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Döbeln Burg Mildenstein in Leisnig: Sonderschau rund ums Stille Örtchen
Region Döbeln Burg Mildenstein in Leisnig: Sonderschau rund ums Stille Örtchen
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19:19 08.06.2016
Sonderausstellung zur Geschichte des stillen Örtchens auf der Burg Mildenstein in Leisnig.   Quelle: Steffi Robak
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Leisnig

 Wie war das eigentlich früher auf den mittelalterlichen Burgen, wenn die hohen Herren dort hin mussten, wohin auch der Kaiser zu Fuß geht? „Hinter vorgehaltener Hand wird das schon hin und wieder bei Führungen gefragt“, sagt Peter Knierriem. Auch sei die Frage bisher unbeantwortet geblieben, wie die Burgbewohner ihre Notdurft verrichteten oder für ihre Körperhygiene sorgten. Der Schlossbetriebsleiter von Rochlitz, Colditz und Gnandstein baute jetzt die Ausstellung auf dem Kornhausboden der Burg Mildenstein mit weiteren Mitarbeitern auf. In Rochlitz entstand die Idee zur Ausstellung. Mittlerweile war sie auch anderswo zu sehen, so in Thüringen, und wird nun auf Mildenstein gezeigt.

Von Abortgrube über Schizhûs und Donnerbalken bis Abtritt reichen die Bezeichnungen für den Ort, wo Menschen diesen speziellen Bedürfnissen nachgingen. Man verrichtete seine Notdurft in großer Runde in öffentlichen, prächtig ausgestatteten Badehäusern in der Antike, einige Jahrhunderte später heimlich auf dem heimlichen Gemach oder hemmungslos, wo man sich gerade befand.

„In den mittelalterlichen Burgen sorgen die so genannten Scheißnasen dafür, dass das Ungewollte nach draußen fällt und dann dort in Ruhe zu Humus wird“, so Knierriem weiter. Bei diesen Scheißnasen handelt es sich um außen an die Wand angebaute und von innen begehbare Gelasse, in welche man sich im Falle des Falles zurückziehen konnte.

Die Bezeichnung „mittelalterlich“ steht dabei durchaus für „rückständig“, denn bereits im antiken Rom sei man wesentlich weiter gewesen, was das technische Know How der Fäkalienbeseitigung anbelangt. Kanalisation und Wasserspülung waren damals im griechische-römischen Kulturkreis durchaus schon bekannt. Ein besonderes Ausstellungsstück stellt ein Steingut-Keramik-Rohr dar in der Art, wie es sich die Firma Villeroy und Boch patentieren ließ und wie es ab etwa 1890 bis heute als effizientes Verlegesystem zum Einsatz kommt. Das auf Mildenstein ausgestellte Rohr trägt einen Jugendstil-Herstellerstempel vom 18. Juni 1904. Mit derartigen Rohren begann vor etwa hundert Jahren der standardisierte Abwasserkanalbau. Im Grunde erreicht die Abwasserentsorgung in Europa erst wieder im 19. Jahrhundert den Organisationsgrad beziehungsweise Standard, den es vor mehr als 2000 Jahren zumindest auf Teilen des Kontinents schon einmal gab.

Die Ausstellung will den kulturhistorischen Bogen spannen von den Anfängen der Fäkalienentsorgung von den Anfängen bis in die Neuzeit beziehungsweise Moderne. Dabei werden auch Einblicke möglich, wie sich diese Notwendigkeiten beispielsweise in der Gestaltung speziell dafür gefertigter Möbel niederschlugen. So brachte Bernd Wippert, Schlossbetriebsleiter von Mildenstein und Kriebstein, vier so genannte Toilettenschränke auf Mildenstein vorbei. In zugeklapptem Zustand fügen sich diese durchaus unauffällig in das Interieur eines Biedermeierzimmers ein.

Vom transportablen Toilettenstuhl, Nachttöpfen bis WC-Bürsten in Form des früheren US-Präsidenten George W. Bush dokumentieren die teils kuriosen Ausstellungsstücke ein Kapitel Kulturgeschichte. Auf dem Kornhausboden ist des Weiteren dokumentiert, wie Fäkalausdrücke im Schmähschriften oder -reden Eingang fanden, unter anderem gegen politische oder religiöse Gegner. So ist in einer Darstellung aus der Reformationszeit der zu sehen, wie Martin Luther unsanft in einen Lokus verfrachtet wird.

 Sonderausstellung zur Geschichte des stillen Örtchens auf Burg Mildenstein in Leisnig; erster öffentlicher Stuhlgang am Freitag 18 Uhr mit Burgmuseumsführer Michael Kreskowsy. Der Eintritt zu dieser Führung am Freitag ist für alle Interessenten frei. Unter dem Titel „Öffentliche  Stuhlgänge“ werden weitere Sonderführungen zur Ausstellung auf dem Kornhausboden bis Ende November angeboten.

Von Steffi Robak

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