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Bürgermeister im Raum Döbeln erhalten Hass-Mails und Beleidigungen

Früchtlingsproblematik Bürgermeister im Raum Döbeln erhalten Hass-Mails und Beleidigungen

Amts- und Mandatsträger in Sachsen sehen sich in der Asyldebatte mit Beleidigungen und Bedrohungen konfrontiert. Wie bedroht fühlen sich die Bürgermeister der Region Döbeln, deren Hauptaufgabe derzeit die Unterbringung von Flüchtlingen ist?

Unmittelbar bedroht fühlt sich Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) zwar nicht. Anfeindungen und Drohungen musste das aktive Mitglied des Willkommensbündnisses seiner Stadt aber schon über sich ergehen lassen.

Quelle: Sven Bartsch

Region Döbeln. Unmittelbar bedroht fühlt sich Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) zwar nicht. Anfeindungen und Drohungen musste das aktive Mitglied des Willkommensbündnisses seiner Stadt aber schon über sich ergehen lassen. "Als wir die ersten Flüchtlinge in Roßwein aufgenommen haben, erhielt ich einige Hass-E-Mails. Ich wäre aufgrund meiner Haltung gegenüber Flüchtlingen kein richtiger Roßweiner, hieß es da zum Beispiel. Noch bedrohlicher sei ein Eintrag auf der Facebook-Seite von Asyl-Gegnern gewesen: "Den müsst ihr hängen", hatte dort, bezogen auf den Bürgermeister, gestanden. Lindner: "Dieser Eintrag war aber schnell wieder verschwunden." Die Angriffe hätten sich immer gegen Lindner persönlich gerichtet. Wegen solcher Attacken sein Amt niederzulegen, hat er nie in Erwägung gezogen: "So etwas kann man zwar nur bis zu einer gewissen Grenze ertragen. Es wäre aber ein denkbar schlechtes Signal, deshalb aus der Politik zu gehen. Dann hätten wir Verhältnisse wie in der Weimarer Republik."

"Zum Glück ist bei uns in der Gemeinde Ostrau bisher alles ruhig", sagt Bürgermeister Dirk Schilling (CDU). Es gebe keine Problemkrakeeler, keine verbalen Angriffe oder bedrohliche E-Mails an ihn oder die Verwaltung. Schilling: "Ich denke, das liegt daran, dass wir die Thematik ziemlich offen kommunizieren." Der Gemeindechef hat volles Verständnis für die Sorgen der Bürger und versucht sich, in diese hinein zu versetzen. "Ich bin den Ostrauern sehr dankbar, dass sie anerkennen, dass wir unsere Aufgabe so gut wie möglich lösen wollen", sagt Schilling. In der Gemeinde Zschaitz-Ottewig sieht es etwas anders aus. Dort ging laut Aussagen des Bürgermeisters Immo Barkawitz (Freie Wähler) "ein Brief mit beleidigendem Inhalt gegenüber Gemeinderat, Bauhof und Bürgermeister" ein.

Gunter Weber (CDU), Bürgermeister in Mochau, machte folgende Erfahrung, nicht nur beim Thema Flüchtlinge: " Anders als in der Großstadt haben Bürger auf dem Land eher die Chance, Mandatsträger direkt anzusprechen. Findet eine Gegenposition bei einem kontroversen Sachverhalt zumindest Gehör, kommt ein so extremer Missmut gar nicht auf, aus dem sich Anfeindungen entwickeln." Im ländlichen Raum sei die Lage diesbezüglich entspannter. In der Vergangenheit sei gelegentlich seine Frau angesprochen worden auf bestimmte Dinge, ansonsten bliebe Familiemitglieder außen vor. "Wenn jemand nicht belehrbar ist, dann: bitteschön. Damit muss man in einer Demokratie auch zurecht kommen."

"Ich komme mit Leuten ins Gespräch, die durchaus kritisch sind, aber größtenteils immer sachlich bleiben", freut sich Harthas Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) über seine Mitbürger. Dass der Ton nicht rauer wird, läge auch daran, dass in einer Kleinstadt wie Hartha die Hemmschwellen viel höher wären - jeder kenne einfach jeden. "Ich freue mich über die Harthaer. Die Bürger bilden sich ihre eigene Meinung. Das ist Demokratie."

Bedroht worden ist der Waldheimer Bürgermeister Steffen Ernst im Zusammenhang mit dem Asylthema noch nicht. "Ich bekam eine Email, deren Verfasser eher seine allgemeine Unzufriedenheit ausdrückte", sagt Steffen Ernst. Der Mann sei ihm bereits aus dem Wahlkampf bekannt.

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