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Döbeln Bus bremst Bahn in der Region Döbeln
Region Döbeln Bus bremst Bahn in der Region Döbeln
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23:00 24.09.2012
Fotomontage: Sven Bartsch

Es hat schon vor dem Tag der Sachsen in Freiberg für Diskussionen gesorgt. Dass die Zellwaldbahn nicht parallel zu den Bussen des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) zwischen Nossen und Freiberg gependelt ist (die DAZ berichtete), hat zumindest die Eisenbahnfreunde irritiert. Die Mitglieder der IG Dampflok Nossen und der Förderverein Zellwaldbahn haben sich ein Jahr lang um einen Zugverkehr auf den Gleisen im Zellwald bemüht. Das Konzept passt allerdings nicht in die Tarifstruktur der Verkehrsverbünde, die feste Partner gebunden haben. Andreas Rost von der IG Dampflok Nossen und Mitglieder des Fördervereins Zellwaldbahn sehen damit die Monopolisierung der Busunternehmen durch den VMS einmal mehr bestätigt.

Gleichwohl die Stadt Freiberg Interesse am Einsatz der Traditionsbahn zum Sachsentag signalisiert hatte, lehnte der VMS dankend ab, da der Zellwaldbahn-Verein nicht Mitglied im Verbund ist und damit nicht im Verkehrskonzept berücksichtigt werden könne. Eine Anwendung des VMS-Tarifes hätte einen Beitritt zum Kooperationsvertrag bedeutet, in dem sich die Verkehrsunternehmen zur dauerhaften Anwendung des VMS-Tarifes verpflichten. VMS-Sprecherin Silke Dinger: "Der VMS arbeitet grundsätzlich mit Kooperationspartnern zusammen, die aktiv den VMS-Tarif anwenden, aus dem auch die Finanzierung der Sonderleistungen zum Tag der Sachsen erfolgte." Weswegen der Verbund vorrangig auf bestehende Kooperationen mit Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und des Schienenpersonennahverkehr (SPNV) gearbeitet hat "und in Zukunft auch vorrangig arbeiten wird", so Dinger.

Was folgte, ist bekannt: Zum Volksfest fuhren Busse von Döbeln über Nossen nach Freiberg. Die Zellwaldbahn fuhr auch - allerdings "wieder mal an Meißen, Döbeln und Nossen vorbei", berichtete Andreas Rost resigniert, der sich an das Beispiel im vergangenen Jahr erinnerte, wo zum Tag der Sachsen in Kamenz eine Vergabe der Zugleistungen an den Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde in Löbau möglich war.

Der Verkehrsverbund setzte zwischen Döbeln und Freiberg die Sonderbuslinie TS 1 (entspricht der Buslinie 750) ein. Mit der Folge, dass einzelne Busse überfüllt und Fahrgäste teils auf den nächsten Bus warten mussten. Silke Dinger: "Die konkreten Vorwürfe zu Schwachpunkten in der Organisation werden wir mit der Regiobus Mittelsachsen auswerten." Die von Andreas Rost beobachtete Lücken im sonst gelobten Verkehrskonzept zum Tag der Sachsen, mobilisierte die Eisenbahn-Protagonisten, einen Offenen Brief an den Sächsischen Landtag zu verfassen, um darin auch für Vorteile des Schienenverkehrs - generell und bei derartigen Großereignissen - zu werben. Th. Lieb

Region Döbeln. Diese Aussage war nicht von Dauer: Noch im Juli dieses Jahres verkündete die Marketing-Chefin der Vogtlandbahn, Christine Hecht, dass Döbeln die direkte Zugverbindung nach Berlin per Vogtlandexpress erhalten bleibt. Seit Mitte 2011 mit ausgedünntem Angebot - der Express fährt seit dem nur noch freitags bis montags und in den Ferien - stellt das Unternehmen nun bald den Bahnverkehr nach Berlin ein und stattdessen komplett auf den Bus um (DAZ berichtete). Das heißt, ab 1. Oktober können aus Reisezeitgründen die bisherigen mittelsächsischen Haltestellen Mittweida, Waldheim und Döbeln gar nicht mehr bedient werden.

"Die erheblichen Kostensteigerungen bei den Energie- und Infrastrukturkosten sind dauerhaft durch die Fahrgeldeinnahmen nicht auszugleichen und damit ein eigenwirtschaftlicher Betrieb nicht weiter tragbar", heißt es dazu in einer Information des Verkehrsunternehmens. Die bislang erfolgten Bahn-Halte in Döbeln, Waldheim und Mittweida werden als "sehr wenig frequentiert" bezeichnet. Auf den Punkt gebracht: Nur auf der Straße rechnet sich der Vogtland-Express noch und das auch nur, wenn es schnurstracks auf der Autobahn nach Berlin geht und nicht über Land gefahren werden muss.

Für Verfechter eines funktionierenden Schienenverkehrs, wie den Vorsitzenden des Roßweiner Modellbahnclubs, Torsten Stein, stellt sich die Angelegenheit anders dar. Schon das Einführen des Mischkonzeptes im vergangenen Jahr (Wochenende Zug/wochentags Bus) sei das falsche Signal an die Kunden gewesen. Stein: "Es ist wieder einmal der Beweis dafür, dass man durch immer schlechtere Bahnverbindungen die Kunden an die Gummiräderfraktion verliert und irgendwann so wenige Fahrgäste den Zug benutzen, dass sich der Weiterbetrieb nicht lohnt." Nach Steins Ansicht wäre der bessere Weg gewesen, das Angebot mit attraktiven Fahrzeugen und Fahrzeiten kundenorientiert zu entwickeln und dauerhaft anzubieten. "Stattdessen holt man sich Reisebus-Subunternehmer ins Boot und überlässt diesen das Feld." Fahrgäste aus Waldheim, Döbeln und Mittweida würden fallen gelassen.

Gerade wegen dieses aktuellen Beispiels sehen die Bahnfreunde schwarz, was die Regionalbahn Leipzig-Döbeln-Meißen angeht. Hier hat sich mit der Umstellung vom Ein- auf den Zwei-Stunden-Takt zwischen Döbeln und Nossen das Zug-Angebot ebenfalls schon verschlechtert. Da ab Dezember wegen der Großbaustelle Elbbrücke keine Züge mehr zwischen Nossen und Meißen fahren sollen, ist ein weiterer Fahrgastrückgang zu befürchten. Nur noch eine Frage der Zeit wird es sein, dass die Regionalbahn aus Leipzig in Döbeln endet. Natürlich mit dem Verweis darauf, dass zwischen Döbeln und Nossen der "Muldentaler" im Stundentakt verkehrt. Wohlgemerkt: beim "Muldentaler" handelt es sich um eine Buslinie. O. Büchel

Oschatz/Mügeln (FH). Nach Jahren der Unsicherheit soll hingegen für die Döllnitzbahn, die zwischen Oschatz, Mügeln und Glossen verkehrt, künftig genug Geld für einen beständigen Betrieb fließen - und zwar aus der Staatskasse. Der aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium stammende Entwurf einer neuen Finanzierungsverordnung für den öffentlichen Nahverkehr sieht vor, dass von 2015 bis 2020 pro Jahr 550 000 Euro explizit für den Betrieb der Döllnitzbahn bereit gestellt werden. Wird die neue Finanzierungsverordnung beschlossen, dann ist die Zukunft der Döllnitzbahn zumindest bis 2020 gesichert. Denn auch für die Übergangszeit in den nächsten beiden Jahren sieht es nicht schlecht aus. "Wir verhandeln noch, sind aber auf einem guten Weg", sagt Volkmar Winkler, Vorsitzender des Zweckverbandes Döllnitzbahn. Der Mügelner Bürgermeister ist zuversichtlich, dass die Verhandlungen im Oktober abgeschlossen werden können. "Der Betrieb der Döllnitzbahn wird 2013 und 2014 wie in den vergangenen zwei Jahren von allen Beteiligten abgesichert werden", erklärt Winkler. Das sind neben dem Landkreis Nordsachsen und den Anlieger-Gemeinden Oschatz, Mügeln und Naundorf auch der Freistaat und der Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig.

Auch für die Instandhaltung - insbesondere für Brücken und Gleisanlagen - erhoffen sich die Döllnitzbahner Geld vom Freistaat. Zwischen 2,2 und 2,5 Millionen Euro müssten aufgewendet werden

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