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Berufsschulen in Mittelsachsen droht Lehrermangel

Berufsschulen in Mittelsachsen droht Lehrermangel

Alarm schlagen die Handwerkskammer sowie die Industrie- und Handelskammer Chemnitz. Sie befürchten, dass den Berufsschulen im Freistaat die Lehrer ausgehen.

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Rainer Goldammer unterrichtete gestern das erste Lehrjahr der Kraftfahrzeug-Mechatroniker am Berufsschulzentrum Döbeln. Übernächstes Jahr will er in Rente gehen. Und ihm werden weitere Kollegen folgen. Ein Lehrermangel an der Bildungsstätte zeichnet sich ab.

Quelle: Frank Pfeifer

Mittelsachsen. Bis 2030 wechseln nach Angaben der Kammern 75 Prozent der sächsischen Berufsschullehrer in den Ruhestand. "Das sieht bei uns ähnlich aus", sagt Günther Oertelt, Leiter des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) Döbeln. Die Altersspanne der Lehrer reiche von 32 bis zu 61 Jahren, wobei die Jüngeren deutlich in der Unterzahl seien.

Schon bald werden einige in den Ruhestand gehen. Nach jetzigem Stand will Rainer Goldammer der erste sein, der 2013 mit Abschlägen die Rente antritt. An seiner Stelle wird eine neue Fachkraft für Kraftfahrzeug-Mechatronik gebraucht. "Den Bedarf werde ich bei der Sächsischen Bildungsagentur anmelden", kündigt Oertelt an.

Inwieweit ihm dann geholfen werden kann, wird sich zeigen. Fest steht, es mangelt an Nachwuchs. Deshalb hoffen die Kammern, dass die Lehrerausbildung an der Technischen Universität Chemnitz wieder aufgenommen wird. Hinter dieser Forderung steht auch Günther Oertelt: "Junge Menschen müssten gezielt in der Berufsberatung darauf aufmerksam gemacht werden, dass an unseren Einrichtungen die Lehrkräfte fehlen werden."

Die Entwicklungen würden sich aber nicht genau vorhersagen lassen, räumt er gleichzeitig ein. "Über mehrere Jahre ging die Zahl unserer Schüler kontinuierlich zurück. Vor zehn Jahren hatten wir 1800; jetzt liegen wir bei 686", sagt er. Der Tiefpunkt sei jedoch fast erreicht. In ein bis zwei Jahren würden sich laut Bildungsagentur die Zahlen relativ stabil auf 3000 Schüler in ganz Mittelsachsen einpendeln.

Deshalb kann sich Oertelt nicht vorstellen, sein Team von 62 Lehrern in Döbeln nennenswert zu reduzieren. Wenn zu wenig Nachwuchs von den Universitäten kommt, müsse er auf Seiteneinsteiger zurückgreifen, um die Lücke zu schließen. Und er setzt auf die Weiterbildung von Kollegen.

Diese ist schon jetzt nötig. Nicht alle Ausbildungszweige können durchgängig unterrichtet werden, weshalb sich Lehrer fit für andere Fachrichtungen machen müssen. Sorgen bereiten vor allem die Handwerkerberufe. Während die Ausbildungen zum Mechatroniker und Elektroniker stabil laufen, finden sich nur noch wenige Interessenten, die Tischler oder Maler werden, beziehungsweise in die Baubranche einsteigen wollen. "Die Angebote werden nicht so gut angenommen. Hinzu kommen der Geburtenknick und der anhaltende Wegzug junger Leute. Nicht zuletzt bilden die Betriebe heute verstärkt aus, so dass nicht mehr so viele Bewerber für uns bleiben", erläutert Oertelt.

Zurzeit läuft die Sozialstrecke bei ihm stabil. Neu aufgenommen wurde gar die Ausbildung zum Erzieher. Hingegen konnte am Beruflichen Gymnasium mangels Zuspruchs keine neue Klasse gebildet werden. Keiner weiß, wie die Interessen der Bewerber morgen aussehen. Oberstes Ziel von Oertelt ist es aber, "die Breite der Ausbildung im ländlichen Raum zu erhalten." Und dafür braucht er bald neue Lehrer.

Schon jetzt kann der Bedarf in einigen Bereichen am BSZ für Technik und Wirtschaft "Julius Weißbach" in Freiberg und Flöha nicht mehr ganz gedeckt werden. In Mathematik, Physik und einigen Fremdsprachen klaffen Lücken. "In der Elektrotechnik einschließlich der Informatik steuern wir hinsichtlich des Lebensalters unserer Kollegen und ihrer Anzahl auf einen Mangel zu", konstatiert Leiter Dr. Frank Wehrmeister. "Anders als in anderen sächsischen Berufsschulen sieht es bei uns in Sachen Metalltechnik noch relativ gut aus."

"Wenn die Staatsregierung nichts unternimmt, kommt es zum Crash", warnt Wehrmeister. "Mir ist es ein Rätsel, warum man, obwohl Zahlen schon lange vorliegen, sehenden Auges ins Unglück geht." Die Regierung müsse den Lehrerberuf jetzt planmäßig sichern. Weil es dafür aber eigentlich schon zu spät sei, müsse sie anderen Fachkräften Einstiegsmöglichkeiten ins Lehramt eröffnen. "Wenn dies nicht geschieht, besteht die Gefahr, dass in Schulen Bildungsangebote wegen des Lehrermangels gestrichen werden. Das betrifft dann vor allem schwächer strukturierte Gebiete."

"Das Problem, das ganz Sachsen betrifft, wird uns auch ereilen", erklärt Katrin Neumann, Leiterin des BSZ Mittweida mit den Außenstellen Rochlitz und Flöha. Das Durchschnittsalter der Lehrer liegt nach ihren Worten bei fast 50 Jahren. Da sie aber erst seit Juli der Berufsschule vorsteht, habe sie noch kein Personalentwicklungskonzept erstellen können. Frank Pfeifer

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