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DAZ-Porträt: Gemeindepädagogin Stephanie Hagedorn

DAZ-Porträt: Gemeindepädagogin Stephanie Hagedorn

Sie lächelt, selbst wenn es um ernste Dinge geht. Sie lächelt keine Probleme weg, sondern sie lächelt, weil Freude aus ihrem Inneren kommt. Stephanie Hagedorn, seit einem reichlichen Jahr die Döbelner Gemeindepädagogin, fühlt sich durch und durch als Optimistin.

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So kennt Stephanie Hagedorn wohl nur ihr Mann. Die Döbelner Gemeindepädagogin putzt für ihr Leben gern, weil sie dann nicht kreativ sein muss. Das hilft ihr, den Kopf freizubekommen für ihre Arbeit. Die Gitarre im Hintergrund erhielt sie zu Weihnachten geschenkt. Doch zum Spielen fehlt ihr oft die Zeit.

Quelle: Wolfgang Sens

Döbeln. Die 24-Jährige hält unter anderem Religions- und Konfirmandenunterricht, Christenlehre und Kindergottesdienste. Veranstaltungen und Feste organisiert sie mit. Zum Einsatz kommt sie nicht nur in Döbeln, sondern auch in Technitz, Mochau und Hartha. Im Kalender, der an der Wand ihres Zimmers hängt, reihen sich regelmäßige Termine aneinander. Hinzu kommen Dienstbesprechungen, Vorbereitungszeiten für Unterrichtsstunden und vieles mehr. Stress. Doch sie lächelt, wenn sie dies alles aufzählt. "Ich habe zwar eine 60-Stunden-Woche, aber ich hätte gern Zeit, noch mehr für die Menschen da zu sein, sie auch mal zu besuchen."

Dabei steht nach ihren Worten die Kirche in Döbeln nicht schlecht da. Was die St.-Nicolai-Gemeinde anbietet, sei "sehr bunt und sehr schön". Aber sie habe eben Träume von Dingen, die nach ihrer Meinung vielleicht auch noch irgendwann einmal möglich sind.

Wer so denkt, will sich einbringen. Stephanie Hagedorn engagiert sich seit ihrer Jugend. In Netzschkau im Vogtland, wo sie aufwuchs, bereitete sie zum Beispiel Kinderbibeltage vor und hielt mitunter die Christenlehre. In dieses Leben wuchs sie hinein, denn schon die Mutter hatte aktiv am Gemeindeleben mitgewirkt. Es war selbstverständlich, dass die ganze Familie sonntags zum Gottesdienst ging; sogar für leidenschaftliche junge Christen heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Doch Stephanie Hagedorn sagt - mit einem Lächeln auf den Lippen: "Ich bin dankbar dafür, wie ich aufgewachsen bin."

Sie merkte, Gemeindeleben macht ihr Spaß. "Das fängt damit an, dass man in die Kirche kommt, und als erstes lächelt einen freundlich jemand an", beschreibt sie das, was sie längst selbst verinnerlicht hat. Schule hatte im Gegensatz dazu für sie mehr mit Begriffen wie Leistung und Druck zu tun. "Dort herrschte eine kühlere Atmosphäre." Wirkliche Probleme hatte sie aber auch damit nicht, schließlich schloss sie ihr Abitur mit 1,9 ab. "Ich bin ehrgeizig", gesteht sie. "Das ist auch manchmal ein Fluch, weil ein ganzes Stück Perfektionismus mit dran hängt. Ich steigere mich mitunter in Dinge hinein, kann nicht zufrieden sein. Das kostet mich Kraft." Dann kommt die Stunde ihres Mannes, der sie auf den Boden des Machbaren zurückholt, wo sie wieder lachen kann.

"So ein richtiges Bekehrungserlebnis hätte ich cool gefunden", erwähnt sie verschmitzt. Es kam nicht dazu. Sie vermisst es auch nicht, schließlich wuchs sie mit Gott auf. Es waren zwei ganz humane Wesen, die ihr während einer Rüstzeit unabhängig voneinander rieten, Gemeindepädagogin zu werden. So begann sie 2004 ihr vierjähriges Studium an der Fachhochschule Moritzburg. Vorlesungen und Seminare in den Schwerpunkten Theologie, Pädagogik und Psychologie; nebenher praktische Arbeit in kirchlichen Gruppen der Umgebung. Traditionelle Sichtweisen stießen auf neue. "Die Bibelkritik, mit der wir konfrontiert wurden, wirkte auf viele Kommilitonen als Bremse oder warf sie sogar um. Mich nicht", beschreibt sie die Situation. "Ob nun Jesus in einem Stall geboren wurde oder nicht, ändert doch nichts an der Aussage, dass Gott in meinen Alltag, mir nahe kommt."

Sich mit sich selber auseinanderzusetzen, daran führte in der Ausbildung aber kein Weg vorbei. "Ich fragte mich schon, was ich guten Gewissens den Leuten erzählen kann. Bei der Schöpfungsgeschichte scheiden sich da ja die Geister", sagt sie ernst, wird dann aber wieder heiter: "Auch wenn manche meinen, man könne nicht alles wörtlich nehmen, was in der Bibel steht; bei Dingen, die mein Verstand nicht zusammenbekommt, sage ich mir: Das traue ich Gott einfach zu. Mag sein, ich sehe das in 20 Jahren anders."

Im Studium lernte Stephanie ihren künftigen Mann kennen, Stefan Hagedorn. Noch in Moritzburg heirateten beide. Gleich danach ging's ab nach Waldheim zu ihrer ersten Stelle als Gemeindepädagogin. Sie war befristet; erst mit dem Job in Döbeln kehrte vor einem reichlichen Jahr eine gewisse Stabilität in ihr Leben ein. Inzwischen befindet sie: "Das hier ist zur Heimat geworden, weil ich hier lebe, arbeite und in der Gemeinde glücklich bin. Wir haben beide eine feste Anstellung; mein Mann im evangelischen Kindergarten. Wir sind angekommen und möchten noch einige Jahre bleiben."

Ihr Zuhause wirkt aufgeräumt. Sie hat nicht etwa gewirbelt, weil sich Journalisten angekündigt haben. Nein, sie gesteht, "ein kleiner Ordnungsfanatiker" zu sein. "Ich putze gern ganz stupide. Wenn ich in Ruhe saubermache, muss ich nicht auf Knopfdruck kreativ sein und mir irgendetwas ausdenken."

Das scheint fast noch wichtiger als die eigentlichen Hobbys zu sein. Jedenfalls wischt sie wöchentlich, während sie kaum dazu kommt, sich ans Klavier zu setzen. Musizieren, gern auch an der Gitarre, bedeutet ihr viel. "Aber ich habe kaum Zeit dafür, oder nehme sie mir nicht." Gern malt sie auch, doch die Staffelei steht in der Ecke, wurde vor einem Dreivierteljahr zum letzten Mal benutzt. Stephanie Hagedorn lächelt - diesmal etwas verlegen.

Sie redet nicht drumherum. Wenn sie und ihr Mann ein ganzes Wochenende zusammen frei haben, was selten vorkommt, genießen sie es, einmal nichts zu tun außer zu ruhen. Das Leben als kirchlicher Mitarbeiter fordert. Und das Pensum nimmt stetig zu. An dieser Stelle kommt Stephanie Hagedorn an einen Punkt, der ihr kein Lächeln erlaubt. "Es macht mir Angst, wenn in unserer Landeskriche Stellen gekürzt werden, wo es zu wenige Gemeindeglieder gibt. Gerade dort, wo die Zahlen rückläufig sind, müssten Leute eingestellt werden", meint sie. "Ansonsten laufen wir Gefahr, dass wir mit der ewigen Kürzerei uns als Kirche selbst abschaffen." Frank Pfeifer

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