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Buletten geklaut: Döbelner Dieb (71) fährt weiter ein

Prozess am Amtsgericht Buletten geklaut: Döbelner Dieb (71) fährt weiter ein

Zwei Monate Knastnachschlag bekam der Döbelner Rentner Martin Z. jetzt im Amtsgericht Döbeln für die Lappalie eines Ladendiebstahls. Wo andere mit Geldstrafen davonkommen, führt bei dem vielfach Vorbestraften der Weg direkt ins Gefängnis zurück. Aber das ist angesichts seines Strafregisters so etwas wie seine zweite Heimat.

Zwei Monate Knastnachschlag bekam der Döbelner Rentner Martin Z. jetzt im Amtsgericht Döbeln für die Lappalie eines Ladendiebstahls.

Quelle: Volker Hartmann

Döbeln. Mit 71 Jahren hat sich der Lebensabend in voller Blüte entfaltet. Manch einer geht in seinen Hobbys auf, züchtet Fische, Rassekaninchen oder kümmert sich um den Kleingarten. Andere reisen und entdecken die Welt. Nicht so Martin Z.. Der Döbelner verbringt gute Teile seines Lebensabends in Gefängnissen. Schon vor der Rente war das so, seit 1977 um genau zu sein. Da verurteilte ihn das Kreisgericht Leipzig wegen des unbefugten Benutzens von Fahrzeugen, Diebstahls und Hausfriedensbruchs zu zehn Monaten Haft mit Bewährung, die das Gericht aber dann wieder widerrufen hatte. Martin Z. fuhr erstmals ein.

Nun, fast 40 Jahre, mindestens einem Dutzend Knastaufenthalte und 45 Einträge im Strafregister später, saß Z. wieder auf der Anklagebank. Diesmal auf einer im Amtsgericht Döbeln. Diebstahl lautete der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft Chemnitz und eigentlich ging es um eine Lappalie für 20 Euro. Z. scheint nicht zu begreifen, dass der Supermarkt in Döbeln-Ost Marktkauf und nicht Marktklauf heißt, sprich, dass man die Waren bezahlen sollte, die man haben will.

Trauriger Rekordhalter

Der Gesetzgeber unterscheidet nämlich zwischen straffreier rechtmäßiger Zueignung, zum Beispiel durch Bezahlen, und rechtswidriger Zueignung, zum Beispiel durch Wegnahme. Dem Bruch fremden und dem Begründen eigenen Gewahrsams an einer fremden beweglichen Sache, wie Jurastundenten im Strafrechtsseminar lernen und was folgende Handlung zum Diebstahl macht: Am 25. Mai steckte Z. gegen 17.51 Uhr in den Geschäftsräumen des Marktkaufes Döbeln zwei CD’s und einen Zweierpack Buletten ein. Wert des Diebesgutes: Rund 20 Euro. Unbeobachtet blieb der Rentner dabei nicht und so landete die Angelegenheit bei Strafrichter Janko Ehrlich, der Z. bereits aus früheren Verfahren kennt.

„Sie haben das x-te Mal gesessen aber das fruchtet alles nicht. 45 Einträge im Bundeszentralregister – ich kenne in meinem Bereich keinen, der mehr hat. Sie sind der traurige Rekordhalter“, sagte Richter Ehrlich, als er das Urteil für Z. begründete. Das ist rechtskräftig. Dem Schuldspruch lag ein Geständnis zugrunde. „Was bleibt einem auch anders übrig, wenn man auf frischer Tat ertappt wird“, so Richter Ehrlich. Zwei Monate muss Z. nun länger in der JVA Waldheim bleiben. Dort sitzt er eine neunmonatige Gesamtstrafe ab, unter anderem wegen Schwarzfahrerei.

Sogar im Ausland straffällig

In seinem letzten Wort als Angeklagter sagte Z., dass er einsehe, dass das nicht richtig war mit den Diebstählen und dass sowas nicht wieder vorkommen solle. „Das glaube ich Ihnen nicht. Aber Sie können mich gerne eines Besseren belehren“, sagte Richter Ehrlich dazu. Z. beschäftigt seit 40 Jahren die deutschen und sogar die ausländischen Gerichte. Meistens mit solchen Vergehen wie Betrug und Diebstahl. Ein Schöffengericht des Landgerichtes Innsbruck verurteilte ihn zum Beispiel 2008 zu 18 Monaten Haft, unter anderen wegen Betruges.

Für Rechtshistoriker bietet die Akte Z. ebenfalls viel Stoff. Da sind durchaus vergleichende wissenschaftliche Abhandlungen drin über die Strafrechtspraxis in der DDR und der Bundesrepublik. Z. haben die Gerichte nicht nur in zwei unterschiedlichen politischen Systemen verurteilt – auch die materiellrechtlichen Grundlagen waren unterschiedlich. Hatte doch die DDR seit 1968 ein eigenes Strafgesetzbuch, das sich deutlich von seinem westdeutschen Pendant unterschied. An den Einträgen im Vorstrafenregister des Rentners fällt auf, dass die Strafjustiz der DDR Kriminelle wie ihn offenbar wesentlich härter anfasste: Mit zehn Monaten wegen der unbefugten Benutzung eines Fahrzeuges und Betruges ging das los, das zweite Urteil des Kreisgerichtes Leipzig von 1979 fiel wesentlich härter aus. Da gab es unter anderem wegen Diebstahls und Betruges zweieinhalb Jahre, da war auch nach DDR-Recht keine Bewährung mehr drin. Zwei weitere Male verurteilte das Kreisgericht Leipzig Z. in der DDR-Zeit noch, beide Male zu über zwei Jahren Haft. Beide Male unter anderem wegen Betruges und Urkundenfälschung.

Nach der Wende mildere Strafen

Nach der Wende gingen die Gerichte wesentlich milder mit Z. um, wenn er mit vergleichbaren Delikten aufgefallen war: Geldstrafen und Haftstrafen von unter einem Jahr verhängten sie als Rechtsfolgen. Keine der nach der Wende von bundesdeutschen Gerichten verhängten Freiheitsstrafen sollte zwei Jahre übersteigen. Genützt hat das freilich alles nichts, weder vor noch nach der Wende. Nicht umsonst gilt Z. am Amtsgericht Döbeln mit seinen nunmehr 46 Vorstrafen als trauriger Rekordhalter. Wenn Kleinkriminalität eine sportliche Wettkampfdisziplin wäre, dürfte sich Martin Z. wahrscheinlich Sachsenmeister nennen.

Von Dirk Wurzel

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