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Bierglas über den Schädel gezogen? Zoff im Leisniger Freibad beschäftigt Jugendrichterin

Amtsgericht Döbeln Bierglas über den Schädel gezogen? Zoff im Leisniger Freibad beschäftigt Jugendrichterin

Hat ein 20-Jähriger auf einem Fest seinem Kontrahenten mit einem Trinkgefäß verletzt? So behauptete es eine Zeugin, die den Mann im Internet bei der Polizei anzeigte. Damit handelte sie ihm Scherereien mit der Justiz ein. Der Prozess gegen den Mann zeigt aber vor allem eines: Solche Internet-Anzeigen können sehr problematisch sein.

Eine Keilerei zwischen zwei jungen Männern überschattete das Summer-Jam-Fest im Leisniger Freibad im Juli vergangenen Jahres. Hat ein 20-Jähriger Leisniger seinem Kontrahenten dabei mit einem Bierglas geschlagen? Diese Frage beschäftigte am Mittwoch Jugendrichterin Marion Zöllner im Amtsgericht Döbeln.

Quelle: dpa

Döbeln/Leisnig. Mittlerweile braucht keiner mehr zur Polizei zu gehen, um einen Mitmenschen anzuzeigen. Ein paar Klicks im Internet mit ein paar Zeilen Text reichen dafür aus und die Mühlen der Strafverfolgung beginnen zu mahlen. Für Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte bedeuten diese Online-Anzeigen oft Verdruss und unnötigen Aufwand. Ein Prozess im Amtsgericht Döbeln bestätigte das.

Bierglas über den Schädel gezogen?

„Diese Online-Anzeigen sind kein Chatprotokoll wie bei Facebook, wo man was reinschreibt und andere lachen darüber. Wir lachen nicht, wir müssen das ernst nehmen“, sagte Staatsanwältin Angelika Rickert zu einer 30-Jährigen Leisnigerin. Sie hatte am 13. August vergangenen Jahres auf der Internetseite der Polizei angezeigt, dass ein 20-Jähriger Leisniger auf dem Summer-Jam-Fest im Leisniger Freibad einem Grimmaer ein Bierglas oder eine Flasche über den Kopf gehauen habe. Eine Platzwunde sei das Resultat dieses Schlages gewesen. Schläge mit solchen Gegenständen stuft der Gesetzgeber als „gefährliche Körperverletzung“ ein. Mindeststrafe: sechs Monate Haft. Polizei und Staatsanwaltschaft sind verpflichtet solchen Tatvorwürfen nachzugehen, diese aufzuklären.

Die Online-Anzeige der Leisnigerin mündete in einer Anklage der Staatsanwaltschaft Chemnitz wegen gefährlicher Körperverletzung. Und dieser sah sich der Klempnerlehrling nun am Amtsgericht Döbeln ausgesetzt.

Zeugin hat gelogen

Nicht ganz zu recht, aber auch nicht ganz zu unrecht, wie die Hauptverhandlung am Mittwoch bei Jugendrichterin Marion Zöllner schließlich zeigte. Die Anzeigeerstatterin gab jedenfalls zu, gelogen zu haben. „So eine komplette Schwindelei habe ich noch nicht erlebt. Dazu fällt uns nichts mehr ein“, sagte die Richterin, als sie die Zeugin vernahm. Zehn Zeugen hörte sich das Gericht an. Angefangen beim Geschädigten, der nichts mehr von dem Vorfall wissen wollte und auch kein Interesse an der Strafverfolgung hatte. Die anderen haben eine Rangelei zwischen dem Leisniger und dem Grimmaer mitbekommen – mehr aber nicht. Haben sich halt zwei gekloppt, ohne sich dabei ernsthaft zu verletzen. Aktenkundig sind zwei Platzwunden bei den Streithähnen, die offenbar der rechten Szene nahezustehen scheinen. Wofür zum einen die „Gefällt Mir“-Angaben auf ihren Profilen im sozialen Netzwerk Facebook Indizien liefern. Und zum anderen ihre Kleidung. So trat der Grimmaer in Thor-Steinar-Jacke in den Zeugenstand. Diese Marke ist bei Neonazis sehr beliebt.

Der Grund des Streites war aber unpolitisch. „Er hatte mir schon vorher mit Nachrichten gedroht, weil ich was mit seiner Ex hatte“, sagte der Angeklagte. Jene Ex ist die 30-jährige Leisnigerin mit der Online-Anzeige. Der Geschädigte habe ihm dann einen Faustschlag am Bierstand versetzt. Wer mit der Rangelei angefangen hatte, blieb für Richterin Zöllner und Staatsanwältin Rickert aber unklar. Wegen geringer Schuld stellte das Gericht das Verfahren gegen den 20-Jährigen ein. Wenn er 100 Euro Geldauflage an die Diakonie zahlt, ist die Sache für ihn vom Tisch. Er gilt ohne Urteil mit Schuldspruch weiterhin als unschuldig.

Von Dirk Wurzel

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