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Betrügerischer Reiseveranstalter: Falscher Angeklagter vor Gericht

Betrügerischer Reiseveranstalter: Falscher Angeklagter vor Gericht

Wenn einer eine Reise bucht, dann kann er was erleben! Zumindest, wenn er sich an einen Anbieter wendet, der sich später als unseriös herausstellt. Das musste Frieda A.

*, Rentnerin aus Döbeln, erleben, nachdem sie 2009 zwei Reisen an die Mosel und in den Schwarzwald gebucht hatte. Die Urlaube fanden nie statt - und gestern beschäftigte sich das Amtsgericht Döbeln mit dem Fall.

Frieda A. hatte an einer Werbefahrt teilgenommen - mit angehängter Verkaufsveranstaltung. Es gab verlockende Angebote: vermeintliche Gratis-Reisen, günstige Zusatz-Trips. Doch was daraus folgte, war wenig erholsam.

Da wurden plötzlich Kautionen verlangt, später kam noch ein Aufschlag für den Buszubringer dazu sowie für das Spritgeld. Die zugehörigen Beträge wurden zum Teil einfach vom Konto abgebucht, vielleicht wurden in diesem Zusammenhang sogar Überweisungsträger gefälscht. Der Gipfel: Kurz darauf stornierte der Anbieter die Reisen - natürlich verbunden mit einer Storno-Gebühr. Begründung: Die Fahrten seien nicht bezahlt worden. Frieda A. schaltete eine Anwältin ein, daraufhin gab es einen Teil des 400 Euro schweren Schadens zurück. Die Anklage der Staatsanwaltschaft: Vorspiegelung falscher Tatsachen, Betrug!

Wer aber ist eigentlich der Anbieter? Die Staatsanwaltschaft listete zwei dubiose Firmen auf, eine davon mit Sitz in den Niederlanden. Und: In mehreren Schriftstücken rund um die Reisen tauchten Verbindungen zu Knut W. auf, auch sein Name. Der Angeklagte beteuerte jedoch gestern vor dem Döbelner Amtsgericht, mit all dem nichts zu tun zu haben. Weder habe er Verkaufsveranstaltungen besucht, noch organisiert. Er habe auch keine Schreiben versandt oder Geld eingezogen. Auf einem der Schriftstücke sei sogar sein Name falsch geschrieben gewesen, so der Angeklagte. Er sei lediglich als Bürodienstleister für einen ganz anderen Herren tätig gewesen, erklärte er. Ein Herr Lübben aus Cloppenburg soll hinter mehreren Geschäften dieser Art stecken. Nachdem die ersten Probleme auftauchten, beendete Knut W. nach eigenen Worten sofort die Geschäfsbeziehungen. Herr Lübben sei es gewesen, der all die krummen Dinger gedreht habe, erklärte Rechtsanwalt Behrendt, der extra für die Verhandlung aus Bremen mit angereist war. Dort hat Knut W., ein gebürtiger Kanadier, seinen Wohnsitz.

Dass der Angeklagte mit den miesen Machenschaften nichts zu tun hat, machten Knut W. und sein Anwalt auch gegenüber Richter Janko Ehrlich und der Staatsanwältin schnell glaubhaft. Entlastung verschaffte zudem die Döbelner Rentnerin Frieda A., denn sie hatte Knut W. auf der Verkaufsveranstaltung nicht gesehen.

Wegen ähnlicher Betrugsfälle hatte der Angeklagte auch schon in Darmstadt vor Gericht gestanden - dort wurde das Verfahren aber ebenso eingestellt, wie gestern in Döbeln. "Es ist trotzdem gut, dass wir heute hier verhandelt haben", meinte die Staatsanwältin. "Sonst bleibt immer etwas an Ihnen hängen", erklärte sie in Richtung von Knut W.

Nun wird es wohl ein zweites Verfahren geben - gegen jenen Herrn Lübben aus Cloppenburg. Doch der ist zurzeit nicht auffindbar. "Ich versuche seit Monaten, ihn zu kriegen", erklärte Knut W. "Und ich würde straffällig werden, wenn ich ihn sehen würde."

Wo also steckt Herr Lübben? Vielleicht hat er mit dem Geld aus seinen Betrügereien ja eine längere Urlaubsreise im entfernten Ausland gebucht. Hoffentlich nicht bei einem seriösen Anbieter. Björn Meine

* Namen geändert

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