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DAZ-Umfrage: Schlechte Noten für Nahverkehr im Raum Döbeln

Analyse DAZ-Umfrage: Schlechte Noten für Nahverkehr im Raum Döbeln

Fast 900 Anwohner aus dem Altkreis Döbeln haben sich an der großen DAZ-Umfrage zum Öffentlichen Personennahverkehr beteiligt. Zwei Ergebnisse stechen heraus: Diejenigen, die den Zug nutzen, sind gegen den Umstieg auf Busse. Und: Ein Großteil der Befragten hat sich längst vom ÖPNV abgewandt.

Bahn, Bus, oder...? – ausgedünnter Zugverkehr im Raum Döbeln sorgt für Diskussionen.

Quelle: Sven Bartsch

Region Döbeln. „Bedingt ausreichend“, „beschämend“, „ungenügend“ - so und so ähnlich kommentieren die Teilnehmer der großen DAZ-Umfrage zum ÖPNV die Entwicklung desselben in Döbeln und Umgebung. Die große Mehrheit – das ergab die Befragung von 575 Menschen per Telefon sowie bis zu 322 in einer Online-Umfrage im Altkreis Döbeln – sieht in der Abhängung der Muldestadt vom Zugverkehr in Richtung Meißen und Dresden ein großes Übel und in den Bussen, die seit Mitte Dezember ersatzweise fahren, keineswegs eine gelungene Alternative. Viele haben sich aber auch generell vom ÖPNV abgewandt, weil weder Bahn noch Bus attraktiv genug erscheinen.

Fast 900 Beteiligte bei Telefon- und Online-Umfrage

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Sind Angebot und Service im Öffentlichen Personen Nahverkehr in der Region noch ausreichend? Die Döbelner Allgemeine Zeitung (DAZ) hatte dazu eine Umfrage gestartet.

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Zur Erinnerung: Seit 12. Dezember 2015 enden Personenzüge aus Leipzig kommend am Döbelner Hauptbahnhof. Wo bis dahin der Zug zumindest alle zwei Stunden weiter nach Meißen-Triebischtal fuhr, verkehren nun Linienbusse über Nossen nach Meißen und Schnellbusse nach Dresden. Mit sechs Fragen wollte die DAZ erfahren, wie die Anwohner im Altkreis Döbeln nach gut drei Monaten die neue Situation bewerten.

Mehrheit gegen Umstieg auf Busse

Grundsätzlich erachtet die Mehrheit den Zugverkehr in der Region als mangelhaft. Auf die Frage „Ist die Erreichbarkeit des Altkreises Döbeln mit der Bahn gegenwärtig ausreichend?“ antworteten 51 Prozent der am Telefon Befragten mit nein, online waren es sogar 86 Prozent. Diese zentrale Frage beschäftigte die Umfrageteilnehmer zum Teil so sehr, dass sie zusätzlich zu ihren Antworten erklärende oder Emotionen ausdrückende Kommentare verfassten oder Leserbriefe schrieben.

„Der Bahnhof Döbeln-Zentrum wird nicht mehr angefahren“, schreibt Waltraud Blank aus Döbeln zur Begründung für die schlechte Bewertung der Bahn-Erreichbarkeit in der Kreisstadt. „Das Aus der Bahnlinie Döbeln-Meißen ist beschämend für den ÖPNV“, meint Edeltraud Hänsel aus Ostrau und erhält Unterstützung von einer anderen Leserin, die anonym schreibt: „Es wäre besser, wenn die Züge wie bisher bis Meißen fahren würden, dann käme man auch besser in die Landeshauptstadt!“

Die Regionalzug-Linie nach Meißen wurde voriges Jahr eingestellt

Die Regionalzug-Linie nach Meißen wurde voriges Jahr eingestellt. Seitdem rollen nur noch Busse nach Roßwein, Nossen und Meißen.

Quelle: Sven Bartsch

Zwar sehen 47 Prozent der am Telefon Befragten den Bus durchaus als Alternative, jedoch sind hier 43 Prozent entschieden dagegen beziehungsweise zehn Prozent zumindest unsicher, ob dies die richtige Lösung ist. In der Online-Umfrage wird das Ergebnis deutlicher: 78 Prozent lehnen den Bus auf dem Weg nach Roßwein, Nossen, Meißen oder Dresden ab.

Überhaupt ist die Ablehnung des aktuellen Modells des Bahnverkehrs unter den online Befragten wesentlich größer ebenso wie das Grundinteresse am Thema. Dies zeigt sich allein an der unterschiedlich hohen Nutzungsrate der Befragten. 59 Prozent der Teilnehmer an der Online-Umfrage fahren regelmäßig Zug in Richtung Leipzig, Chemnitz oder Elsterwerda, nur gut sechs Prozent unter den Telefonbefragten.

So ist in der Online-Umfrage neben der deutlichen Tendenz gegen das Busfahren auch eine für die Verlängerung der Bahnstrecke Leipzig-Döbeln zumindest bis nach Roßwein (89 Prozent) erkennbar. „Ich bedaure sehr, dass Roßwein vom Zugverkehr abgekoppelt wurde und wünsche mir, dass das wieder rückgängig gemacht wird. Das Umsteigen von Bus zu Bus und Bus zu Zug bereitet älteren und behinderten Menschen immer mehr Beschwerden“, klagt die 80-jährige Irmgard Meinert aus Roßwein.

Viele Befragte vom ÖPNV abgewandt

Letzteres spielt aber auch deshalb eine Rolle, weil viele Befragte die Stilllegung des Haltepunktes Döbeln-Zentrum als Anlaufstelle in der Stadtmitte missbilligen. Führe der Zug wieder bis nach Roßwein, so die Argumentation einiger Teilnehmer, könnte er auch wieder am alten Bahnhof Döbeln-Ost halten. Eine Mehrheit ist zudem in beiden Umfragen dagegen, dass Geld in einen neuen Haltepunkt am Körnerplatz investiert wird.

„Haltepunkt Körnerplatz finde ich unnütz, kostet auch wieder Geld“, schreibt eine Teilnehmerin. Stattdessen solle Döbeln-Zentrum modernisiert werden. Erstaunlich hier: Mehr als ein Drittel der am Telefon Befragten gab an, dass es ihnen völlig gleichgültig sei, ob der Haltepunkt nun am Körnerplatz oder wie bisher an der Roßweiner Straße liege. Gleiches gilt immerhin für jeden fünften online Befragten.

Dies dokumentiert eine gewisse Abkehr vom ÖPNV, die bei der Frage, was die Bahn ändern sollte, um die Befragten als Fahrgast zu gewinnen, weiter verdeutlicht wird. Hier sagte die Mehrheit in der Telefonumfrage, dass die Fahrpreise der Hauptgrund für die Nichtnutzung des Zuges seien. Erst auf Platz zwei folgen attraktive Anschlüsse gefolgt von geöffneten Bahnhöfen. Pünktlichkeit, Taktung oder Service sind zweitrangig. In der Online-Umfrage dagegen spielen Anschlüsse und Taktzeiten die größte Rolle.

Von Sebastian Fink

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