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Buntes Döbeln gegen braune Flut

Buntes Döbeln gegen braune Flut

Die für Samstag, den 5. Oktober, von den Jungen Nationaldemokraten angemeldete Demonstration rechtsextremer Kräfte durch Döbeln beschäftigte gestern Abend im Rathaussaal den kriminalpräventiven Rat der Stadt Döbeln.

Die Stadt lädt in diesem Rat meist einmal im Jahr demokratische Kräfte und Institutionen, Schulen, Wohnungsgesellschaften und Vereine zusammen mit der Polizei an einen Tisch, um Themen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu beraten.

Andree Wagner, Vizechef des Döbelner Polizeireviers, informierte, darüber dass, die Demonstration unter dem Motto "Gegen Polizeiwillkür" von den Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD, bereits im Juli angemeldet wurde. Die wenigen in Döbeln stadtbekannten Rechtextremen seien offenbar nach dem Verbot der Nationalen Sozialisten Döbeln durch den Innenminister jetzt der NPD-Nachwuchsorganisation beigetreten. Deren nordsächsische Führungskader versuchten nun auf diese Weise in Döbeln einen Fuß in die Tür zu bekommen. Das Motto der angemeldeten Demo "Gegen Polizeiwillkür" hängt offensichtlich damit zusammen, dass einige Rechtsextreme wegen unbezahlter Straf- beziehungsweise Ordnungsgelder eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzen sollten und dazu auf dem Döbelner Polizeirevier vorgeführt worden. Nach einigen Stunden wurden die rechtsgültigen Strafen schließlich doch noch bezahlt und sie wurden wieder auf freien Fuß gesetzt.

Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) hat die Rechtsextremen richtig satt, macht für die Stadt Döbeln erhebliche Sicherheitsbedenken gegen die Demo geltend. Überall in der Stadt wird nach der Flut noch gebaut, stehen Bauschuttcontainer. Die können wir doch nicht alle wegräumen lassen, damit sich Extreme nicht mit Steinen bewaffnen können", so Egerer. Zudem stehe seit April das lange Einkaufswochenende am ersten Oktoberwochenende fest, wird die Stadt für Musikkapellen sorgen, um den Handel und Wandel in der flutgeschädigten Innenstadt mit anzukurbeln und werden die hoffentlichen vielen anreisenden Kunden extra auf dem Obermarkt parken dürfen. Zudem führt Egerer andere Veranstaltungen ins Feld: Am Gymnasium findet ein Konzert statt, in der Stadtsporthalle spielt Döbeln in der ersten Bundesliga gegen Hamburg im Floorball und es werden 300 Hamburger Gäste zu dem Spiel erwartet. "Wir freuen uns auf die Gäste aus Hamburg und wollen nach den Vorfällen in der Sächsischen Schweiz gern zeigen, dass Döbeln in Sachsen eine weltoffene Stadt ist. Wir wollen keine Nazis in unserer Stadt", so Egerer. Der Oberbürgermeister setzt auf die Gerichtsinstanzen und darauf, dass aus diesen Sicherheitsinteressen die Nazis nicht an diesem Tag durch Döbeln marschieren dürfen, sondern im Sinne der Versammlungsfreiheit höchstens am Bahnhofsvorplatz eine feste Kundgebung abhalten dürfen, bevor sie endlich wieder aus Döbeln abhauen. Andree Wagner vom Döbelner Polizeirevier und seine Kollegen von der Polizeidirektion Chemnitz rechnen nicht damit, dass die Nazi-Marsch gerichtlich verhindert werden kann. Mindestens fünf Hundertschaften der Bereitschaftspolizei werden deshalb nach Döbeln beordert. Gerüchteweise wird mit bis zu 400 Rechtsextremen und vielleicht auch mit einer ähnlich hohen Zahl anreisender linksextremen Gegendemonstranten gerechnet.

In Döbeln formiert sich unterdessen im Bündnis "Döbeln bleibt bunt" friedlicher und vor allem gesamtgesellschaftlicher Protest gegen den aus Nordsachsen ferngesteuerten Naziaufmarsch. Neben dem Treibhausverein, dem Frauenzentrum, dem Welwel, Sportvereinen wie dem Döbelner SC und dem Lessing-Gymnasium ist auch die Evangelische Kirchgemeinde mit im Boot. Das Bündnis hat für diesen Tag Veranstaltungen am Bahnhof Zentrum und am Wettinplatz angemeldet, um Flagge zu zeigen. "Nach dem Hochwasser braucht Döbeln keine braune Flut. Das müssen wir deutlich machen. Denn je mehr Bürger den Nazis zeigen, dass sie hier nicht einfach mal durch unsere schöne Stadt marschieren können, desto weniger ist damit zu rechnen, dass sie gleich wieder kommen", sagt Henning Homann (SPD) vom Bündnis. Vor Zwei Jahren ging diese Strategie schon einmal auf. Damals meldeten der SPD-Landtagsabgeordnete Homann und Oberbürgermeister Egerer (CDU) gemeinsam Gegenveranstaltungen an. So blieb der Nazispuk auf dem Bahnhofsvorplatz stecken.

 

 

 

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Stephan Siegmund, Döbelner Pfarrer

Thomas SparrerKommentar Seite 13

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