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Döbeln Besuch hinter Gitter beeindruckt SPD-Rechtspolitiker Harald Baumann-Hasske
Region Döbeln Besuch hinter Gitter beeindruckt SPD-Rechtspolitiker Harald Baumann-Hasske
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17:35 25.01.2016
JVA Waldheim Quelle: Wurzel
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Waldheim

Sehr beeindruckt verließ am Montag der SPD-Landtagsabgeordnete Harald Baumann-Hasske die JVA Waldheim. Der Sprecher für Rechts- und Europapolitik seiner Fraktion ist derzeit auf Knast-Tournee. Er schaut sich vor Ort die Gegebenheiten an, um Fakten und Argumente für die Anstehende Haushaltsdisskussion zu sammeln. „Der Reparaturbetrieb der Gesellschaft zu sein, ist schwierig. Hier ist jeder Euro gut angelegt“, sagte der Abgeordnete zum Abschluss seines Besuches. Für ihn ist der moderne Behandlungsvollzug eine Möglichkeit, künftige Opfer zu vermeiden. „Jede Investition in die Behandlung, die einen Rückfall verhindert, verhindert auch ein Opfer“, verdeutlicht der Rechtspolitiker.

Vorreiter in Sachsen

Was die Therapieangebote angeht, ist die JVA Waldheim eine Art Vorzeigegefängnis in Sachsen. „Was früher noch nicht so detailliert im Strafvollzugsgesetz gestanden hat, haben wir hier schon praktiziert“, sagt Harry Kempf. Die Sozialtherapeutische Abteilung (Sotha) gibt es seit 20 Jahren gibt es diese in der JVA Waldheim. „In den Anfangstagen wurden wir dafür kritisch beäugt“, sagt der Gefängnisdirektor. Die Gefangenen lernen hier unter sozialpädagogischer und psychologischer Anleitung, sich mit ihren Straftaten auseinanderzusetzen, ihre Schuld nicht kleinzureden oder gar die Geschädigten mitverantwortlich zu machen. Laut allgemeinen Studien ist die Rückfallquote bei Häftlingen, die die Sotha durchlaufen haben, etwa 14 Prozent niedriger, als bei entlassenen Strafgefangen aus dem normalen Vollzug. Wie effektiv die Waldheimer Sozialtherapie arbeitet, kann Harry Kempf nicht sagen. Das ist statistisch sehr schwer zu erfassen, weil die Entlassenen in andere Bundesländer und andere Gerichtsbezirke zurückkehren. „Wer nach seiner Entlassung wieder straffällig wird, den sehen wir hier nicht wieder“, sagt der Anstaltsleiter. Denn nach Waldheim kommt man nicht mit jedem Delikt. Als Anstalt des Langstrafenvollzuges nimmt die JVA Männer auf, die Gerichte zu mindestens zwei Jahren Haft – ab dieser Grenze gibt es auch keine Bewährung mehr – verurteilt haben und deren letzte Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe (auch einer mit Bewährung) länger als zehn Jahre zurückliegt. Das grenzt die Straftaten natürlich ein auf Verbrechen wie Mord, Totschlag, Raub und schwere Sexualdelikte sowie Eigentums- und Vermögensdelikte mit hohem Schaden.

Besuchs-Bereich wird größer

Sozialdemokrat Baumann-Hasske nutzte seinen gestrigen Gefängnis-Aufenthalt auch für einen Rundgang. Zum Beispiel in den Metallbau-Betrieb, der sich zu einem gefragten Hersteller für Haftraumtüren entwickelt hat. Aber auch Gartengrills fertigen die Häftlinge hier an. „Aus Edelstahl, die kann man vererben“, wie Sozialarbeiterin Michaela Tiepner sagt. „Und mit drehbaren Stäben. Das geht besser zu reinigen“, setzt Harry Kempf hinzu, als er seinem Besuch einen großen Säulengrill zeigt. Besonders ist auch die Station für ältere Gefangene, die sich unabhängig von der Straftat aus anderen sächsischen Gefängnissen nach Waldheim verlegen lassen können. Was es hier auch nicht gibt, sind reglementierte Besuche. Für bis zu drei Stunden können die Gefangenen Besuch empfangen – im Prinzip so oft, wie sie wollen. Der Besuchsraum sieht aus, wie eine Cafeteria. Der Bereich wird demnächst vergrößert und Harry Kempf muss mit seinem Büro umziehen.

Zwei Stunden hat lang sich am Montag Harald Baumann-Hasske die JVA Waldheim angesehen. Er wäre gern noch länger geblieben. Aber der Terminkalender trieb ihn weiter.

Von Dirk Wurzel

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