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Chance, sich selbst zu integrieren

Minderjährige Flüchtlinge Chance, sich selbst zu integrieren

Kinder und jugendliche Migranten haben in Deutschland Schulpflicht. Jawad, Mahdi, Reza, Rahman, Abdalla und Mirheg aus Syrien und Afghanistan, besuchen das Berufliche Schulzentrum von Döbeln. Sie wohnen in einer Pflegefamilie in Klosterbuch.

Für minderjährige Asylsuchende besteht in Deutschland Schulpflicht. Die sechs Jugendlichen aus Klosterbuch besuchen jetzt das Berufliche Schulzentrum in Döbeln.

Quelle: Steffi Robak

Leisnig. Sie heißen Jawad, Mahdi, Reza, Rahman, Abdalla und Mirheg, sind um die 16 bis 18 Jahre alt und hatten am Montag ihren Schulstart im beruflichen Schulzentrum von Döbeln. Diese sechs kommen aus Syrien und Afghanistan und wohnen in Klosterbuch.

Es sitzen Jungen aus dem Benin, Somalia, Ägypten, Marokko oder dem Irak in der knapp 30 Mann starken Klasse. Wenn sie in der „Vorbereitungsklasse mit berufspraktischen Aspekten“ gut abschneiden, können sie ab dem kommenden Schuljahr ein Berufsvorbereitungsjahr absolvieren – wie jeder andere Jugendliche in ihrem Alter auch.

Lernen sie schnell Deutsch und können dem Unterrichtsstoff folgen, werden sie im Berufsvorbereitungsjahr in die Regelklassen integriert. Am Ende eines erfolgreich absolvierten Berufsvorbereitungsjahres bekommen sie den Hauptschulabschluss anerkannt.

Viele von ihnen mussten ihre Schulausbildung wegen instabiler politischer Verhältnisse in ihren Herkunftsländern abbrechen. Die Leiterin des BSZ, Katrin Neumann sagt: „Ziel ist, die jungen Männer fit zu bekommen für eine spätere duale Ausbildung. Wir befinden uns mitten im Schuljahr, sie haben also relativ wenig Zeit.“

Drei Lehrer unterrichten die Jungen, die je nach Wissensstand, Auffassungsgabe und Beherrschung der deutschen Sprache künftig in zwei Klassen geteilt werden – jedoch explizit nicht nach Herkunft oder Ethnie.

Dabei deutet sich durchaus an: Zu den Jugendlichen aus den afrikanischen Ländern in der Klasse besteht eine unsichtbare Barriere. Alle zusammen werden sich aneinander und auch an die Schulverhältnisse in Deutschland erst gewöhnen müssen.

Wie fit sie sind, können Rahman, Reza und die anderen Klosterbucher Jungs sofort beweisen. Sie müssen etwas auf die Reihe bekommen, was in Deutschland üblich ist: Ein Formular ausfüllen, ihre Schulanmeldung. Die Felder sind auf Deutsch beschriftet. Das Geburtsdatum ist kein Problem, doch manche kennen ihren Geburtsort nicht. Die Bedeutung von Begriffen wie „Religionszugehörigkeit“ oder „Migrationshintergrund“ lassen sie sich erklären, schreiben „Moslem“ oder ihr Herkunftsland aber selber hin.

Dazu gehört ihre aktuelle Wohnadresse. Unter den knapp 30 Jungen in der Klasse wohnen nur die sechs aus Klosterbuch in einer regulären Pflegefamilie. Unbegleitete Minderjährige unterstehen dem Jugendschutzgesetz, und zwar bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Bis dahin haben sie Berufsschulpflicht.

Elsbeth Pohl aus Klosterbuch und ihr Mann Jürgen gehören zu bisher knapp zehn Pflegefamilien im Landkreis Mittelsachsen, die unbegleitete minderjährige Asylbewerber beherbergen, ihnen eine Familie sind. Alle anderen haben gerichtlich bestellte Vormünder irgendwo in Deutschland und sind in verschiedenen Wohnprojekten untergebracht.

Elsbeth Pohl appelliert an die Mittelsachsen, dass sich noch mehr Pflegestellen für Jungs wie ihre finden mögen: „Sie sind stark, sie haben allein den Weg bis nach Deutschland gefunden. Trotzdem oder gerade in ihrer Situation brauchen sie familiäre Wärme, selbst wenn sie nach außen nicht diesen Eindruck erwecken. Wer will das schon mit 16?“

In der jetzt neuen Döbelner BSZ-Klasse schauen die Lehrer zumeist in unfertige Jungsgesichter. Da wächst kaum einem schon ein richtiger Bart. In der Pause sprechen sich die Jungs untereinander an, checken ab, wie die neuen Klassenkameraden drauf sind, machen Landsleute ausfindig.

Da wirken Manche von ihnen schon sehr souverän im Auftreten – trotzdem sind es Kinder, die sich wie Männer bewegen. In der Schulbank, wenn sie gedankenverloren vor sich hin blicken, kann schon das offene Lächeln eines Fremden einen unverhofft kindlichen Ausdruck in ihre Gesichter zaubern. Und gleich darauf sind sie wieder die ganz Harten – die es bis hierher geschafft haben.

Zur Schule und zurück geht es ab jetzt mit Bus oder Bahn, ob nun von Töpeln, Großweitzschen, Roßwein oder Klosterbuch. Bis zum Schuljahresende zeigt sich, wer den Anschluss schafft. „Dafür muss man schon sehr intelligent sein“, sagt Katrin Neumann. Sie hat keinen Zweifel, dass es einigen tatsächlich gelingen wird. Wer bis zum Schuljahresende noch nicht den Anschluss schafft, darf noch einmal in die Vorbereitungsklasse. Bis zum 18. Lebensjahr sollte der Weg klar sein – denn dann entfällt für die dann Volljährigen die Berufsschulpflicht.

Von Steffi Robak

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