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Bürgermeister lässt die Katze aus dem Sack: Waldheim kauft marode Spindelfabrik

Industriebrache Bürgermeister lässt die Katze aus dem Sack: Waldheim kauft marode Spindelfabrik

Mit der Spindelfabrik geht es voran. Die Stadt plant, sie abzureißen. Nach intensiven Verhandlungen ist Waldheim gelungen, die Ärgerimmobilie zu kaufen. Wenn sie einmal abgerissen ist, wird der Kontrast zwischen Waldheims schönen Rathaus auf der einen und der hässlichen Industriebrache auf der anderen Seite der Zschopau verschwunden sein.

Baufällig und Brandort: Die alte Spindelfabrik ist die Ärgerimmobilie schlechthin. Die Stadt Waldheim will sie abreißen und das marode Gebäude deshalb gekauft.

Quelle: Dirk Wurzel

Waldheim. Die Gerüchteküche brodelte – jetzt ist die Katze ist aus dem Sack. Die Stadt Waldheim hat die Ruine der Spindelfabrik gekauft. Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) hatte den Waldheimern das Wahlversprechen gegeben, sich um die Ärgerimmobilie zu kümmern. Das ist nun weitgehend gelungen, der Kaufpreis ist bezahlt und liegt auf einem Notarkonto. Die Stadt wartet nun auf den Eintrag im Grundbuch.

„Wir haben das Problem zuvor intensiv im Haus erörtert und uns rechtlichen Rat geholt“, sagt Steffen Ernst. Der Gedanke war, über eine Zwangsversteigerung an die Spindelfabrik zu kommen. So stellte die Stadt der Eigentümerin aus Houston/Texas die Kosten für die Einsätze des Bauhofes in Rechnung, der die Spindel häufig sichern musste, damit herabstürzende Gebäudeteile niemanden verletzten. So liefen Schulden von etwa 8000 Euro auf. „Der Rechtsanwalt riet uns schließlich ab, weil eine solche Zwangsvollstreckung lange dauert und riet, die Immobilie direkt zu erwerben“, sagt Bürgermeister Ernst.

Stadtrat steht an der Seite des Bürgermeisters

Die Zeit sitzt der Stadt aber insoweit im Nacken, als dass es jetzt ein neues Förderprogramm gibt, dass eine Traumquote von 90 Prozent für den Abriss maroder Gebäude verspricht. Das nennt sich Landesbrachenprogramm des Freistaates Sachsen. „Das ist der nächste Schritt, die Spindel abzureißen“, sagt Bürgermeister Ernst, der für den Grundstückskauf die Mehrheit des Stadtrates hinter sich weiß. Denn im Alleingang hat der Rathauschef bei der Spindel nicht gehandelt sondern immer mit einem Mandat des Rates. „Die Stadträte sind den Weg mit großer Mehrheit mitgegangen, diesen Schandfleck zu beseitigen“, sagt Steffen Ernst.

Kauf der Spindelfabrik ist die richtige Entscheidung

Soll man Waldheim zu diesem Kauf nun gratulieren oder mit dem Kopf schütteln über soviel Unverstand, für eine wertlose Ärgerimmobilie noch harte Taler zu zahlen? Diese Frage stellt sich bei der Spindelfabrik, welche die Stadt jetzt kaufen konnte. Es ist ein Gebäude, das Bauhof und Feuerwehr auf Trab hält, von dem eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht. Die die Einsatzstatistiken der Feuerwehr aufbläht, weil dort ständig mal der illegal abgelagerte Müll brennt. Waldheim hat nun den notwendigen Spielraum, die Spindelfabrik abzureißen und die Fläche zu entwickeln. Dass das nun erstmal Geld kostet, kann man als notwendiges Übel ansehen oder als Investition.

Es ist eine Investition. Weil Waldheim mit dem Abriss der Spindelfabrik wieder schöner wird, weil ein öffentliches Ärgernis verschwindet, dass der Stadt nur laufende Kosten beschert hat. Es spricht für Bürgermeister Steffen Ernst, dass er das Thema gewissermaßen zur Chefsache gemacht hat, es schaffte, Stadträte und die Verwaltung hinter sich zu scharen. Diejenigen, die nun den vermeintlichen Unverstand anprangern, sollten sich mal überlegen, wie es wäre, wenn sich die Stadt nicht gezuckt hätte. Dann hätten die Waldheimer Stadtratssitzungen neben dem Dauerthema Bauhof ein weiteres mit Anfragen und Kritiken zur Spindelfabrik, wieso sich da nichts rührt.

Man kann Waldheim zu diesem Kauf gratulieren. Öffentliches Geld ist auch dazu da, öffentliche Ärgernisse zu beseitigen. Beim Abriss hilft ein neues Förderprogramm. Aber um etwas abreißen zu können, muss es einem erstmal gehören.

Dirk Wurzel

Zur jüngsten Ratssitzung hatte Ex-Stadtrat Eckehart Schirmer zuvor im öffentlichen Teil die Gerüchteküche angeheizt – im Tagesordnungspunkt Bürgeranfragen. „Es gibt ein Gutachten zur Spindelfabrik, das besagt, dass deren Wert gegen Null geht. Jetzt höre ich von verschiedenen Seiten, dass die Stadt das für eine hohe Summe kaufen will“, sagte er, nannte Summen von 150 000 bis 200 000 Euro und brachte seine Empörung darüber zum Ausdruck.

Unterschrift in Berlin

So teuer wird es nicht. Auch wenn sich Bürgermeister Ernst derzeit mit konkreten Angaben zurückhält, weil die Stadt noch nicht als neue Spindeleigentümerin im Grundbuch steht, so weist er die Summen zurück, die der einstige Chef der ehemaligen Stadtratsfraktion Unabhängige Bürger für Waldheim nannte. „Soviel Geld war es bei weitem nicht. Wir sind weit unter dem Spielraum geblieben, den wir uns gesetzt hatten“, sagt Steffen Ernst. Wie es mit dem Grundstück – das ja schließlich auch einen gewissen Wert hat – nach dem Spindelabriss weitergeht, kann er noch nicht sagen. „Soweit sind wir noch nicht. Das ist der zweite Schritt, den wir gemeinsam mit dem Stadtrat gehen müssen“, sagt Steffen Ernst.

Er hatte seine eigene Bekanntschaft bemüht, um an die Texanerin heranzukommen, der die Spindel (noch) gehört. Das gelang und die Stadt nahm Verhandlungen auf. Schließlich beauftragte die US-Amerikanerin ein Maklerbüro, die Industriebrache zu verkaufen. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Albrecht Hänel war Steffen Ernst jüngst in Berlin in einem Maklerbüro. Dort unterschrieben Waldheims Vertreter den Kaufvertrag.

Von Dirk Wurzel

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