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Döbeln "Chronisch tobsüchtige" Patienten
Region Döbeln "Chronisch tobsüchtige" Patienten
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16:39 06.10.2011
Dr. Boris Böhm, Historiker und Leiter der Gedenkstätte Pirna Sonnenstein hat auf 17 Tafeln die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein von 1811-1939 aufbereitet. 100 Jahre alte Fotos aus einem Familienalbum zeigen wie Psychiatrie damals funktionierte. Quelle: Wolfgang Sens

Die "Königlich Sächsische Heil- und Verpflegungsanstalt Sonnenstein" trägt heute immer noch das Stigma, das von den Nationalsozialisten mit der Einrichtung einer Tötungsanstalt für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen der Klinik aufgedrückt wurde. In den Jahren 1940/41 sind dort fast 15 000 Menschen ermordet worden.

Dabei ist die Klinik Sonnenstein in den 128 Jahren ihrer Existenz auch eine Musteranstalt von europäischer Bedeutung gewesen. "Ihre Anerkennung beruhte auf den beachtlichen Heilungserfolgen und der exzellenten Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses", erklärt Dr. Boris Böhm, Leiter der Gedenkstätte Pirna Sonnenstein.

Er eröffnete am Dienstag die Ausstellung "Die Sonne der deutschen Psychiatrie ging auf dem Sonnenstein bei Pirna in Sachsen auf".

Im Flur des Verwaltungsgebäudes des Fachkrankenhauses Bethanien Hochweitzschen hängen noch bis zum 29. Oktober 17 Tafeln. Sie dokumentieren gut illustriert die ambivalente Entwicklung der Klinik in Verbindung mit der Einrichtung Hochweitzschen in Wort und Bild. Hochweitzschen, 1874 gegründet, war die drittälteste Tochteranstalt von Sonnenstein. Sie diente zunächst der Entlastung anderer Pflegeanstalten. Aufgenommen wurden vor allem sieche und "chronisch tobsüchtige" Patienten. "Hochweitzschen war von 1888 bis 1921 neben Sonnenstein Sitz des Pflegerhauses des Landes Sachsen. In beiden Einrichtungen wurden etwa 1150 Anstaltspfleger bis 1945 ausgebildet.

"Wir Psychiater müssen uns immer wieder der Geschichte stellen, uns des Stigmas annehmen, was auf uns lastet und gleichzeitig deutlich machen, dass die Psychiatrie heute anders und sehr erfolgreich ist", sagt Dr. Rudolf Lehle, Chefarzt und ärztlicher Leiter des Fachkrankenhauses Hochweitzschen. Er versteht die öffentliche Ausstellung als Anregung zum Dialog.

Ines Witt-Klotz

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