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Döbeln DAZ-Interview: Kreissportbundchef will Krusten aufbrechen
Region Döbeln DAZ-Interview: Kreissportbundchef will Krusten aufbrechen
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22:29 21.03.2012
Mittelsachsen

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Auf dem DAZ-Stadtsofa sprach der 50-Jährige über den Sportverein als Unternehmen, personelle Sorgen, das Ehrenamt, seine Wünsche für die Arbeit des Kreissportbundes und warum er selbst nicht mehr aktiv Sport treibt.

Frage: Was hat Sie damals veranlasst, den Vorsitz des Kreissportbundes Mittelsachsen zu übernehmen?

Volker Dietzmann: Zwei Dinge haben aus meiner Sicht dafür gesprochen: Einerseits war ich der Meinung, dass die Leute, die im Kreissportbund arbeiten, Unterstützung brauchen können. Rüdiger Borck hatte darum gebeten, von seinem Amt als Präsident entbunden zu werden. Und zweitens war es für mich eine Möglichkeit, den Kontakt zum Sport nicht ganz zu verlieren.

Sind Sie noch aktiv als Handballtrainer?

Nein. Ursprünglich hatte ich aufgehört, um neben der Arbeit mehr Zeit mit meiner Familie zu haben. Mit der Aufgabe als KSB-Präsident hat sich das allerdings auch erledigt.

Wie ist dieses letzte Jahr für Sie als KSB-Chef gelaufen?

Es stand mehr oder weniger unter dem Aspekt des Durchhaltens. Wir haben mehr verwaltet als gestaltet.

Wieso?

Das hatte personelle Gründe. Vier Wochen nach meinem Amtsantritt ist unser damaliger Geschäftsführer erkrankt und für lange Zeit ausgefallen. Unser Jugendkoordinator hat sich verändert und stand nicht mehr zur Verfügung. Ersatz gab es nicht, deshalb war diese Zeit relativ problematisch.

Wie hat die Arbeit des KSB ausgesehen?

Durch den Zusammenschluss der drei Kreissportbünde ist eine enorme Bandbreite an Wettbewerben entstanden. Wir waren eigentlich hauptsächlich damit beschäftigt, dieses umfangreiche Programm durchzuziehen.

Nichtsdestotrotz hat der Kreissportbund Mittelsachsen im vergangenen Jahr Mitglieder dazugewonnen.

Ja, knapp 300. Darüber sind wir glücklich, denn Zuwachs ist nicht überall der Fall. Momentan haben wir in 410 Vereinen ein paar über 44 000 Mitglieder.

Gibt es eine Ziel-Zahl für die Zukunft?

Bis 2016 wollen wir 45 000 Mitglieder haben.

Wie kann das gelingen?

Es sind natürlich die Vereine, die dafür sorgen, dass die Menschen in ihrer Heimat Sport treiben können. Und meiner Meinung nach gehen die Leute dorthin, wo sie ein gutes Angebot bekommen. Das muss nicht immer das billigste sein.

Die Höhe des monatlichen Vereinsbeitrags spielt allerdings für viele Familien eine entscheidende Rolle.

Ich bin der Meinung, dass sich jeder vor Augen führen muss, was in einem Angebot drin steckt. Bietet ein Verein gut ausgebildete Übungsleiter und gute Rahmenbedingungen, ist auch ein etwas höherer Beitrag gerechtfertigt. Der Verein wiederum muss sich Gedanken machen, welchen Beitrag er leisten kann, um seinen Stand zu erhalten. Ich bin kein Unternehmer, aber ich vertrete die Ansicht, dass ein Sportverein wie ein kleines Unternehmen betrachtet werden muss.

Auch, wenn Sport im Verein sehr preiswert ist - es stehen enorme Aufwendungen im Hintergrund. Und die Sportler sollten sich das bewusst machen. Ich finde es beispielsweise bedenklich, wenn einige Spieler Geld dafür bekommen, dass sie ihrem Hobby nachgehen, während andere ihre Freizeit dafür opfern, um die Bedingungen dafür zu schaffen.

Sie sprechen sich für eine Entschädigung des Ehrenamtes aus?

Es ist ganz entscheidend für den Sport, dass es Leute gibt, die sich vor eine Gruppe stellen und Verantwortung übernehmen und Angebote machen. Vereinsmitglieder sollten solche Leute unterstützen. Es muss im Verein eine Gerechtigkeit hergestellt werden: Wer mehr leistet, etwas für die anderen tut, sollte auch etwas bekommen. Ich finde diese Diskussion zulässig. Wir müssen uns bewusst machen, was wir unter der Überschrift Solidargemeinschaft zu sehen haben. Fakt ist: In einer so leistungsorientierten Gesellschaft wie der unseren ist es kritisch, ohne Entschädigung Leistung zu erbringen.

Von staatlicher Seite aus gibt es für ehrenamtlich Engagierte bis auf Steuerentlastung kaum Entschädigung. Was kann ein Kreissportbund in dieser Beziehung leisten?

Ich habe es früher selbst nicht geglaubt, aber der viel belächelte 'feuchte Händedruck' hinterlässt eine unglaublich große Wirkung. Würdigung ist das Stichwort und reich ist im Ehrenamt noch niemand geworden.

Wie sieht es denn aus Ihrer Sicht derzeit aus in Sachen Ehrenamt-Nachwuchs?

Ich beobachte, dass zunehmend mehr jüngere Leute beispielsweise in den Lehrgängen zur Weiter- und Fortbildung sitzen. Einerseits ist das gut, andererseits sehe ich dort schon wieder eine neue Gefahr für die Vereinsstrukturen.

Inwiefern? Heißt es denn nicht immer, wir brauchen junge Leute in den Vereinen, die Verantwortung übernehmen?

Ja, aber es ist problematisch, junge Leute auf lange Sicht in den Vereinen zu halten. Ob das gelingt, ist stark davon abhängig, was ihnen vor Ort geboten wird. Vielleicht wird diese Situation wieder besser, wenn mehr Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden.

Wie können die Vereine selbst dafür sorgen?

Ich spreche hier gern von Nachhaltigkeit. Es wird immer so sein, dass die Besten weggehen. Aber es ist eine Frage der Kultur, wie man sie gehen lässt und wie man ihnen als Verein in Erinnerung bleibt. Es macht also beispielsweise Sinn, als Verein in einen guten Übungsleiter zu investieren, der dann mit seiner Kompetenz dem Nachwuchs etwas mit auf den Weg gibt und so dafür sorgt, dass man in guter Erinnerung bleibt. Wenn dann für einen jungen Sportler irgendwann nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn die Frage aufkommt, wo und ob er sich weiter engagieren will, wird er das vielleicht in seinem Heimatverein tun, wo er sich wohl gefühlt hat.

Stichwort Wohlfühlen: Wie weit ist aus Ihrer Sicht das Zusammenwachsen der drei Sport-Altkreise nach der Gründung des Kreissportbundes Mittelsachsen fortgeschritten?

Da sind wir noch nicht wirklich weit. Aber wir können auch nicht mit einem Federstrich wegwischen, was 50 Jahre lang gewachsen ist und gelebt wurde. Es müssen erst Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden.

Wie lange wird es dauern, bis man nicht mehr von Döbeln, Freiberg und Mittweida spricht, sondern von Mittelsachsen?

Der Mensch hängt viel an der Vergangenheit. Ich denke, eine Generation wird es mindestens brauchen.

Nach der Auflösung der drei Kreissportbünde Döbeln, Mittweida und Freiberg hat man in den Altkreisen Geschäftsstellen als Anlaufpunkte für die Vereine belassen. Wir funktioniert dieses System?

Ich persönlich bin nicht von den Außenstellen überzeugt. Der Trend sollte dahin gehen, dass sich die hauptamtlichen Mitarbeiter des Kreissportbundes zu den Vereinen bewegen. Es kann nicht sein, dass ehrenamtlich Tätige zum Hauptamt kommen. Es muss umgekehrt laufen.

Am 18. April ist Kreissporttag. Werden Sie sich wieder zur Wahl stellen?

Ja, ich stelle mich wieder zur Wahl. Die Mannschaft steht soweit und ich denke, dass wir nach diesem letzten Jahr versuchen werden, ein bisschen Staub aufzuwirbeln. Wir wollen ein paar Krusten aufbrechen, um dann anzufangen, etwas zu gestalten.

Zum Beispiel?

Ich habe die Hoffnung, dass wir gemeinsam mit dem Landkreis in den nächsten drei Jahren an einigen Sportstätten ordentliche Bedingungen schaffen können. Im Doppelhaushalt des Freistaates sind Mittel für den Sportstättenbau eingeplant. Jetzt liegt es an den Vereinen.

Was wünschen Sie sich für die nächsten vier Jahre im Kreissportbund?

Dass sich die Geschäftsstellen als Dienstleister für die Vereine etablieren und wir damit den Anforderungen des großen Landkreises gerecht werden können.

Dass der Sport in Mittelsachsen immer die entsprechenden Grundlagen bekommt, wobei unsere Kommunen schon jetzt viel Unterstützung geben.

Und ich wünsche mir, dass die Ehrenämtler in den Vereinen die Enthusiasten bleiben, die sie in der Vergangenheit waren.

Interview: Manuela Engelmann

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