Angeklagte bei deren Ermittlungen gegen einen Döbelner Großdealer geraten, den das Landgericht Chemnitz mittlerweile wegen Drogenverbrechen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilte.

Mit Crystal auf dem Polizeirevier

Am Amtsgericht Döbeln geht der Prozess gegen die 31-jährige mutmaßliche Crystal-Dealerin im Juni weiter. Bis dahin soll ein Gutachten vorliegen, das klärt, welchen Wirkstoffgehalt die zwei Gramm Crystal haben, welches die Polizei bei der Angeklagten auf dem Revier in Döbeln gefunden hatte. Die Beamten hatten damals die Order, die Frau bei einem Gerichtstermin in Chemnitz vorzuführen und sie zuvor durchsucht. Vor Gericht hat die Angeklagte bisher nichts von den Tatvorwürfen eingeräumt.

Von Dirk Wurzel

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