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Bockelwitzer Dreckärmel soll Feuerwehrzentrum weichen

Abriss und Neubeginn Bockelwitzer Dreckärmel soll Feuerwehrzentrum weichen

Dreckärmel – so nannte der Volksmund den „Sächsischen Reiter“ in Bockelwitz, als er noch ein Wirtshaus war. Heute hat die Stadt andere Pläne mit der maroden Immobilie. Diese soll einem Feuerwehrgerätehaus weichen. Dazu informierten am Sonnabend Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) und Bauamtsleiter Thomas Schröder vor Ort.

Zur Ortsteilbegehung erläuterte Leisnigs Bauamtsleiter Thomas Schröder (l.), wie die Stadt den ehemaligen Gasthof Sächsischer Reiter zum Feuerwehrzentrum umgestalten will. Erst heißt es abreißen, dann folgt der Wiederaufbau.

Quelle: Dirk Wurzel

Bockelwitz. Der „Sächsische Reiter“ und das Sozialprojekt Bockelwitz Nr. 3 standen am Sonnabend im Mittelpunkt der Ortsteilbegehung in Bockelwitz. Zunächst berichtete Leisnigs Bauamtsleiter Thomas Schröder darüber, wie die Stadt den ehemaligen Gasthof (Spitzname: „Dreckärmel“) zum Feuerwehrgerätehaus umgestalten will und wie weit sie dabei ist. Auf dem Vierseithof Bockelwitz Nr. 3 schlug dann die Stunde des Bockelwitzer Orstvorstehers Michael Heckel.

Gemurre gab es gleich am Treffpunkt, dem Pendlerparkplatz an der Staatsstraße 31. Die eintreffenden Teilnehmer der Besichtigung ärgerten sich zu Recht über die Schmutzfinken, die den Parkplatz zumüllen. Vom Sächsischen Reiter hörten sie dann Bauamtsleiter Schröder und Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth zu, die berichteten, wie weit die Pläne der Stadt gediehen sind. Quintessenz: Es ist viel Arbeit für die Stadtverwaltung, Eigentümer der Gebäude zu werden. Das Vorhaben betrifft nicht die Scheune, wo die Grundstücksgrenze verläuft, sondern „nur“ die übrigen Gebäude, die im rechten Winkel zueinander stehen. Wenn die Stadt Eigentümerin ist, will sie diese mit Fördergeld aus dem neuen Investionsstärkungsprogramm abreißen. Das kostet ungefähr 80 000 Euro. Thomas Schröder erläuterte, wie die Stadt durch Ausschöpfung mehrere Förderprogramme ihren Eigenanteil niedrig halten will. „Wir arbeiten auf null Euro Eigenanteil hin“, sagte Thomas Schröder. Ziel ist es, die marode Bausubstanz noch in diesem Jahre abzutragen. Danach kann der etwa 800 000 Euro teure Neubau beginnen, den die Stadt ebenfalls wieder mit Fördergeld bezahlen will. Beim Clennener Ortswehrleiter Günther Hornig stoßen die Pläne auf große Zustimmung. „Wir können dadurch effektiver werden und mit dem neuen Gebäude und neuer Technik vielleicht auch mehr Jugendliche für die Feuerwehr begeistern.“ Anfangs gab es in seiner Wehr noch Widerstand, vor allem bei den älteren Kameraden. Aber mittlerweile trägt ein Großteil der Clennener Feuerwehrleute das Vorhaben mit. Zumal sich die Bedingungen im Vergleich zum alten Feuerwehrhaus spürbar verbessern werden.

Auch eine Art Feuerwehr ist Bockelwitz Nr. 3. Dem Verein ist es jetzt gelungen, neun Plätze für suchkranke Menschen zu schaffen, die aus der Entgiftung kommen und die auf die Langzeitherapie warten. In dieser kritischen Zeit kommen sie auf dem Vierseithof unter, finden Beschäftigung und sozialpädagogische Betreuung. „Am 17. Mai zieht der erste Bewohner ein“, sagt Michael Heckel, Schatzmeister des Vereins und Bockelwitzer Ortsvorsteher.

Kommentar: Stadt hat Potenzial erkannt und handelt

Es tut sich was in Bockelwitz. Die Pläne der Stadt Leisnig sind ambitioniert, den maroden ehemaligen Gasthof „Sächsischer Reiter“ zu einem wichtigen Feuerwehrgerätehaus umzubauen. Für die zuständigen Mitarbeiter in der Stadtverwaltung ist es vor allem viel Arbeit. Sich zurückzulehnen und zu warten, bis nach dem Saal auch der Rest des Gebäudeensembles einstürzt, ist nicht die Leitlinie für den weiteren Umgang mit der Problem-Immobilie. Im Gegenteil: Die Stadt hat ihr Potenzial als Standort für ein modernes Feuerwehrgerätehaus erkannt. Zentral gelegen in Autobahnnähe an einer relativ schnellen Staatsstraße bieten sich große Vorteile für die Einsatzbereitschaft und das Einsatzspektrum. Wenn es auf der Autobahn kracht, sind auch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren gefragt. Besser als in Bockelwitz kann man eine Feuerwehr verkehrsmäßig nicht stationieren, zu deren Einsatzgebiet die A 14 gehört. Zentralisierung muss nicht immer nachteilig sein. Für die Ortswehren, für die das neue Gerätehaus gedacht ist, bedeuten die Pläne der Stadt eine Aufwertung, verspricht der Neubau nicht nur moderne Standards sondern auch verbesserte Ausrüstung. Man sollte den Verantwortlichen der Stadt Leisnig daher aufrichtig wünschen, dass die Pläne genauso aufgehen, wie sie sich das vorgestellt haben. Dirk Wurzel

Von Dirk Wurzel

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