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Döbeln Blumenhaus Ostrau schließt nach 18 Jahren
Region Döbeln Blumenhaus Ostrau schließt nach 18 Jahren
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00:30 31.03.2018
Heike Langfritz muss ihren Blumen-Laden wegen der Krankheit ihres Mannes schließen und findet keinen Nachfolger. Quelle: Sven Bartsch
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Ostrau

„Normalerweise würde ich das Geschäft weiterführen“, sagt sie. „Mit Höhen und Tiefen hätte es mich zur Rente gebracht.“ Doch jetzt will sie sich um ihren Mann kümmern, ihm in der schwierigen Behandlungsphase beistehen.

Heike Langfritz hat das Schicksal in den letzten Jahren mehrfach übel mitgespielt. „Vor zwei Jahren hatte ich schon mal an eine Schließung gedacht, weil ich selbst an Krebs erkrankt war. Aber ich hatte wirklich Glück, brauchte keine Chemotherapie und habe es hier im Laden überstanden“, blickt sie zurück. „Bei meinem Mann ist es dagegen ein böser Kampf. Als die Diagnose kam, war es ein Schlag zu viel. Die Entscheidung war dann schnell gefallen, dass ich hier aufhören würde“, sagt sie.

Auch wenn es ihr schwer fällt, den geliebten Laden hinter sich zu lassen. Die übliche 50-Stunden-Woche als Selbstständige ist mit der Betreuung des Mannes nicht zu vereinbaren.

Seit 1995 arbeitet Heike Langfritz bereits in dem Geschäft neben Vepo-Polster im Gewerbegebiet Ostrau – zunächst als Angestellte des Leisniger Blumenhandels Friebel. Als dieser die Außenstelle in Ostrau aufgibt, übernimmt die damals 36-Jährige den Laden – und findet ihr berufliches Glück. „Ich bin ausgebildete Agraringenieurin, aber das war nie mein Traumberuf. Floristin habe ich mir dann angeeignet und da möchte ich auch gern bleiben“, sagt sie. Die Blumen hätten ihr sogar bei der Überwindung ihrer Krankheit geholfen.

Die Stammkundschaft, die sie in ihren ersten fünf Jahren als Angestellte aufgebaut hat, baut sie in den folgenden 18 Jahren immer weiter aus – durch Freundlichkeit, persönliche Nähe und vernünftige Preise. Denn Laufkundschaft kommt kaum ins Gewerbegebiet. Wer hier einkauft, kommt zielgerichtet her. „Sonst hätte ich es auch nicht 18 Jahre lang geschafft. Das Bedauern über die Schließung beruht auf Gegenseitigkeit“, sagt Langfritz.

Das ist zu spüren, als immer wieder Kunden den Laden betreten. Kaum einer, den sie nicht mit Vornamen anspricht, kaum einer, der sich nicht mit Handschlag und guten Wünschen verabschiedet. Klaus Vester und seine Frau vom Möbelhandel nebenan bestellen nochmal eine Bepflanzung für ihre Kübel vor dem Geschäft. Sie waren immer hier bei der Nachbarin, wenn es um Blumen und Dekoration ging. „Man kann nicht nicht hingehen, nichts kaufen und dann weinen, wenn die Läden verschwinden“, sagt Klaus Vester.

Auch Annett Kühn deckt sich nochmal ein – mit Pflanzen für den Balkon und die Rabatten vor der Haustür. „Ich bin schon immer hier hingegangen und es war immer schön. Es gab immer ein gutes Angebot, war nicht überteuert und ist menschlich geblieben“, sagt sie.

Dazu gehörte auch, dass Heike Langfritz Briefe und Pakete für die Nachbarn annahm, immer ansprechbar war bei Problemen, immer hilfsbereit. Diese Anlaufstelle dürfte fehlen. Am Ostersonnabend ist sie zum letzten Mal geöffnet, 9 bis 12 Uhr. Dann wird neben dem früheren Schlecker-Verkaufsraum die nächste leere Fensterfront zu sehen sein. Denn ein Interessent für das Geschäft hat sich trotz aller Stammkunden nicht gefunden.

Von Sebastian Fink

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