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Döbeln Wannenbad zu Abriss verurteilt
Region Döbeln Wannenbad zu Abriss verurteilt
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23:32 09.12.2018
Das alte Wannenbad von Leisnig wird gerade abgerissen. Quelle: Steffi Robak
Leisnig

Halb nackt begrüßt eine Dame lächelnd den Besucher vom Wannenbad in Leisnig im Landkreis Mittelsachsen. Sie nimmt ihn ins Visier, noch bevor er an der Luke rechts sein Eintrittsgeld zahlt und dann in die weiß gekachelten Tiefen hinab steigt. Ein paar Stufen geht es nach unten, dann den finsteren Gang entlang. Lange wird die einladende Nackte nicht mehr von der Wand herab lächeln. Das Wannenbad wird abgerissen.

Vorbei die Tage, in denen noch halb Leisnig regelmäßig an den Markt pilgerte, um sich dort in den bis oben hin weiß gekachelten, engen Kabinen den Schmutz der Woche vom Leibe zu waschen. Das Wannenbad war eine Institution.

Gastronomie in Kupferschmiede

Im Bauamt der Stadtverwaltung existiert die Idee, die ehemalige Kupferschmiede für Gastronomie und als Herberge zu nutzen. Bisherige Interessenten, die zur Stadtverwaltung bereits Kontakt aufgenommen hatten, stehen für das Projekt nicht mehr zur Verfügung. Dennoch will die Stadt jetzt den nächsten Schritt wagen und im Hinterland der Kupferschmiede, im Innenbereich vom Block 11, alles abräumen lassen. Das Grundstück reicht bis an die Oberlanggasse. Die Stadt will das Grundstück weiter verkaufen.

Idee von Restaurant mit Hotel

Das macht das Grundstück aus Sicht von Bauamtsleiter Thomas Schröder interessant für den Betrieb als Restaurant beziehungsweise Hotel: Gäste gelangen per Auto durch die Toreinfahrt vom Markt aus aufs Grundstück, könnten dort parken, und in Richtung Oberlanggasse das Grundstück wieder verlassen. .

Ganzkörperhygiene für alle

Bei dem Wannenbad handelt sich um ein echtes Relikt aus 40 Jahren DDR. Um den Bürgern die Ganzkörperhygiene zu ermöglichen, wurden in vielen Städten öffentliche Wannenbäder eingerichtet. Mit frischer Wäsche in der Tasche oder im Rucksack, einem hellen und einem dunklen Handtuch, einem Stück Seife in der Plastikschachtel, späterhin dem legendären Waschbeutel, ging es nicht selten ganz in Familie ab zum Baden.

Ab in die gekachelte Kabine

Wo es ein öffentliches Schwimmbad gab, existierten zumeist auch in einer Reinigungsabteilung mehrere gekachelte Badekabinen mit Wannenbädern. Betreiber war die Stadt. Das Wannenbad in Leisnig existierte ab den 60er Jahren, dem Rathaus schräg gegenüber, direkt am Marktplatz.

Jeden Freitag wird gebadet

Nach und nach zog ein höherer Lebensstandard in Form eines Badezimmers in den real existierenden Sozialismus ein - zumindest in den Platteneubaublöcken. Generell wurde in vielen Wohnungen freitags die Badewanne aufgestellt - in der Küche, im Korridor, im Waschhaus – wo es passte.

Boiler löst Kessel ab

Wer irgendwie konnte, versuchte, im Haus ein Badezimmer einzurichten. Oder das gute alte Waschhaus wurde ausgebaut. Im Waschkessel war statt der Kochwäsche auch Badewasser erhitzbar. Später löste der riesige elektrische Boiler den Kessel ab. Die Waschmaschine kam.

Zuletzt noch Sauna

Jedenfalls war es irgendwann nicht mehr angesagt, das öffentliche Wannenbad aufzusuchen. Am Leisniger Markt Nummer 17 existierte bis in die 80er Jahre eine Sauna. Dann war Schluss. Das Wannenbadgebäude kommt nun weg. Das Vorderhaus direkt am Markt, ehemals Kupferschmiede von Justinus Richter, bleibt stehen. Die Stadt Leisnig kaufte Haus und Grundstück. Der aus Augsburg stammende letzte Erbe von Justinus Richter fand für den Gebäudekomplex, trotz einiger Ideen, keine Verwendung.

Von Steffi Robak

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