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Betrug in Leisnig? Baulöwe Rolf F. soll Kilometerzähler zurückgedreht haben

Prozess am Amtsgericht Betrug in Leisnig? Baulöwe Rolf F. soll Kilometerzähler zurückgedreht haben

Um mehr Geld für sein zehn Jahre altes Wohnmobil zu bekommen, soll Baulöwe Rolf F. dessen Kilometerzähler zurückgedreht haben. Als Mittäterin ist auch seine Frau am Amtsgericht Döbeln des Betruges angeklagt. Rolf F. wies den Tatvorwurf wortreich zurück. Teilweise ähnelte der Prozess einer TV-Gerichtsshow.

Im Amtsgericht Döbeln ist ein Bauunternehmer des Betruges angeklagt. Er soll den Kilometerzähler seines Wohnmobils zurückgedreht haben, um dafür mehr Geld zu bekommen, als er es verkaufte.

Quelle: Dirk Wurzel

Döbeln/Leisnig. Baulöwe Rolf F. steht mal wieder vor Gericht. Er und seine Frau hätten ein Wohnmobil für 21 600 Euro verkauft und dem Käufer vorgegaukelt, das zehn Jahre alte Fahrzeug sei nur 49 000 Kilometer gelaufen. Dazu hätten sie den Kilometerzähler zurückgedreht. Tatsächlich habe der Fiat 176 000 Kilometer auf der Uhr und wäre mit diesem Kilometerstand 5800  Euro weniger wert. Betrug lautet daher der Tatvorwurf.

Als sich der Verdacht erhärtete

Joachim K. aus Niedersachsen hatte dieses Wohnmobil gekauft. Bereits auf der Rückfahrt von Leisnig, wo Rolf F. jetzt wohnt, war er stutzig geworden, berichtete er am Zeugentisch im Amtsgericht Döbeln. „Der Scheibenwischer und die Lüftung ging nicht. Da bin ich in die Werkstatt gefahren“, sagte der 63-Jährige. Nachdem sich ein Mechaniker den Fiat angesehen hatte, sei der Verdacht aufgekommen, Mensch, die Karre hat ja wesentlich mehr auf der Uhr, als 49 000. Der Verdacht erhärtete sich für Joachim K., als er Aufkleber am Fahrzeug entdeckte, die auf Ölwechsel bei deutlich höheren Kilometerständen im sechsstelligen Bereich hindeuten. K. schaffte das Fahrzeug zu einem Gutachter. Der las das Steuergerät der Einspritzpumpe aus. Ergebnis: 176 000 Kilometer Laufleistung.

Wie in einer TV-Gerichtsshow

Rolf F. versuchte wortreich, den Tatvorwurf zu entkräften, sparte nicht mit Unterstellungen, geriet vom Hundertsten ins Tausendste. Weil sich Joachim K. eigentlich nichts von dem gefallen ließ, was F. ihm vorwarf, ähnelte die Verhandlung bisweilen stark einer TV-Gerichtsshow. Richterin Magdalena Richter bewies eine bemerkenswerte Geduld, vor allem gegenüber dem Angeklagten. Irgendwann reichte es aber auch ihr. Vor allem, als das Zwiegespräch zwischen F. und K. zu eskalieren drohte, schlug sie mit der Hand auf den Richtertisch und bat lautstark um Ruhe. Als sie die Verhandlung kurz unterbrach, um ihren Terminkalender für die Fortsetzung zu holen, sagte sie noch: „Ich unterbreche mal für eine Minute, damit Sie sich in Ruhe anschreien können.“ Daraufhin herrschte für wenige Augenblicke Grabesstille im Gerichtssaal, bevor der Angeklagte verbal wieder auf den Zeugen losging.

Als sich die Richterin veralbert vorkam

Zu diesem Zeitpunkt hatte Rolf F. bereits einen angeblichen Kaufvertrag präsentiert, wonach er das Wohnmobil mit einem Kilometerstand von 45 000 Kilometern von einer holländischen Firma erworben habe. Es könnten ja auch ein anderer am Kilometerzähler gedreht haben. Richterin Richter sah sich die Adresse bei google im Internet an. „Da gibt es keine Firma, da stehen Wohnhäuser. Herr F. , ich glaube Sie wollen mich verarschen“, sagte sie. Er würde doch nie eine Vorsitzende eines Gerichtes verarschen, egal wie jung diese sei, entgegnete der Angeklagte.

Ob er das Gericht tatsächlich über den Eimer hält und gemeinsam mit seiner Frau den Niedersachsen betrogen hat, soll sich an einem weiteren Verhandlungstag klären, an dem das Gericht weitere Zeugen hört.

Von Dirk Wurzel

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